Direktion der Volkshochschulen

Wienblicke

18. Juni 2015 / von / 0 Kommentare

Mit unschöner Regelmäßigkeit taucht sie auf: die Klage über Schulklassen mit 90 Prozent „Ausländeranteil“.

Kolumne: VHS Wien-Geschäftsführer Mario Rieder

Oder, etwas gepflegter formuliert: 90 Prozent „SchülerInnen mit Migrationshintergrund“ oder 90 Prozent „SchülerInnen mit anderen Erstsprachen als Deutsch“. Diese gelten dann als „Problemklassen“ und „Ghettoschulen“.

Sind sie es wirklich? Eher nicht, wenn die Eltern der Kinder in solchen Klassen überwiegend AkademikerInnen mit gut abgesicherten Jobs sind.

Eher schon, wenn die Eltern überwiegend höchstens Pflichtschulabschluss haben oder wenn das Familieneinkommen gering ist und die Wohnverhältnisse beengt sind.

Die einseitige Fokussierung auf die sprachliche und kulturelle Herkunft verstellt oft den Blick auf die tatsächlichen Umstände, die Kinder und Jugendliche auf ihren Bildungswegen schwächen.

Bildung wird in Österreich immer noch vorwiegend sozial vererbt, und nicht kulturell. Was es zwar überhaupt nicht besser macht, aber immerhin klarer.

 

Foto © VHS Wien

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