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Zu Besuch bei einer Veganerin: Verlängerter mit Sojamilch

23. Juni 2014 / von / 0 Kommentare

Steffi mag Viecher – aber nicht auf ihrem Teller oder ihrer Haut. Zu Besuch bei einer Veganerin.

Story: Zoran Sergievski | Mitarbeit: Funda Buyar | Fotos: Igor Ripak

Ein geübter Griff in Augenhöhe: während der Arm schnell ausfährt, fixiert der Blick bereits das nächste Regal oder Etikett. Die Rothaarige ist flink, weicht anderen Kunden geschickt aus. Schnell und unauffällig füllt sie den Einkaufskorb. Das Ziel der Studentin: Schminke, mit deren Entwicklung und Herstellung Tiere nichts zu tun haben. Tierprodukte sind genauso verpönt: sie isst nicht einmal Honig. Steffi ist nämlich Veganerin.

„20 Prozent vegan“

VegetarierInnen – also Leute, die durchaus Eier, Käse und Ähnliches zu sich nehmen, dafür auf Fischstäbchen und Wiener Schnitzel verzichten – machen sieben Prozent der österreichischen Bevölkerung aus. Das sind etwa 560.000 Menschen im Land. VeganerInnen essen gar nichts, was mit Tieren zu tun hat. Sie bilden aktuell etwa 1,13 Prozent der österreichischen Bevölkerung – oder 90.400 Personen. Davon lebt – je nach Schätzung – ein Viertel bis zur Hälfte in Wien. Tendenz: steigend.

Steffi lebt seit ihrem 16. Lebensjahr vegetarisch, seit eineinhalb Jahren vegan. Der Umstieg fiel ihr nicht schwer, da sie ohnehin nie ein großer Fleischfan war: „Ich hab‘ früher nur Hühnerfleisch gegessen.“ Moralische Motive – Stichworte Massentierhaltung, Vergasung, Qual- gesellten sich bald zu den kulinarischen. Daher plagen die Tierfreundin nicht die Entzugserscheinungen mancher GesinnungsgenossInnen: „Ich kauf‘ auch keine vegane Wurst. Es zaht mich nicht. Viele Leute sagen ja, ach, ich kann das nicht, wegen dem Geschmack. Dann muss man sich halt überlegen, was will ich? Geht es mr jetzt nur um den Geschmack oder will ich eigentlich hinterfragen, was ich eigentlich ess‘? Egal, ob Fleisch oder nicht: was passiert eigentlich mit den Lebensmitteln, die ich ess‘?“ Darum probiert Steffi, die ihren Kaffee mit Sojamilch genießt, auch Alternativen zu dieser vielkritisierten Hülsenfrucht.

Soja galt lange Zeit als alternative Nahrungsquelle schlechthin. Umweltschutzgruppen weisen jedoch darauf hin, dass der Massenanbau der Frucht weltweit die Böden verkommen lässt. Außerdem würden Kleinbauern von ihren Gründen vertrieben. Hinzu kommt: über 90 Prozent der Weltsojaernte werden an Nutz- und Mastvieh in der Landwirtschaft verfüttert. Da man sich aber nicht um alles kümmern kann, versuchen Steffi und ihr Freund Philipp, zumindest durch ihren persönlichen Lebensstil sich und so die Welt ein bisschen besser zu machen. Dabei ist beiden gleichermaßen wichtig, nicht den Zeigefinger zu erheben. Philipp will nicht missionieren. Er behauptet „80 Prozent vegetarisch, 20 Prozent vegan“ zu leben und erinnert sich noch gut daran, wie er vor vier Jahren auf fleischlos umstellte. Prediger hätten ihn nie überzeugen können, eher der Freundeskreis: „Das war so a Sache, wenn Leute daherkommen und mir sagen, du bist ein Idiot, weil du Fleisch isst, dann spring‘ ich auf das gar nicht an.“

„Auch ned so gesund“

Bei der Umstellung stellte Steffi positive Veränderungen an ihrem Körper fest: „Weniger Hautprobleme, weniger Magenprobleme“, ganz selten leide sie seither an Bauchweh oder Verdauungsstörungen. „Ich hab‘ auch das Gefühl, ich bin weniger müde und generell, von der Energie her ist es schon besser.“ Allerdings will sie das nicht verallgemeinern. Ein Schluck Kaffee, ein Zug an der Zigarette: „Wenn du jetzt ein Veganer bist, der die ganze Zeit nur Pommes isst und, keine Ahnung, sich alles frittiert und paniert, dann ist das auch ned so gesund.“ Sie schenkt nach und rührt die Tasse um. Mittlerweile böten auch Diskonter am Land „immer mindestens zwei Sojamilch-Arten“ und andere Waren abseits der Obst- und Gemüsetheke feil. Es gibt vegane Kondome, Süßigkeiten (etwa Oreo-Kekse), Energy Drinks, sogar Putz- und Waschmittel.

Angebot und Nachfrage

Steffi war in drei Geschäften. Alle führen vegane Produkte. Natürlich kann man nicht nur in den Biosupermarkt gehen, das lässt kein normales Budget zu. Sie zahlt oftmals für vegane Milch in Kaffehäusern drauf: „Was ich nicht verstehe, weil wenn eine Sojamilch offen im Kühlschrank steht, die rennt nicht so schnell ab, hält viel länger als Kuhmilch und kostet im Einkauf genauso viel.“ So schmeckt der Kaffee bitterer als sonst. Aber das gehe ja Fleischliebhabern genauso, sagt Philipp. Das über Lebensmittel hinaus wachsende Angebot zeige jedenfalls, dass auch leistbare vegane Produkte im Kommen sind.

>>> Welcher “Veggie”-Typ bist du?


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