IV Papis Loveday fotografiert von Manuel Cortez in Mailand in 2012

“Noch dünner geht ja gar nicht”

11. November 2015 / von / 0 Kommentare

Internationales Topmodel und Austria‘s Next Topmodel Kult-Juror Papis Loveday im Gespräch über das Modelbusiness, Castingshows und die Wiener Modeszene.

INTERVIEW: TATJANA PANTELIĆ | FOTO: MANUEL CORTEZ

VW: Gestern Abend habe ich die neue Folge Austria‘s Next Topmodel gesehen und deine kreativen Outfits bewundert. Was bedeutet Mode für dich?

PAPIS: Oh, vielen Dank! Mode ist mein Leben und meine Leidenschaft. Mode ist ein visueller Ausdruck der Persönlichkeit. Was du trägst, verrät manchmal mehr über dich als du denkst.

VW: Wo findest du die Inspiration für deine Outfits?

PAPIS: Ich schaue mir immer die Designs meiner Lieblingsdesigner, zum Beispiel John Galliano oder Jean Paul Gaultier, für die kommende Saison an. Dazu ein Hauch Papis Loveday. Voilà. Meinen Style würde ich als klassisch- avantgardistisch beschreiben.

VW: Wie erfolgreich können Models durch Castingshows werden? Schadet die permanente Dramatisierung in den Shows nicht dem Image?

PAPIS: Nun, der Gewinner unserer letzten Staffel Austria’s Next Topmodel boys&girls, Oliver Sturmvoll, hat eindrucksvoll bewiesen, dass man natürlich auch durch so ein TV-Format entdeckt und international erfolgreich werden kann. Er läuft für Cavalli auf dem Runway und hat die weltweite VERSACE-Kampagne geschossen. Mehr geht nicht. Natürlich zeigen wir in der Show auch die Persönlichkeiten der angehenden Models, sonst wäre es ja furchtbar langweilig. Am Ende ist es auch eine Unterhaltungsshow.

VW: Man liest immer öfter, dass Models jünger und dünner werden. Ist es nicht ein verzerrtes Schönheitsideal, welches Mädchen und Frauen vermittelt wird? Wie schätzt du die Gefahren ein?

PAPIS: Noch dünner, zumindest in der HighFashion, geht ja gar nicht. Ich denke, dass hier der Zenit erreicht ist. Es ist essentiell, dass weibliche Models einen wirklich sehr schlanken Körper haben, der perfekt trainiert ist. Krankhaft dünn darf es aber nicht sein. Wir schauen bei Austria‘s Next Topmodel penibel darauf, dass sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesund und aussreichend ernähren. Mode und deren Darstellung soll ja Träume und Wünsche beflügeln. Es ist oftmals Fiktion. Wenn in jedem zweiten Film rumgeballert wird, willst Du doch auch nicht sofort um dich schießen.

VW: Was hältst du davon, dass Models ein gesetzlich geregeltes Mindestgewicht haben müssen?

PAPIS: Ich bezweifle, dass Magersucht dadurch zu verhindern ist. Diese Krankheit ist wohl etwas komplexer und vielschichtiger. Ich finde aber schon, dass Designer Verantwortung tragen und kein krankhaftes Körperbild vermitteln sollten. Bei der Auswahl der Models sollte der Fokus auf außergewöhnlichen Gesichtern mit gesunden, sportlichen Körpern liegen.

VW: Ist die Modewelt rassistisch oder warum gibt es so wenig Diversität bei den Models?

PAPIS: Wenn ein Designer seine Kollektion auf dem Laufsteg präsentiert, hat jede Kollektion eine Art „roten Faden“. Dies gilt auch für die Auswahl der Models. Man möchte eine Art „Einheitslook“. Vor einigen Jahren gab es schon einen gewissen Rasissmus in der Branche, den ich in meinen Zeiten als Model auch immer wieder gespürt habe. Ich denke, dass sich dies aber etwas gebessert hat. Das liegt auch daran, dass durch neue, starke Märkte, wie zum Beispiel China, vermehrt andere Typen in den globalen Kampagnen auftauchen.

VW: Wie hat sich die Modeindustrie im Laufe deiner Karriere verändert?

PAPIS: Alles ist noch schneller geworden. Und man kann als Model nur noch schwer so viel verdienen wie früher. Vor 10 Jahren hat man für einen Runway schon mal 2000 Euro bekommen. Jetzt kannst du eine Null wegnehmen. Zudem leidet der individuelle Ausdruck durch Mode aufgrund globaler Anbieter wie Zara oder H&M sehr. Gerne würde ich wieder mehr „Modeindividualisten“ sehen.

VW: Als ein erfolgreicher Designer, welche Tipps hast du für Newcomer?

PAPIS: Für Designer: Macht euch nicht immer gleich direkt nach der Modeschule selbständig! Das funktioniert heute fast nie. Versucht ein paar Jahre für ein renomiertes Unternehmen zu arbeiten und sammelt Erfahrungen. Für Models: Beobachtet intensiver, was am Markt los ist. Wissen ist auch in dieser Branche Macht.

VW: Worin unterscheidet sich Wien von anderen Modemetropolen?

PAPIS: Wien sollte als Modemetropole noch viel mehr Selbstbewusstsein und Individualismus entwickeln. Der Blick nach Mailand oder Paris bringt gar nichts. Wien hat in der Vergangenheit bei so vielen Dingen Mut und Kreativität bewiesen. In der Darstellung als Modestadt fehlt mir das noch etwas.


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