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Resetarits: „Ein gutes Lied ist ein gutes Lied ist ein gutes Lied“

25. Juni 2014 / von / 0 Kommentare

Sänger und Menschenrechtsaktivist Willi Resetarits ist ein echtes Wiener Urgestein. Kein Wunder also, dass er mit uns auf Wienerisch spricht – über Dialektrock und Bühnenabenteuer.

Interview: Zoran Sergievski | Fotos: Michael Mazohl

Ein Freund von mir sagte, ich soll Ihnen dafür danken, dass Sie Ernst Molden Dialekt beigebracht haben. Was antworten Sie auf diese provokante Aussage?

RESETARITS: Na ja, wir sind zusammen gekommen. Und da habe ich ihm nix näher gebracht, sondern ihm vielleicht im richtigen Moment einen Stich gegeben, sodass ihm selber die Idee gekommen is‘, wenn er etwas für mich schreiben würde: was wäre die richtige Sprache? Und das hat ihm dann selber gut gefallen. Und so samma jetzt miteinand‘. Und der schreibt momentan die besten Lieder weltweit, sag‘ ich jetzt einmal.

Und ist damit weltberühmt in Wien.

RESETARITS: (lächelt) Ja, weltberühmt in Wien und Umgebung.

Was motivierte Sie beide zur Arbeit an „Ho rugg“, dem aktuellen Album?

RESETARITS: Na ja, wir haben schon a Weil‘ gespielt gehabt. Es ist ein Glücksfall. Diese vier Personen, Ernst Molden, Hannes Wirth, Walther Soyka und i, dass wir uns gut verstehen, dass wir uns mit größtem Respekt begegnen. Und dann hat sich der Ernst sehr, sehr toll entwickelt, die Lieder werden immer besser. Das macht mir eine Freud‘, wenn man seine Lieder spielen, oder, in meinem Fall, a singen derf. Das ist toll. Da braucht man dann keine Motivation. Die Motivation ist immanent. (denkt lange nach) Was dem Ernst einfällt, also sehr nahe bei ihm und seiner Persönlichkeit, was den Menschen Ernst Molden bewegt und was ihm wichtig ist, findetdann oftmals ned so direkt erkennbar, aber doch Platz in seinen Liedern. Er ist ein Beobachter. Er verbingt viel Zeit im Freien. Er ist einer so wie ich, einer, der es toll findet, in Wien zu leben und Ausflüge zu machen, auch in die Umgebung (lacht). Da san ma kosmopolitisch: wir geh‘n auch in den Wienerwald. Oder spün in ganz Österreich! Und das ist dann das, was auch beim Publikum ankommt, das jemand authentisch ist. Also ned überlegt: was könnte wem gefallen, sondern seine Weltsicht anbietet.

Sie haben in den Siebzigern angefangen mit Politsongs mit den Schmetterlingen, dann kam Dialektrock „mit“ Dr. Kurt Ostbahn, Balladen mit Stubnblues und seit einigen Jahren sind es Wienerlieder mit dem bereits genannten Ernst Molden. Gibt es irgendein Genre, das Sie sich nicht anzutasten trauen?

RESETARITS: Ja, Stubnblues ist eigentlich die Hauptband seit 2002. Tatsache ist, dass es mir große Freude macht, das breite Spektrum abzudecken. Ich hab‘ etliche Jahre in einer Jazzband g‘spüt, mit dem Wolfgang Puschnig und dem Roland Guggenbichler und hab‘ diesen Bereich für mich entdeckt. All die Sachen, wo man glaubt, die kann man nicht, sind leicht, wenn man sich ausgiebig damit beschäftigt. Ich habe sogar bei der Ruhrtriennale Cerha-Chansons gesungen, was relativ schwierig ist.

Ist es die Neugier, die Sie antreibt?

RESETARITS: Die letzten Abenteur, die möglich sind, sind auf der Bühne. So verstehe ich das: ins Ungewisse gehen, die Kraft aus dem Moment schöpfen. Das sind die neuen Abenteuer: neue Musiken zu spielen, wo man nicht sicher ist, ob sie funktionieren werden. Man muss dazu sogn, das Lied ist mein Hauptpart. Ein gutes Lied ist ein gutes Lied ist ein gutes Lied. Und das darf man schon auch so darbieten, dass man dem Komponisten und dem Textautor gerecht wird und das man es dem Publikum in der bestmöglichen Weise präsentiert.

Zurück zum Blues: ist das nur was für deprimierte Leute oder passt es eh ganz gut zu Wien?

RESETARITS: Der Blues hat mich ein Leben lang begleitet. Ist mir dann ab und zu weg gerutscht, weil dann andere Musiken gespielt werden mussten, und dann ist er wieder aufgetaucht. Und diese Stimmung, die spürt man auch in balkanischer Musik, oder im Fado und selbstverständlich findet sich die auch im Wienerlied. Das ist das spannende für mich, das ganz breite Spektrum. Das beginnt bei den Liedern meiner frühen Kindheit im Burgenland, wo man nur zweistimmig a cappella gesungen hat. Ich glaube, dass man da schon von einer sehr bluesigen Stimmung reden kann, ich mein, was ist das? Wehmut. Und von einem schönen traurigen Lied wird man ned traurig, sondern traurig und getröstet zugleich. Es ist der Trostfaktor, den man auch gern in Liedern sucht und findet.

Sie haben bereits die Sprache Ihrer Kindheit angesprochen: das Burgenlandkroatische. Wie haben Sie musikalisch zu Ihrer ersten Muttersprache gefunden?

RESETARITS: Ja, des war immer do. Man kann wahrscheinlich von einer Prägung reden. Das ist für mich das Natürlichste, was es gibt. Das hat das kleine Kind, das frische, als erstes hineingesungen bekommen ins Ohr – und nachher erst gelernt, dass das für andere, für Wiener Ohren ein bisschen exotisch sogar klingt. Die Musik habe ich nie verloren, aber die Sprache beinahe. Damals, als wir nach Wien kamen, hat man sehr stark das Assimilierende gepflegt, weil man doch ein bisschen als zweite Kategorie betrachtet wurde. 1952 waren alle österreichischen sprachlichen Minderheiten diskriminiert. Das ist so ein Reflex, man hot gern wen, auf den man ein bissl owe spucken kann. Aber ich will da jetzt keine Wien-Schelte, Trotteln gibt es überall auf der Welt. Wahrscheinlich muss das so sein.

Zur Person
Willi Resetarits, auch bekannt unter seinem Künstlernamen „Ostbahn Kurti“, wurde im Jahr 1948 im Burgenland geboren. Bereits seit seiner Schulzeit musiziert der Burgenlandkroate. Er ist außerdem Mitbegründer der Organisationen „Asyl in Not“, „SOS Mitmensch“ und „Integrationshaus Wien“.


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