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Zwischen Tradition und Trendsetting: Shoppen in Ottakring

08. April 2015 / von / 1 Kommentar

Galt Ottakring einst als einer der gefährlichsten Ecken Wiens, kann man dem Bezirk rund um das Brunnenviertel seit Jahren beim Aufblühen zusehen. Lebensader ist der Brunnenmarkt, der eine hervorragende Alternative zur Supermarkt-Einöde ist. Hier vermischen sich die Kulturen und Lebensphilosophien, prallen alteingesessene Ottakringer auf frisch hinzugezogene Studierende. Schicke Läden gibt es hier zwar noch keine, dafür wird man schnell mal auf einen Çay eingeladen und in ein Gespräch verwickelt. Ein Streifzug durch ein lebendiges wie sympathisches Viertel.

Shopper: Marco Weise | Fotos: Igor Ripak

 

Brunnenmarkt

Während der Naschmarkt schon längst zum reinen Showmarkt verkommen ist, sich TouristInnen vor ihnen fremden Obst und Gemüse ablichten lassen, anstatt es zu kaufen und sich danach ihre Urlaubsfotos in einem der unzähligen Lokale bei einem Aperol Spritz ansehen, ist der Brunnenmarkt noch authentisch, bunt, vielfältig, multikulturell, laut, dreckig und ehrlich. Besonders umtriebig wird es am Samstag, wenn die Obst und GemüsehändlerInnen ihre Ware zum Sonderpreis abgeben und viele kleine Bauern und Bäuerinnen aus dem Umland anreisen, um ihre Ware feilzubieten. Der Yppenplatz ist das Zentrum des Brunnenviertels. Wenn man vor dort bis zur Thaliastraße durch den Markt spaziert, findet man (fast) alles, was man zum Leben braucht: frisches Obst, Gemüse, Kräuter, Gewürze, Fleisch, Kaffee, Fisch und zwei Käsestände mit umfangreichem Angebot.

Brunnengasse
Mo-Fr 6:00-18:30
Sa 6:00-14:00

 

Flohmarkt Nepomuk

Vom aktuell völlig ausufernden Vintage-Hype ist der Indoor-Flohmarkt am Johann Nepomuk Berger Platz verschont geblieben. Auf zwei Ebenen kann man sich von Freitag bis Sonntag durch Unmengen an Second-Hand-Ware zum angemessenen Preis stöbern. Das nicht gerade einladende Ambiente (wenig Licht, viel Geruch) ist zwar gewöhnungsbedürftig, aber wer auf der Suche nach sogenannten „Schmankerln“ ist, nimmt so etwas gerne in Kauf. Angeboten wird einem allerhand: Vasen, Geschirr, Schuhe, Kleidung, Schallplatten uns so weiter und so fort. Für jeden Bereich des Lebens ist da etwas dabei. Es gibt auch diverse „Spezialräume“, in denen man Zeug für bevorstehende Ereignisse erstehen kann. Aktuell gibt es einen Raum voller Ostersachen. Dass ein Teil der Einahmen vom Verein an die Kinder Krebshilfe gespendet wird, macht einen dann doppelt glücklich.

Johann-Nepomuk-Berger-Platz 6
Fr-So 10:00-18:00

 

markt_platz

Mitten am Yppenplatz befindet sich eine Werkstatt mit integriertem Shop. Es gibt T-Shirts, Filzpatschen, Lampen, Ohrringe aus Papier und Luster aus Kronkorken. Hergestellt werden sie von arbeitsuchenden Menschen und BezieherInnen der bedarfsorientierten Mindestsicherung. Hinter dem gemeinnützigen Projekt steht die Impuls Caritas und Volkshilfe GmbH, die so langzeiterwerbslose Menschen auf den Arbeitsmarkt vorbereitet. Die Produkte werden aus Recyclingmaterial hergestellt – aus Planen entstehen Taschen, Geldbörsel oder Mistkübel. Neben dem Kunsthandwerk umfasst das Angebot auch diverse Delikatessen. Dazu zählen das hervorragende Schlägl Bier aus der Stiftsbrauerei im Mühlviertel sowie Produkte des Behindertenheims am Himmel, das Marmeladen, Saucen und Sirupe herstellt. Bei zu vollem Einkaufskorb nimmt man am besten gleich das Zusatzservice in Anspruch und lässt sich das Gekaufte nach Hause tragen.

Brunnenmarkt, Stand 49-51
Mo-Fr 13:00-18:00
Sa 9:00-17:00

 

Halis Börek

Einkaufen macht hungrig. Zum Glück kann man im 16. Bezirk in Sachen Energiezufuhr aus dem Vollen schöpfen. In der Brunnengasse 48 bekommt man in einem winzigen Laden mit wenigen Sitzmöglichkeiten den besten Börek von Hütteldorf bis Simmering serviert. Der Sohn des Besitzers, Aykut steht hinter der Vitrine und schneidet gekonnt die großen, unterschiedlich gefüllten Blätterteigblätter in kleine, bissgerechte Stücke. Produziert wird im eigenen Haus. „Rund 30 bis 40 Kilo Börek gehen an einem Tag weg“, sagt Aykut und bietet uns eine Kostprobe und einen Çay an. Die Stücke werden abgewogen, 250 Gramm beträgt ein Stück und kostet 2 Euro. Für das Kilo zahlt man 8 Euro. Es gibt Börek mit Spinat, Käse, Kartoffeln, einen Wasserbörek (Su böreği) und einen mit Fleisch. Letzteren isst Aykut übrigens am liebsten.

Brunnengasse 48
Mo-So 5:00-22:00

 

Xaver Brauerei

Aus einem Erdgeschosslokal in der Hasnerstraße dringt eine wohlig duftende Hopfennote. Dort wo früher einmal die Backstube einer Konditorei war und 15 Jahre lang nichts passierte, wird seit rund einem Jahr gerührt, abgeschöpft, eingekocht und gemahlen. Jeden zweiten Freitag treffen sich hier Franz Lughofer und Thomas Haginger zum Bierbrauen. 400 Liter schaffen die beiden Nebenerwerbs-Brauer in zwei Gagen an einem Tag. Produziert wird nach eigener Rezeptur, die durch zahlreiche Versuche perfektioniert wurde und in der heimischen Craft Bier-Szene einen hervorragenden Ruf hat. Spezialisiert haben sich die beiden auf obergärige Biere. Aktuell haben sie fünf Sorten im Angebot: ein zitrusfruchtiges Pale Ale, zart bitteres Indian Pale Ale (IPA), ein spritziges Weizenbier nach belgischer Tradition (Wit), ein pechschwarzes, cremiges und intensiv nach Kaffee schmeckendes Stout und das sehr süffige, dezent starke Saison.

Hasnerstraße 14/6-7
Fr 14:00-17:00
Sa 10:00-13:00

 

Staud’s

Wer Ottakring sagt, muss nicht nur Bier, sondern auch Marmelade sagen. Denn für diese ist das Unternehmen Staud bekannt. Ihre Konfitürenkreationen entstehen in der Fabrik im 16. Bezirk und verkaufen sich weltweit hervorragend. Erhältlich sind viele Produkte zwar in jedem Supermarkt, aber im Pavillon am Yppenplatz kann man aus dem Vollen schöpfen. Auf wenigen Quadratmetern schlummern hier Köstlichkeiten im würzigen Essig-Gemisch oder im Zuckersirup. Die Wand ist voller Einmachgläser, was ein farbenfrohes, intensiv leuchtendes Mosaik voller Köstlichkeiten ergibt. Neben den Gläsern mit Gurken, Pfefferoni, Spargel, Silberzwiebel, gefüllten Paprika gibt es Kompotte und Konfitüren in vielen Geschmacksrichtungen. Der Renner ist die Marillenmarmelade mit 70 Prozent Fruchtanteil. Das Sauerkraut kommt frisch aus dem Holzfass. Und Senf von Ramsa gibt es hier in Gläsern. Ein Delikatessenladen, der viel Gaumenfreude bereitet.

Ecke Brunnengasse/Schellhammergasse
Di-Sa 8:00-12:30
Fr zusätzlich 15:30-18:00


Ein Kommentar
  1. Astrid

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    und lasse Dich von den vielfältigen Angeboten inspirieren.

    Mai.21.2015 at 18:27
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