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Engagement und Kreativität: Zu Besuch im inklusiven Familienzentrum „friends“

28. Mai 2015 / von / 1 Kommentar

Freundschaft ist laut Duden ein „auf gegenseitiger Zuneigung beruhendes Verhältnis von Menschen zueinander“. Mitten im zweiten Bezirk wird genau das gelebt. Denn zwischen dem Donaukanal und der Taborstraße, mitten in der schönen Leopoldstadt, liegt das interkulturelle Familien- und Jugendzentrum friends. Hier treffen großes Engagement und viel Kreativität aufeinander. 

Story: Nina Haden | Fotos: Nina Haden

Zur Begrüßung scheint nicht nur die Sonne, sondern auch die Kinder heißen einen herzlich willkommen. Beim Eintreffen findet man, zwischen Buntstiften, Bastelpapier und Kleber, Kinder vor, die mit viel Kreativität an einer Illustration arbeiten. Es geht um die bildliche Gestaltung der zuvor geschriebenen Geschichten für ein kollektiv erarbeitetes Buch. Derzeit ist das zweite in Arbeit. Nachdem das erste Buch reges Interesse bei den Kindern hervorrief, wird dieses nun im Rahmen des Mädchenzimmers, von jungen Frauen zwischen 11 und 18 Jahren mit viel Fantasie und Ehrgeiz geschaffen. Die Ausgangsgeschichten sind sehr offen gewählt und meist wird etwas Persönliches verarbeitet.

Sanja, ein 12-jähriges Mädchen, das fast täglich in das Zentrum kommt, hat sich, ganz passend, Freundschaft zum Thema gemacht. Veröffentlicht wird das Buch jedoch nicht, es soll etwas ganz Spezielles nur für die Jugendlichen sein.

„Montags bin ich beim Tanzen, Mittwoch findet immer das Mädchenzimmer statt und ansonsten wird auch ein sehr buntes Programm geboten“, klärt Sanja über die verschiedenen Angebote auf. Doch, dass die Kinder und Jugendlichen beispielsweise genug Platz zum Tanzen haben, ist nicht selbstverständlich. „Nach langjähriger Suche haben wir endlich eigene Räumlichkeiten gefunden, in denen beispielsweise das Mädchenzimmer Platz findet. Früher waren wir Untermieter in Pensionistenklubs. Da hat es immer Probleme gegeben, wenn ein Deckerl verrückt wurde“, erzählt Gerd Andrä, der das Zentrum leitet, von den Anfängen. „Hier ist es wesentlich angenehmer, denn die Kinder können sich nun austoben.“ Ein Fußballtisch lädt zum gemeinsamen Match ein, die Kisten sind randvoll mit Spielsachen gefüllt und der große Aufenthaltsraum bietet genügend Fläche, um sich zu bewegen und zu entfalten.

Vielfalt bei Altersstufen und Herkunftsländern

Das interkulturelle Familienzentrum „friends“ wird von den Kinderfreunden Leopoldstadt betreut und besteht nun schon im sechsten Jahr. Die Intention dahinter war, einen Raum für Aktivitäten jeder Altersklasse zu schaffen und somit zur Verbesserung der Lebensqualität im Stadtteil beizutragen.

Doch nicht nur die Kinder- und Jugend-, sondern auch die Eltern-Kind-Arbeit ist ein Anliegen des „friends“-Teams. Unterschiedliche Menschen sollen sich hier unter einem Dach versammeln und Interkulturalität leben. Dies ist auch gelungen. Doch obwohl die Mitglieder der Familie „friends“ von klein bis groß vertreten sind, sind es doch in erster Linie Kinder, die die Angebote in Anspruch nehmen. „Prinzipiell kann gesagt werden, dass der Vormittag für die Erwachsenenbildung reserviert ist und der Nachmittag für die Kinder, die aus der Schule kommen, bereitsteht. Um diesen das Schulleben zu erleichtern, werden auch Lernhilfeprojekte angeboten. Am Abend findet schließlich Programm für die Jugendlichen statt“, schildert Gerd den Tagesablauf. Dieser wird sowohl von professionellen Arbeitskräften als auch von freiwilligen MitarbeiterInnen bewältigt.

Das Familienzentrum  „friends“ im zweiten  Bezirk gibt es schon seit sechs Jahren. Hier finden Kinder und Jugendliche, die meist aus schwierigen sozialen Verhältnissen kommen, einen Raum zum Spielen, Reden und Zurückziehen.

Dass die Kinder aus unterschiedlichen Ländern kommen, ist hier selbstverständlich. Gerd Andrä betont, dass das Programm für alle da sei und nicht in separate Angebote für MigrantInnen unterteilt werde. „Es kommt uns auch auf eine bessere Durchmischung von Menschen aus unterschiedlichen sozialen Schichten und Herkunftsländern an“, erklärt der Leiter des Zentrums.

Fast alle Projekte sind auf Wunsch der Kinder ins Leben gerufen worden. So war beispielsweise ein großes Bedürfnis nach einem Tanzworkshop vorhanden. Ein anderer, sehr beliebter Programmpunkt ist das Mädchenzimmer. „Hier können wir über unsere Probleme reden. Das gefällt mir sehr gut“, erzählt Sanja, weshalb sie dieses immer wieder aufsucht.

Das Familienzentrum hat sich im Bezirk längst etabliert und funktioniert gut. Um die 10.000 Kontakte hat das „friends“, doch ihren Erfolg wollen die MitarbeiterInnen teilen. So haben sie den Themenabend „friends verschenkt seine Konzepte“ veranstaltet, der den Sinn hatte, das Wissen nicht zu horten, sondern auch an andere weiterzugeben.

Visionen und Zukunftsausblicke

Derzeit wird das Projekt durch den Bezirk und über Einzelförderer finanziert. Der nächste große Schritt soll die Erlangung einer Basisförderung seitens der Stadt Wien sein. Die Mitarbeiter von „friends“ sehen sich als StadtteilarbeiterInnen, die hier im Grätzel, dem Bezirk, in ganz Wien und noch darüber hinaus aktiv sein wollen.

Für Gerd Andrä ist das größte Ziel eines, das gar nicht unbedingt im Rahmen des „friends“ liegt: „Ich wünsche mir eine Gesellschaft, die sehr offen ist, in der Gleichstellung, egal ob dies die sexuelle Orientierung, oder Frauen- und Kinderrechte betrifft, gegeben ist. Wenn ,friends’ hier ein klein wenig dazu beitragen kann, wären wir schon zufrieden.“

Auch wenn dieser Wunsch weit weg erscheinen mag, so leistet „friends“ schon jetzt etwas ganz Wichtiges: Es bringt Kinder zum Strahlen. Und genauso verabschieden sich diese auch – mit einem Lächeln im Gesicht.


Ein Kommentar
  1. Wilhelm W.

    Die Initiative finde ich Lobens. und-unterstützenswert !
    Danke, weiter so !
    Wilhelm W.

    Mai.29.2015 at 11:46
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