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Wie wir wohnen werden

14. April 2016 / von / 0 Kommentare

Gemeinschaftlicher, nachhaltiger und smarter – so wird die Zukunft des Wohnens in urbanen Gebieten aussehen. Auch in Wien setzt man sich intensiv mit dem Thema auseinander, um zur Verwirklichung zukünftiger Wohnformen beizutragen.

Story: Sandra Schieder | Foto: Igor Ripak

Zunehmende Urbanisierung, steigende Mieten, demografischer Wandel – es sind viele Aspekte, die die Frage nach zukünftigen Wohnformen in urbanen Gebieten prägen. Gefragt sind Wohnformen, die Rücksicht auf den Planeten nehmen und unserem Lebensstandard entsprechen. Die Liste der Anforderungen an das Wohnen der Zukunft ist lang: Attraktivität, Komfort, Langlebigkeit, Leistbarkeit, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit stehen im Vordergrund. Um alle diese Punkte unter einen Hut zu bekommen, braucht es neben einer großen Portion Kreativität und Weitblick auch die dafür notwendigen finanziellen Mittel. Ein Überblick über Projekte, denen das gelungen ist.

Seestadt Aspern: Keimzelle der Nachhaltigkeit
Die Errichtung nachhaltiger Siedlungen ist eine von mehrern Antworten auf die Frage nach der Zukunft des Wohnens. Ein Vorzeigeprojekt in Sachen Nachhaltigkeit ist hier die Seestadt Aspern im Nordosten der Bundeshauptstadt. Mit 8.500 Wohnungen wächst hier bis 2028 ein neuer Stadtteil, der für rund 20.000 Menschen Arbeits- und Wohnumfeld bieten wird und ungefähr so groß ist wie der 7. und 8. Wiener Gemeindebezirk zusammen. Die Seestadt Aspern ist Wiens größtes Stadtentwicklungsprojekt und eines der umfangreichsten Wohnprojekte in ganz Europa.

Die Eindämmung des Ressourcenverbrauchs, die Verwendung nachhaltiger Baumaterialien und ein Augenmerk auf Alternativenergie zu legen, stehen beim nachhaltigen Bauen im Vorgergrund. Die Stadt Wien hat in den letzten Jahren rund 7.000 geförderte Wohneinheiten pro Jahr errichtet – mehr als jede andere europäische Stadt. „Trotzdem bauen wir keine Wohnungen von der Stange. Jedes einzelne Projekt muss die hohen Qualitätsanforderungen, die wir in den letzten Jahren entwickelt haben, erfüllen. Es muss die Kriterien der Ökologie, der Wirtschaftlichkeit, der Planung und insbesondere auch jene der sozialen Nachhaltigket erfüllen“, sagt Wohnbaustadtrat Michael Ludwig.

Gezielt investiert wird neben den Wohnungsneubau auch in die nachhaltige Sanierung von bereits bestehenden Wohnungen. „Was den Wohnungsneubau betrifft, sind etwa die Seestadt Aspern, die neuen innerstädtischen Viertel wie das Sonnwendviertel und das gesamte Grätzel am Gelände des ehemaligen Nordbahnhofs beispielgebend. Hier entstehen überall attraktive Stadtteile“, so Ludwig. Insgesamt werden jährlich etwa 300 Millionen Euro für den geförderten Wohnungsneubau und rund 200 Millionen Euro in die geförderte Wohnhaussanierung investiert. Knapp 100 Millionen Euro fließen in die Direktunterstützung und Subjektförderung.

Wohnprojekt Wien: Dorf in der Stadt
Auch gemeinschaftliche Wohnprojekte räumen dem Thema sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit einen hohen Stellenwert ein. Ein Beispiel dafür ist das Wohnprojekt Wien auf dem Gelände des ehemaligen Nordbahnhofs. Auf sieben Stockwerken verteilen sich 39 Wohnungen, darin leben insgesamt 103 Menschen, davon 67 Erwachsene und 36 Kinder.

Ziel war es, einen gemeinschaftlichen und nachhaltigen Wohnraum zu schaffen. Neben der Gemeinschaftsküche im Erdgeschoss und dem Gemüsegarten hinter dem Haus sind auch die Räume im Dachgeschoss für alle da: Hier befinden sich eine Bibliothek, ein Meditationsraum, eine Sauna mit Whirlpool und eine Dachterrasse mit Panoramablick über die Stadt. Katharina Liebenberger, eine Bewohnerin, erzählt: „Ich persönlich finde die grüne Dachterrasse ganz besonders und auch die Gemeinschaftsküche ist ein feiner Ort. Zum einen hat die Gemeinschaftsküche die Gemütlichkeit einer Küche, zum anderen hat man hier wunderbar Platz, um Feste zu feiern.“

Das Wiener Architekturbüro einszueins zeichnet sich sowohl für die Planung und Umsetzung einer gemeinschaftlichen Wohnhausanlage in der Seestadt Aspern, als auch für das Wohnprojekt Wien verantwortlich. „Die Gründergruppe des Wohnprojekts Wien hat Nachhaltigkeit als gemeinsames Ziel definiert. Wir haben nicht nur die Gebäudearchitektur nachhaltig geplant, sondern auch die Mobilität und viele andere Dinge mitgedacht“, erzählt Katharina Bayer, Gründerin von einszueins. Das Haus befindet sich nahe am Passivhausstandard, neben der Holzfassade setzte man auch auf eine mineralische Dämmung und auf dem Dach wurde eine Photovoltaikanlage installiert.

Wohnwagon: Loft im Grünen
Neben nachhaltigen Siedlungen und gemeinschaftlichen Wohnprojekten boomt auch die Errichtung von mobilen Einzelobjekten. Damit ist beispielsweise die Herstellung eines Wohnwagons des gleichnamigen Wiener Start-ups gemeint. Das Start-up selbst bezeichnet ihren 25 Quadratmeter großen Wohnwagon als ein „kleines Loft im Grünen“. Dieser dient als Hauptwohnsitz, aber auch als Zweitwohnsitz und kann als eine mobile Alternative zum Gartenhaus, Haus am See oder Hütte in den Bergen gesehen werden. Mit eigener Photovoltaikanlage, Bio-Toilette und Wasseraufbereitungsanlage ermöglicht der Wohnwagon unabhängiges Wohnen.

„Mit diesem Projekt möchten wir ein ein Statement zur Zukunft des Wohnens setzen. Wir wollen aufzeigen, wie Wohnen im Einklang mit der Natur aussehen und ästhetischen Ansprüchen gerecht werden könnte. Der Luxus unserer Zeit ist die Reduktion auf das Wesentliche“, so Theresa Steininger, Geschäftsführerin von Wohnwagon.
Die Finanzierung des Prototyps hatte das Start-up über die Crowd-Investing-Plattform „Conda“ aufgestellt. Dort konnten über 100 Investoren überzeugt werden, die sich jeweils mit kleinen Beträgen zwischen 100 und 3.000 Euro an der Idee beteiligten. Insgesamt kamen so über 70.000 Euro zusammen, die den Bau des Prototyps ermöglichten. Bis heute wurden mehrfach Wohnwagons hergestellt, die querbeet in alle Bundesländer, aber auch ins Ausland verkauft werden konnten.

Q-Box: Nachhaltig mobiles Minihaus
Eine in ihren Grundzügen ähnlich nachhaltige und mobile Antwort auf die Zukunft des Wohnens hat auch Maurus Mosetig, Gründer der Q-Box, gefunden. Die Q-Box ist ein nachhaltiges und mobiles Minihaus, an dem Mosetig zwei Jahre recherchiert, geplant, ent- und verworfen hat. In den vergangenen zwölf Monaten wurde ein Prototyp gebaut, der nun am Rande der Seestadt Aspern auf der Vienna Transition Base steht. Die zweite Q-Box wird in den kommenden Monaten am Neusiedlersee entstehen.

Getrieben von dem Wunsch, sich selbstständig zu machen und der Gesellschaft etwas Gutes zu tun, wurde die Idee der Q-Box geboren. „Die größte Schwierigkeit lag und liegt nicht im Finden von Lösungen oder der Umsetzung, sondern in der Finanzierung der Materialien ohne Eigenkapital. Es gibt für ein junges Unternehmen entgegen anders lautender Meinungen kaum finanzielle Unterstützung“, erzählt er. Aus diesem Grund und auch, um alle, die das Projekt mitfinanzieren wollen, hat er beschlossen, eine Crowdfunding-Kampagne auf Startnext ins Leben zu rufen. Noch bis Mitte Mai kann das Projekt „Q-Box Wohmodule“ auf Startnext finanziell unterstützt werden.

Was die Zukunft des Wohnens betrifft, hat Mosetig eine Vision: „Die Mobilität der Q-Box und ähnlicher Minihäuser macht es möglich, dass man einige Jahre in einer Stadt lebt und dann mit der komplett eingerichteten Wohnung in eine andere Stadt übersiedeln und dort wieder einige Jahre verbringen kann. Vor allem die vielen unterschiedlichen Lebens- und Karriereverläufe sowie Familienkonstellationen werden diese Mobilität zunehmend von den Menschen fordern.“

 


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