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Neues Praxishandbuch: Kunst und Kultur in der Brunnenpassage Wien

01. Juli 2015 / von / 0 Kommentare

Mit ihrem neuen Handbuch “Kunstpraxis in der Migrationsgesellschaft. Transkulturelle Handlungsstrategien am Beispiel der Brunnenpassage Wien” setzen Ivana Pilić und Anne Wiederhold vom KunstSozialRaum Brunnenpassage ein Zeichen für einen Wandel in der Kulturpolitik. Denn: der Zugang zu Kunst und Kultur steht nicht allen Menschen gleichermaßen offen.

Im Jahr 2007 wurde der KunstSozialRaum Brunnenpassage ins Leben gerufen. Ziel war und ist es, Menschen mit den unterschiedlichsten kulturellen Wurzeln zusammenzuführen und in ein aktives Kunst- und Kulturgeschehen einzubinden. In Zusammenarbeit mit professionellen Künstlerinnen und Künstlern erproben die Menschen in der Brunnenpassage kostenlos zahlreiche Projekte – von zeitgenössischer Kunst, über Tanz und Musik bis hin zu Theater und Storytelling. Dabei entsteht ein vielfältiges Programm, das in über 400 Veranstaltungen pro Jahr der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Eine lebendige Teilhabe steht aber nicht nur während des Arbeitsprozesses im Fokus, sondern auch während den Aufführungen: so wird das Publikum bei den Vorstellungen ebenso zum Interagieren animiert.

Kultur für alle Menschen

Der Grundsatz der Brunnenpassage basiert auf Artikel 27 der Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen: „Jeder hat das Recht, am kulturellen Leben der Gemeinschaft frei teilzunehmen und sich an den Künsten zu erfreuen […].“ So schön dieses Grundrecht auch formuliert ist, die Realität sieht leider anders aus. Viele Menschen sind in sozialen Strukturen verhaftet, die es ihnen nicht ermöglichen, Teil eines kulturellen Lebens zu sein. Dazu zählen vor allem Menschen mit einem niedrigen Bildungsniveau, von Armut betroffene Menschen, die nur über ein geringes Einkommen verfügen, Menschen mit Migrationshintergrund und ältere Personen. Diese Umstände führen zu einem sozialen Ausschluss aus der Gesellschaft.

Mit den künstlerischen Projekten, die in der Brunnenpassage enstehen, soll dieser Dynamik entgegengewirkt werden. „Kunst ermöglicht Menschen, einen neuen Zugang zu ihrer Identität zu finden und diese auszuleben. Besonders die aktive Beteiligung an künstlerischen Prozessen ermöglicht es vielen Menschen, sich neu zu erleben und Selbstvertrauen zu erlangen. Sich selbst zu reflektieren und sich als gestaltungsfähiges Subjekt seiner Umwelt wahrzunehmen sind elementare Bausteine, um als Individuum Gesellschaft aktiv mitzugestalten“, fassen die Autorinnen die Idee hinter der Brunnenpassage zusammen. Und weiter: „Die Brunnenpassage soll als offener Kunstraum verstanden werden, der eine Art Erstinstanz von Partizipationsmöglichkeit am kulturellen Leben der Stadt darstellt.“

Expertise aus der Praxis

Ihre jahrelangen Erfahrungen aus der Praxis im KunstSozialRaum Brunnenpassage nahmen Ivana Pilić und Anne Wiederhold nun zum Anlass, das Handbuch Kunstpraxis in der Migrationsgesellschaft zu verfassen. Mit diesem Werk möchten sie ihre Erkenntnisse teilen und zugleich „Anregungen für transkulturelle Kunstpraxis“ schaffen. In den acht Projekten, welche die Autorinnen im Praxisteil näher vorstellen, zeigt sich auch die Vielfalt des Repertoires der Brunnenpassage. Dieses beinhaltet kleinere Produktionen ebenso wie langjährige Kunstformate und Kooperationen mit den großen Bühnen Wiens. Die unterschiedlichen Projekte sollen den Leserinnen und Lesern als Inspiration dienen und auch als Möglichkeit gesehen werden, diese zu adaptieren oder gar in anderen Produktionen neu umzusetzen.

Mehr Infos über die Brunnenpassage und ihre Projekte auf www.brunnenpassage.at

Foto: Buchpräsentation Kunstpraxis in der Migrationsgesellschaft. Transkulturelle Handlungsstrategien am Beispiel der Brunnenpassage Wien © Brunnenpassage

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