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Umfrage: Keine Wiener Schulklasse, in der niemand Deutsch spricht

06. Oktober 2014 / von / 0 Kommentare

Gibt es Wiener Schulklassen, in denen niemand Deutsch spricht? Das behaupten zumindest die FPÖ und Integrationsminister Sebastian Kurz. Die Menschenrechtsorganisation SOS Mitmensch startete daraufhin eine Umfrage unter Wiens Schulen und widerlegt diese Aussagen nun.

FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache und Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP) beklagten kürzlich, dass „Ausländerklassen“ an Wiener Schulen Realität seien. Strache behauptete, dass „in Klassen mit 25 Schülern nicht einer sitzt, der der deutschen Sprache mächtig ist.“ Integrationsminister Kurz sagte in einem „Standard”-Interview, es gebe in Wien Klassen, „wo kein einziges Kind Deutsch kann”.

Die Menschenrechtsorganisation SOS Mitmensch hat daraufhin mit einer Umfrage an 68 Wiener Schulen die These der beiden Politiker überprüft. Das Ergebnis: Klassen, in denen die Schülerinnen und Schüler kein Deutsch sprechen, gibt es nicht. Auch nicht in Gemeindebezirken, in denen der MigrantInnenanteil innerhalb der Bevölkerung besonders hoch ist, wie z.B. in Ottakring, Favoriten oder Fünfhaus.

Durch die Gleichsetzung einer anderen Muttersprache mit der Unfähigkeit Deutsch zu sprechen, werden negative Vorurteile gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund in der Gesellschaft verstärkt, so der Verein. Der Sprecher von SOS Mitmensch Alexander Pollak wünscht sich daher einen sachlichen Zugang zur Schuldebatte: „Wir sind gegen Schönfärberei, wir halten aber auch nichts davon, wenn überzeichnete Bilder von der Situation an österreichischen Schulen fabriziert werden. Unser Faktencheck stellt diesbezüglich sowohl Strache als auch Kurz kein gutes Zeugnis aus.”

SOS Mitmensch: „Politisches Kleingeld auf dem Rücken von Kindern”

Die Recherche habe ergeben, dass auch in jenen Klassen, wo alle Kinder eine andere Muttersprache als Deutsch haben, zumindest die Hälfte Deutsch könne, so Pollak. Schließlich hängen Deutschkenntnisse nicht von der Muttersprache ab. Nur eine Lehrerin erzählte, dass sie bereits eine Klasse unterrichtet hat, in der 70 Prozent der Schülerinnen und Schüler kein Deutsch sprechen konnten. Die Situation habe sich aber in den letzten Jahren durch die Sprachförderung im Kindergarten verbessert, so die Lehrerin.

Pollak fordert: „Wer Kindern mit nichtdeutscher Muttersprache pauschal unterstellt, sie können alle kein Deutsch, will nichts Konstruktives bewegen, sondern lediglich politisches Kleingeld auf dem Rücken von Kindern machen. Das muss aufhören.”


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