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Pippi Langstrumpf und Lolita

14. April 2016 / von / 0 Kommentare

Österreichs jüngste Songcontest-Kandidatin Zoë Straub im Interview über ihren großen Auftritt in Stockholm.

Foto: Michael Mazohl

WV: Im Mai fliegst du zum Songcontest. Bist du schon aufgeregt?

ZOË Straub: Ich bin eigentlich noch gar nicht so aufgeregt. Ich habe ehrlich gesagt gar nicht so viel Zeit darüber nachzudenken, weil ich meistens den ganzen Tag unterwegs bin und viel zu tun habe. Aber wenn ich dann im Bett liege, kommen schon so ein paar Gedanken. Aber noch ist es nicht so schlimm. Ich bin mir aber sicher, wenn ich dann in Stockholm bin, werde ich richtig nervös sein.

WV: Wie bereitest du dich auf den ESC vor?

ZOË: Also gerade rennen wir den ganzen Tag durch die Stadt, um das perfekte Kleid zu finden. Ich bin eigentlich kein Shoppingmensch, aber das macht echt Spaß. Am Abend bin ich dann richtig fertig. Zur Zeit habe ich viele Termine und Interviews. Ich mache auch viele Gesangsübungen. Damit ich dann in Stockholm nicht so schnell heiser werde. Ich versuche auch, mich gesund zu ernähren und so gut es geht aufzupassen nicht krank zu werden, denn das kann ich mir gerade gar nicht leisten. Es ist echt eine sehr aufregende Zeit momentan.

WV: Wie sieht dein perfektes Kleid für den Eurovision Songcontest aus?

ZOË: Es muss einfach alles stimmen: Der Schnitt, die Farbe. Es muss ein Bühnenoutfit sein und zum Bühnenhintergrund passen. Es darf kein Gala- oder Cocktailkleid sein. Und es muss etwas Elfenhaftes haben ohne zu kitschig zu sein, nicht zu kindlich aber auch nicht zu erwachsen, aber verspielt sein. Ist gar nicht so leicht (lacht).

WV: Du bist 19 und gehst echt nicht gerne shoppen?

ZOË: Eigentlich nicht. Ich shoppe eher online, weil ich sonst schnell überfordert bin und oft auch nicht so weiß, was gut zusammen passt. Alleine im Geschäft bin ich meist aufgeschmissen (lacht).

WV: Wie würdest du deinen Style beschreiben?

ZOË: Ich trage lieber ein paar Basic-Teile in schlichten Farben. Schwarz, grau oder dunkelgrün. Für Shootings bin ich natürlich gestylter, aber privat mag ich es leger. Manchmal bin ich gerne Prinzessin und das ist auch cool, wenn ich das auf der Bühne so ausleben kann, schön geschminkt und in einem schönen Kleid. Zuhause bin ich aber eher Pipi Langstrumpf. Ich bin nicht immer nur Lolita mit den roten Lippen, sondern manchmal einfach nur grungy. Das Schöne ist, dass ich beides leben kann.

WV: Fühlst du dich wohl mit dem Lolita-Image, das dir die Medien verpasst haben?

ZOË: Am Anfang war das schon komisch. Im Vergleich zu dem, was mir jetzt aber manchmal nachgesagt wird, ist es eigentlich schon wieder charmant. Lolita klingt zwar für manche negativ, aber eigentlich steckt ja gar nichts Negatives dahinter. Für mich steht Lolita für „noch nicht ganz Frau, aber auch nicht mehr Mädchen“ und das bin ich ja auch. Meine Musik ist natürlich auch flirty und verspielt. Ich spiele viel mit meiner Stimme, das stimmt schon. Man darf halt nicht glauben, dass ich nur Lolita bin.

WV: Nach deinem Sieg bei „Wer singt für Österreich“ hast du nicht nur positives Feedback bekommen.

ZOË: Ja, das beschäftigt mich viel. Ich kann solche Facebook-Comments einfach nicht ignorieren. Am meisten schreckt mich, dass die Leute das alles mit ihrem Klarnamen posten. Die wissen ja, dass sie hier nicht anonym sind, aber es ist ihnen irgendwie egal. Sobald man darauf reagiert, kommt dann aber nichts mehr zurück. Ich glaube, viele vergessen, dass sie damit eine echte Person verletzen. Sobald man in der Öffentlichkeit steht, muss man aber mit solchen Kommentaren rechnen. Es ist jedenfalls hart. Man fragt sich, woher all der Hass kommt. Ich habe schon so arge Sachen gelesen, dass mich die Leute hassen und ich sowieso mal als Pornodarstellerin enden werde. Und das sind aber erwachsene Leute. Da fragt man sich schon: Warum müsst ihr mich fertig machen? Was habt ihr davon?

WV: Wie gehst du damit um?

ZOË: Man sagt mir immer ich soll diese Kommentare nicht lesen, aber ich schaff es eben nicht immer. Du magst dich irgendwie sofort rechtfertigen. Ich würde mich gerne manchmal erklären. Weil es einfach Vorwürfe sind, die nicht stimmen, aber du kannst nicht jedem diese Macht geben. Ich denke jedoch auch, dass es nicht unbedingt schlecht ist, zu polarisieren. Ich möchte mich jetzt nicht mit Justin Bieber vergleichen, aber: Wenn du dir seine Videos auf Youtube anschaust, dann siehst du, er hat viel mehr Downvotes als Upvotes. Und trotzdem: Er ist einer der erfolgreichsten Musiker der Welt. Du musst halt irgendwie drüber stehen lernen.

WV: Hast du eigentlich Angst zu scheitern?

ZOË: Natürlich habe ich ganz große Versagensangst, aber selbst wenn ich nicht gut beim Songcontest abschneide, werde ich meine Karriere weiterführen. Man weiß ja auch, dass es irgendwann wieder runtergehen wird. Das ist halt eine Achterbahn. Ich versuche immer zu sagen: Egal was passiert, ich werde für jedes Problem eine Lösung finden.

WV: Deine Familie ist in deine Arbeit involviert: Dein Vater ist dein Manager und Produzent. Wie ist das für dich?

ZOË: Und meine Schwiegermutter macht mein Styling. Oft sitzen wir zusammen und besprechen beim Essen die Arbeit. Das ist schon sehr nett. Ich kann mir sicher sein, dass meine Umgebung mein Bestes will. Sie schauen auch, dass es mir immer psychisch gut geht.

WV: Gab es auch Bedenken, als du dich entschieden hast, Musikerin zu werden?

ZOË: Ich wollte immer schon Musik machen und habe meinen Vater immer gefragt, ob wir gemeinsam Musik machen können. Am Anfang wollte er noch, dass ich etwas Ernsthaftes mache. Aber dann hat er eingesehen, dass es keinen Sinn macht mir das zu sagen.

WV: Dein Vater hat mit Papermoon mehrere Hits geschrieben. Welchen wertvollen Tipp hat er dir weiter gegeben?

ZOË: Bescheiden bleiben. Sein erster Song war ein Hit und damals dachte er, das geht leicht. Aber dann merkte er, was das für harte Arbeit ist. Das habe ich von klein auf mitbekommen.

WV: Und das Französisch kommt auch von deiner Familie?

ZOË: Mein Vater war so wie ich im Lycée. Meine Großeltern sind irrsinnig Frankreich affin. Und ja, auch mein Vater hat schon auf Französisch gesungen.

WV: Die Entscheidung auf Französisch zu singen – ging es dir dabei auch um ein Statement zur Weltoffenheit?

ZOË: Es geht darum, dass jemand der beim Songcontest mitmacht, sich nicht verstellen muss. Man muss nicht immer auf Englisch singen. Ich verstehe auch, dass man es schade findet, dass so wenige auf Deutsch singen. Ich singe aber auf Französisch, auch auf meinem Album, und damit fühl ich mich eben wohl. Ich glaube darum geht es auch, dass die Leute sehen, du fühlst dich wohl auf der Bühne und dass du authentisch bist. Es ist oft ja auch gar nicht so wichtig, ob man den Text eines Songs versteht oder nicht. Es geht darum, dass man von einem Song mitgerissen wird.

WV: Wer wird dich mit nach Stockholm begleiten?

ZOË: Meine Mutter und mein Vater. Und auch mein Freund als „Personal Assistant“(lacht).

WV: Hast du schon einen Reiseführer für Schweden? Willst du dir etwas Bestimmtes anschauen?

ZOË: Noch nicht, aber ein Deutsch-Schwedisch Wörterbuch! Ich habe auch schon ein bisschen geübt. Mein Freund hat ja auch eine schwedische Familie. Und ja: Ich habe die Stieg Larsson-Triologie gelesen und würde mich gerne auf die Spuren von Mikael Blomkvist machen, wenn ich Zeit habe.

 


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