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„Sprachenvielfalt ist etwas Wertvolles“

02. Mai 2014 / von / 0 Kommentare

Als Wiener Stadrat für Bildung, Information und Sport hat Christian Oxonitsch alle Hände voll zu tun. Eine Partie Tischfußball mit Dino Šoše ging sich neben dem Gespräch über Bildung, Mehrsprachigkeit und Jugendarbeitslosigkeit trotzdem aus.

Interview: Dino Šoše | Fotos: Michael Mazohl

Die „Wiener Integrationswoche“ startet heuer mit dem Schwerpunkt Bildung. Bedeutet Bildung für Sie Chancengleichheit?

Selbstverständlich. Gerade wenn man sich die Zahlen in der Stadt ansieht, kann man rasch erkennen, dass Bildung letztendlich ein Schlüssel für Erfolg ist. Daher ist es unser Bestreben immer wieder durch bildungspolitische Maßnahmen sicher zu stellen, dass es Chancengerechtigkeit und Chancengleichheit gibt. Ohne entsprechende Bildung hat man schlechtere Chancen am Arbeitsmarkt und schlechtere Chancen für den sozialen  Aufstieg. Deshalb setzt Wien auf Qualifikation.

Bildung wird sehr oft mit Themen der Integration verknüpft. Heißt es, niemand wird sich dann in Zukunft aufregen, wenn z.B. ein Ingenieur in der Bim eine “unpopuläre“ Sprache spricht, wie Türkisch oder Serbokroatisch?

Es ist unsere Aufgabe, immer wieder – und gerade in einer globalisierten Welt – darauf hinzuweisen, dass Sprachenvielfalt etwas sehr Wertvolles in der Gesellschaft ist. Deshalb ist ja für uns, neben dem Bemühen allen Bewohnerinnen und Bewohnern dieser Stadt gute Deutschkenntnisse zu vermitteln, auch der Bereich des Muttersprachlichen Unterrichts etwas Wichtiges und Notwendiges. In einem globalisierten Umfeld ist Sprache ein wesentlicher Schlüssel und endet nicht an Österreichs Grenzen. Sie geht darüber hinaus und es gibt auch immer wieder neue Herausforderungen an die Stadt.

Meine persönliche Meinung ist, dass nicht die Mehrsprachigkeit ein Problem darstellt sondern sogenannte „unpopuläre“ Sprachen. Anscheinend hat ein Teil der Bevölkerung eher ein Problem mit Türkisch oder Serbokroatisch, aber wahrscheinlich nicht mit Englisch oder Französisch?

Es gibt leider akzeptiertere Sprachen. Gleichzeitig wissen wir aber, gerade wenn man sich das wirtschaftliche Umfeld, in dem Wien agiert, ansieht, dass teilweise ganz andere Sprachen wesentlich für wirtschaftlichen Erfolg sind. Gerade angesichts der Tatsache, dass viele Unternehmen im ost- und südosteuropäischen Bereich tätig sind, ist es wichtig, diese Sprachen als Chance für den Wirtschaftsstandort zu erkennen. Das ist noch nicht überall angekommen, aber wir arbeiten daran.

Die Stadt betont in letzter Zeit die Wichtigkeit der Mehrsprachigkeit, bedeutet das, dass Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund mehr Möglichkeiten erhalten, ihre Muttersprache in der Schule zu erlernen?

Wir haben eine große Zahl von muttersprachlichen Lehrern im Einsatz, das ist für uns besonders wichtig. Denn unser politisches Ziel ist, sicher zu stellen, dass jedes Kind nach Absolvierung seiner Laufbahn zwei Sprachen spricht. Eine davon soll Deutsch sein, aber es soll auch die optimale Förderung für den muttersprachlichen Unterricht geben. Denn wir wissen, dass gerade das Erlernen von Deutsch als Zweitsprache Menschen leichter fällt, die ihre eigene Sprache besser verstehen.

Es gibt sehr viele Kinder, die zu Hause leider die Muttersprache schlecht lernen. Wenn sie aber in der Schule auch ihre Muttersprache lernen könnten, könnten sie auch besser Deutsch lernen.

Darum haben wir auch über 200 LehrerInnen in diesem Bereich  im Einsatz.

Ein sehr wichtiges Thema zurzeit ist die Jugendarbeitslosigkeit: Was haben Sie gegen die steigende Jugendarbeitslosigkeit bereits getan und was werden Sie noch unternehmen?

Es ist ein ganz wesentliches Thema. Deshalb pilgern gerade fast alle europäischen Nationen nach Österreich, um sich dieses Modell anzusehen, wenngleich auch in Österreich die Jugendarbeitslosigkeit besorgniserregend ist. Man darf aber nicht übersehen, dass wir in beiden Bereichen, sowohl der Arbeitslosigkeit insgesamt, als auch in der Jugendarbeitslosigkeit, die niedrigsten Werte in ganz Europa haben. Nicht zuletzt deshalb, weil rund 4000 junge Menschen, die keine Lehrstelle finden, in der sogenannten überbetrieblichen Lehrausbildung ausgebildet werden. Das wurde gerade in der sozialdemokratischen Regierungsbeteiligung wieder etabliert, nachdem es die ÖVP und FPÖ abgeschafft haben. Der zweite wesentliche Schwerpunkt in der Stadt ist die sogenannte Initiative Erwachsenenbildung, wo wir zum Beispiel kostenlose Hauptschulabschlusskurse anbieten: Und zwar für all jene, die die Schule zu früh verlassen haben bzw. die Schulpflicht zwar absolviert haben, aber mit keinem ordentlichen Abschluss. Hier investiert die Stadt Wien rund 3.5 Mio., gemeinsam mit dem Bund an die 7 Mio., damit junge Menschen ihre Ausbildungsabschlüsse kostenlos nachholen können.

Einerseits fehlt es in Wien an PädagogInnen, andererseits werden neue Schulen gebaut. Wer soll diese Schulen füllen?

Den Mangel an PädagogInnen haben wir vor allem im Bereich der Kindergärten, im Bereich der LehrerInnen haben wir erfreulicherweise in den letzten 3 Jahren keinen so großen Mangel mehr. Wien leistet sich hier eine eigene Schule für Kindergartenpädagogik, um den großen Bedarf decken zu können, weil Wien weiterhin wächst. Derzeit haben wir über 800 PädagogInnen in Ausbildung, suchen aber bewusst auch InteressentInnen mit Migrationshintergrund und guten Deutschkenntnissen.

Sie haben die Werbemittel für die MA 11 (Kinder, Jugend, Familie) aufgestockt, um hauptsächlich Pflegeeltern anzuwerben. Warum ist das wichtig?

Weil wir wissen, dass viele Kinder leider nicht in ihrem familiären Umfeld bleiben können und deshalb Unterstützungssysteme notwendig sind. Dann ist sicherlich die Pflegefamilie eine gute Lösung neben dem sehr großen Angebot der Wiener Wohngemeinschaften. Vor allem für viele Kinder in jüngerem Alter ist das eine sehr gute Maßnahme. Erfreulicherweise greifen diese Werbemaßnahmen auch sehr gut.

Ein anderes Thema, das Sie schon lange begleitet: Das Stadthallenbad. Warum hat sich die Sanierung dermaßen lange hingezogen?

Schlicht und ergreifend, weil auch die öffentliche Hand nicht davor gefeit ist, dass gepfuscht und schlechte Arbeit abgeliefert wird. Bei einem derartig großen Unterfangen wie der Sanierung eines Bades aus den 70er Jahren, das noch dazu architektonisch sehr anspruchsvoll ist, wurde in einzelnen Bereichen mangelhafte Arbeit abgeliefert. Es ist ein mühevoller Weg, in dem rechtliche Schritte notwendig sind, aber ich glaube wir befinden uns im Finale der Sanierung.

Rechnen Sie wirklich mit einer Neueröffnung im Sommer?

Ich denke, es ist ein realistischer Zeitraum.

Zur Person
Christian Oxonitsch (SPÖ) ist Wiener Stadtrat für Bildung, Information und Sport. Geboren wurde der 52-Jährige in Wien.


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