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Wiener Qualifikationsplan: Mit neuem System leichter zum Lehrabschluss

29. April 2015 / von / 0 Kommentare

Die Zahl der WienerInnen mit maximal Pflichtschulabschluss muss gesenkt werden – das ist das Ziel des Qualifikationsplans “Wien 2020″. Beim heutigen Gipfeltreffen zogen die wichtigsten AkteurInnen Bilanz und präsentierten wichtige Zukunftsvorhaben.

Der Qualifikationsplan Wien 2020 wurde vor zwei Jahren auf Initiative von Wirtschaftsstadträtin Renate Brauner (SPÖ) ins Leben gerufen, um WienerInnen mit höchstens Pflichtschulabschluss zu einer besseren Ausbildung zu verhelfen. Denn diese sind am häufigsten von Arbeitslosigkeit betroffen. Getragen wird die Initiative von der Stadt Wien, dem Bund, Sozialpartnern sowie von allen wichtigen Bildungs- und Arbeitsmarkteinrichtungen.

Fokus: Lehrlinge und Jugendliche

Ein Herzstück des Qualifikationsplans ist die Wiener Ausbildungsgarantie. Stadträtin Brauner (SPÖ): „Bei der Umsetzung des Qualifikationsplans Wien 2020 konzentrieren wir uns erstens darauf, dass Jugendliche entweder eine weiterführende Schule oder eine Lehrausbildung positiv abschließen.” 62 Millionen Euro werden dafür investiert, dass rund 3.500 Jugendliche ohne Lehrstelle eine Berufsausbildung erhalten.

Auch Erwachsenen soll das Nachholen eines Lehrabschlusses oder eines gleichwertigen Abschlusses ermöglicht werden. Alleine im vergangenen Jahr wurden über 2.200 außerordentliche Lehrabschlussprüfungen von Wienerinnen und Wienern positiv abgelegt. 2011 waren es 500 weniger. Um die positive Bilanz weiter zu erhalten, ist Anfang 2015 außerdem der Chancen-Scheck des Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds (waff) ins Leben gerufen worden.

Wiener Anerkennungssystem „Meine Chance – Ich kann das!“

„Mit einer neuen Initiative, dem von den Sozialpartnern, den Wiener Berufsschulen sowie von AMS und waff entwickelten Wiener Anerkennungssystem ‚Meine Chance – Ich kann das!‘ wollen wir jetzt einen neuen Weg zum außerordentlichen Lehrabschluss anbieten,“ kündigte Brauner im Mediengespräch mit den Präsidenten der Sozialpartner an. Kernpunkt dabei: Die Lehrabschlussprüfung besteht aus einem theoretischen und praktischen Teil. Der theoretische Teil der Prüfung entfällt, wenn man einen speziellen Kurs erfolgreich absolviert hat oder die zuständige Berufsschule feststellt, dass alle theoretischen Kenntnisse vorhanden sind.

AK-Präsident Rudi Kaske wies darauf hin, dass auch die Betriebe mitmachen sollen und „mit an einem Strang ziehen.“ Sie sollen das Wiener Anerkennungssystem forcieren und die Beschäftigten, die mitmachen wollen, auch dabei unterstützen.

So funktioniert das „Wiener Anerkennungssystem“ im Detail

Die Berufsschule bewertet und schätzt ein, welche theoretischen Kenntnisse im Lehrberuf beherrscht werden. Sie legt auch fest, ob bzw. welches Know-how noch erworben werden muss. Wird das fehlende Wissen in speziellen Schulungsmaßnahmen erworben, sieht die Lehrlingsstelle in der Wirtschaftskammer von der theoretischen Lehrabschlussprüfung ab. Etwaige erforderliche Weiterbildungsmaßnahmen werden vom waff bzw. dem AMS finanziert. Notwendig ist also nur mehr das Ablegen der praktischen Lehrabschlussprüfung vor der Prüfungskommission.

Das Projekt startet in drei Lehrberufen und zwar für die Berufe Koch/Köchin, Restaurantfachkraft und Bürokaufmann bzw. Bürokauffrau. Begonnen wird mit Angeboten für Arbeitslose im Mai, im September sollen dann auch Beschäftigte einbezogen werden. Wer sich dafür interessiert, soll sich beim AMS (wenn arbeitslos) oder beim waff (wenn in Beschäftigung) melden. Grundvoraussetzung: Man muss über 22 Jahre alt sein und zumindest eineinhalb Jahre im entsprechenden Beruf gearbeitet, aber keinen Lehrabschluss haben.

 

Alle wichtigen Infos auf einen Blick: 

  • 62 Mio. Euro für Wiener Ausbildungsgarantie: für sichere Ausbildungsplätze von 3.500 Jugendlichen, die sonst ohne Lehrstelle wären.
  • 2.200 positiv abgelegte außerordentliche Lehrabschlussprüfungen von erwachsenen WienerInnen im Vorjahr – das sind um 500 mehr als im Vergleich zu 2011.
  • 95 Prozent der vom waff beim Nachholen des Lehrabschlusses unterstützen berufstätigen WienerInnen, die zur Prüfung angetreten sind, haben sie auch geschafft.
  • Wiener Anerkennungssystem „Meine Chance – Ich kann das!“ startet im Mai.
  • waff Chancen-Scheck seit 1.1.2015: Bis zu 3.000 Euro für das Nachholen des Lehrabschlusses – keine Vorfinanzierung – waff zahlt 90 % der Kurskosten und verrechnet direkt mit dem Kursanbieter. www.waff.at; Tel.: 217 48/555
  • 1.000 Jobs plus Ausbildung für arbeitsuchende WienerInnen – Fokus auf das Nachholen des Lehrabschlusses sowie Ausbildungen im Gesundheits-, Pflege- und Sozialbereich. Aktuelle Jobs & online Bewerbung unter www.waff.at. Infos auch unter Tel.: 217 48 /777.
  • Bereits über 3.000 BesucherInnen bei Wiener Wochen für Beruf und Weiterbildung: noch bis 22. Mai kommen die vielfältigen Angebote der Stadt rund ums Weiterkommen in die Bezirke; Alles Infos unter www.meinechance.at.

 

Foto: Fatih Selman Celebi (Mitte) hat gerade seinen Lehrabschluss nachgeholt. © PID/Bohmann

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