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Sommer, Sonne, Flashtattoos

11. September 2015 / von / 0 Kommentare

Dieser Sommer schien heißer zu sein als je zuvor. Selbst mein Thermometer war mit diesen verrückten Temperaturen überfordert. Wochenlang steckte es bei 35 Grad Außentemperatur fest.

Kolumne: Márcia Neves

Anfang des Sommers trommelte ich meine Freundinnen zusammen, um unseren gemeinsamen Urlaub zu planen. Während wir den einen oder anderen Cocktail schlürften und uns Gedanken über Unterkünfte in Madrid machten, beklebten wir uns mit diesen „Flashtattoos” und bestaunten die goldenen Meisterwerke auf der Haut. „Flashtattoos“ waren diesen Sommer das Accessoire schlechthin. An sämtlichen freien Körperstellen sah man glitzernde Klebetattoos – wie die aus dem Kaugummiautomaten, die man sich als Kind mit einem feuchten Schwamm auf die Arme geklebt hat. Doch statt einem Spiderman- oder Hello-Kitty-Motiv zierten goldene Bilder braungebrannte Arme und Beine. Ich muss zugeben, dass mir die Dinger gefielen. Wer hat schon etwas gegen einen netten und unverbindlichen Sommerflirt mit Klebetattoos einzuwenden? Sie halten ja nicht ewig. Daraufhin forderte ich eine Freundin heraus, sich einen auf die Stirn zu kleben und mindestens zwei Tage ebendort zu belassen. Gesagt, getan! In dem Moment sprachen vielleicht der Cocktail und die unerträgliche Hitze aus mir, doch mich überkam die geniale Idee, einen Challenge-Sommer zu starten. Ganz aufgeregt setzten wir uns um den kleinen Glastisch in meinem Wohnzimmer, Madrid schon völlig aus den Gedanken verdrängt, und begannen eine Liste zu schreiben:

„7 Dinge, die wir diesen Sommer in Wien machen müssen, die wir uns sonst nie getraut hätten“

1: Bei Sonnenaufgang nackt in der Donau baden. 2: Mit einem Fiaker zum Club gefahren werden. 3: Am Donaukanal entlang spazieren und sich in jeder Strandbar einen Cocktail ausgeben lassen. 4: Im Morgengrauen eine Wasserbombenschlacht auf dem Stephansplatz veranstalten. 5: Einen bärtigen Hipster im Museumsquartier nach seiner Nummer fragen (und nicht lockerlassen, bis er sie hergibt – ob wir uns danach bei ihm melden, bleibt uns überlassen). 6: Sich in Open-Air-Kinos zu fremden Leuten dazusetzen und mit ihnen anfreunden. 7: Ein öffentliches Picknick im Burggarten veranstalten und jeder muss verkleidet kommen.

Grenzen überwinden

Was mit einem simplen goldenen Klebetattoo in Ananas-Form begann, endete im besten Sommer meines Lebens – mit den besten Freundinnen, die ich mir hätte wünschen können. Die Wasserschlacht am Stephansplatz und die Fiaker-Tour zum Club werden mir ewig in Erinnerung bleiben. Wir haben viele nette Menschen kennengelernt, viele neue Ecken und Kanten Wiens entdeckt.

Viel haben wir miteinander gelacht, aber noch mehr haben wir uns ausgelacht, uns ermutigt und unsere größten Ängste überwunden. Diesen Sommer erlebten wir Dinge, die wir uns sonst nie getraut hätten. Wir ließen nicht nur Hüllen fallen, sondern auch jegliche Hemmungen. Wenn ich jetzt zurückblicke, sind mir einige Erlebnisse teilweise peinlich, dennoch hätte ich sie um keinen Preis der Welt eingetauscht, denn das sind die Momente, die wir später unseren Enkelkindern erzählen werden.

 

Foto © Philipp Lipiarski

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