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Sonnenbrillen Flavour: Wiens BademeisterInnen im Porträt

21. Juni 2014 / von / 0 Kommentare

Es ist heiß, die Stadt ächzt unter der Hitze. Viele suchen Abkühlung beim Schwimmen. Da trifft man meist auf einen besonderen Menschenschlag: oft schon Ende Mai braungebrannt, immer ein Blick aufs Wasser. Sie schlichten Streite, halten Pflaster bereit und putzen täglich die Bäder. Im Notfall retten sie sogar Leben. Faul, fett, fies? Das sind Wiens BassinaufseherInnen keineswegs. WIENER VIELFALT traf fünf von ihnen.

Fotos: Michael Mazohl | Story: Zoran Sergievski

Der Seemann: Günther Reindl, Höpflerbad

Günther Reindl hat einen kurvigen Berufsweg hinter sich: „Das Leben hat viele Abzweigungen: man muss immer wieder neu abbiegen sog‘ i.“ Er war Koch und Kellner, arbeitete auf Schiffen und dann als Weinhändler. Nach einem Tief wurde er „doch lieber Badewaschl, lieber Sunburn als Burnout.“ Er segelte zuvor mit einer Yacht bis nach Montevideo, verkaufte das Boot aber wegen der jährlichen Erhaltungskosten und kehrte heim. So ist Reindl im fünften Jahr Bassinaufseher. „Es ist absolut super. Hat aber nur Sinn für Leut‘, die schon was geschaffen ha‘m, sonst verdienst zu wenig.“ Reindl zeigt auf eine Gruppe junger Burschen. Er will, „dass alle miteinander klarkommen. Zum Beispiel die Jungen, die gehören eh bewegt, schau‘ sie dir an, die meisten san schon olle blad. In dem Alter bin i ned so blad gewesen, meine Eltern haben mich immer auf Erholung geschickt. Deshalb bin ich froh, wenn die sich bewegen.“ Im Winter ist Reindl ehrenamtlich bei der Rettung.

Die Neue: Gabriele Ganser, Hietzinger Bad

„Ich wohnte in der Steiermark und arbeitete in einer Fabrik. Das war relativ schwere Arbeit“, erzählt Gabriele Ganser. Als sie mit einem Niederösterreicher zusammenkam, gab die Hacklerin daheim alles auf. Doch von Liebe allein wird niemand satt. Beim AMS wurde die Bassinaufseher-Anzeige in Wien weggeklickt. „Mich hat das aber doch interessiert und ich habe das zuhause nochmal hervorgeholt. Dann habe ich mich für verschiedene Bäder beworben und wurde hier als erstes genommen.“ Ganser will in die Nachbarschaft ziehen, noch pendelt sie. Die Steirerin ist „sehr zufrieden. Bei schönem Wetter ist es herrlich. Bei Regenwetter, wenn man dann trotzdem da stehen muss, ist es natürlich weniger gut, aber das ist eine komplett andere Arbeit. In der Fabrik war es körperlich und geistig schwierig, hier ist es vor allem eine geistige Belastung: wenn man sechs Stunden nur ins Becken schaut und darauf achtet, dass ja alle Köpfe über Wasser sind.“

Der Diplomat: Sampath Appuwa Waduge, Ottakringer Bad

Herr Waduge kam 2005 nach Österreich. Die „ganze Kindheit und Jugend habe ich in Sri Lanka verbracht, da war alles ganz anders als hier. Das war anfangs sehr schwierig für mich. Ich musste wie von kleinauf lernen, wie man mit den Menschen hier umgeht. Und dann natürlich die Sprache, die Kultur.“ 2008 fing er im Ottakringer Bad als Bademeister an, wurde 2012 zusätzlich Schwimmlehrer, 2012 kam die Fixanstellung – wegen der Schwimmhalle. Waduge ist sehr diplomatisch: „Wenn es hier richtig voll ist, kommen 4000 Menschen. Und 4000 Menschen sind 4000 verschiedene Meinungen. Wenn ich mich jetzt mit drei von zehn nicht verstehe, versuche ich, sie über die anderen sieben zu gewinnen. Ich meine, natürlich kann man nicht immer zu allen nett sein, man darf ja gerade am Becken niemanden aus den Augen verlieren. Dann bin ich schon direkt. Wenn mir da einer die Aufmerksamkeit nimmt von den 300 Leuten im Wasser, habe ich verloren“, rechnet er vor.

Die Fleißige: Brigitte Dolezal, Strandbad Alte Donau

Dicke, große Welse kreisen unterm Holzsteg. Brigitte Dolezal hat Kindern eben verboten, die Wildtiere zu füttern. Sie schaut einen jungen Mann an; „Aber du bist doch öfter hier. Du müsstest doch wissen, dass das verboten ist.“ Im Strandbad gibt es nicht nur Fische: „Wir haben sehr viele Wildgänse, Schwäne, Enten, die was erna Mist da lassen, den musst erstmal wegräumen. Und dann musst die Wiesen putzen, den Steg putzen, das ist alles angekackt von den Tieren, und dann die Spinnenweben weg. Ja, halt alles, was rund um den Arbeitsplatz is‘. Das sind bei uns halt der Strand, die Wiesen, Holzsteg, Plastiksteg.“ Die Aufseherin mag Tage, an denen „nicht extrem viel los is‘, aber du doch den ganzen Tag beschäftigt bist und ned dauernd auf die Uhr schaust. Wenn‘s dauernd regnet und schlechtes Wetter is‘, geht der Tag natürlich ned so schnell vorbei, aber du bist trotzdem da.“

Der Drahtige: Roman Hollaus, Gänsehäufel

Für Roman Hollaus ist es die fünfte Saison. „Eine leiwande Arbeit, nur halt gefährlich, weil die Leit‘ immer schlechter schwimmen können.“ 12 Personen hat er schon aus dem Wasser gezogen, eine heuer. „Die Leute glauben, wir schau‘n uns nur die Frauen an. Aber wennst nur a paar Sekunden wegschaust, hast schon an Tot‘n. Letztes Jahr hamma 40 Grad g‘habt, da waren schon über 33000 Leute da. Eigentlich müsste man alle zehn Meter einen Rettungsschwimmer hinstellen.“ Aber so kommen locker 90 Überstunden zusammen, sagt Hollaus. Ihn ärgern Vorurteile: „Von wegen, ein Badewaschl ka‘ ned schwimmen: man muss a Prüfung machen, sonst derf ma‘ goar ned arbeiten. Ich habe sowohl den Rettungsschwimmerschein als auch die Bassinaufseherprüfung, aber es wird auch so alles geprüft: Personen abschleppen, Strecken tauchen, tief tauchen. Du musst halbwegs a Kondition ham. Eine Frau kann auch einen abschleppen, so ist das nicht. Halbwegs fit musst halt sein.“

 

Zahlen

Viele BassinaufseherInnen sind Saisonniers. 12 Menschen betrifft das heuer bei insgesamt rund 250 MitarbeiterInnen der MA 44. Allein 70 wachen in Schichten zu etwa 20 Personen über das Gänsehäufel. Der Bruttolohn beträgt derzeit 1667,98 Euro monatlich. Die Zusammensetzung wird auf 70 % Männer, 30 % Frauen geschätzt. Sonnenbrillen schützen vorm blendenden Wasser, Sonnencreme und weiße Kleidung beugen der Hitze vor. All das steht den Beschäftigten kostenlos zur Verfügung.


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