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Nazar: „Österreich ist in vielen Dingen weit hinten“

09. Februar 2015 / von / 0 Kommentare

Rapper Nazar redet mit uns über sein politisches Engagement für Menschen mit Migrationshintergrund, seine Meinung zu Rap abseits der Straße und über die Schwierigkeiten, als Musiker in Österreich kommerzielle Erfolge zu erzielen.

Interview: Pia Bichara  | Foto: Michael Breyer

Du bezeichnest dich häufig als Sprachrohr der Jugend. Was ist an deinem neuen Album „Camouflage“ gesellschaftskritisch oder politisch?

NAZAR: Gar nichts. Das habe ich auch bewusst so gemacht. Ich glaube das einzige politische Thema, das ich auf meinem Album kommunizieren wollte, ist in dem Song „Kanax“ zu hören. Auf eine sehr humorvolle Art und Weise erkläre ich meinen Fans mit Migrationshintergrund, dass sie sich über manche ihrer Eigenschaften in ihrem gesellschaftlichen Verhalten Gedanken machen sollten. Ich habe mit dem Faktor Humor gearbeitet und den Song mit aggressiver Musik hinterlegt, weil ich ganz genau weiß, dass man im HipHop keinen Song schreiben kann, in dem der Finger erhoben wird. Das funktioniert nicht. Man darf keine Lehrerfunktion übernehmen, denn niemand möchte belehrt werden. Aber ich bin im Nachhinein von sehr vielen Fans auf diesen Song angesprochen worden, da sie verstanden haben, was ich damit sagen wollte. Sie sind der Meinung, dass ich gar nicht so Unrecht habe und sie sich Gedanken darüber machen werden. Damit habe ich mein Ziel schon erreicht.

Möchtest Du dich weiterhin politisch bzw. gesellschaftskritisch bei öffentlichen Auftritten engagieren oder ist für dich die Kunst die einzige Ausdrucksform?

NAZAR: Ich glaube, dass es sich Musiker zu einfach machen, wenn sie behaupten, dass die Kunst ihre einzige Ausdrucksform ist. Das tun eigentlich nur Leute, die Angst davor haben, durch politische Statements unbeliebt zu werden. Ich habe den Vorteil, dass man sich in der Musikszene, aus der ich komme, nicht dadurch kaputt machen kann, wenn man ehrlich sagt, wozu man steht. Mein politisches Engagement war nie so fokussiert, dass ich eine politische Karriere hinlegen wollte oder in der Öffentlichkeit als jemand, der Ahnung von Politik hat, dargestellt werden wollte. Ich habe das nur getan, wenn es darum ging, Menschen mit Migrationshintergrund und ihre Religion zu verteidigen, die permanent von der FPÖ und Strache beleidigt werden. Diese Menschen haben nicht die Möglichkeit ihre Wut auszusprechen und gehört zu werden. Ich habe diese Möglichkeit und deswegen habe ich das auch gemacht. Mit allen Konsequenzen, die ich deshalb tragen musste.

Aktuell ist es für viele Leute in Österreich so schwierig, kommerzielle Erfolge zu feiern, weil ihre Musik einfach nicht gut ist. Die Entwicklung in der Hip-Hop Szene ist nicht wirklich fortschrittlich. Die Vorbilder aus Deutschland werden häufig kopiert. Viele sind einfach nicht innovativ genug.

Warum ist es deiner Meinung nach so schwer, als Rapper kommerziellen und medialen Erfolg in Österreich zu haben?

NAZAR: Damals war es noch so, dass Österreich, wie leider in sehr vielen Dingen – vor allem aber, was die Musik betrifft – sehr weit hinten war. Alle Medien und Meinungsmacher waren von der Vergangenheit „gebrainwashed“. Das Einzige, das hier wahrgenommen wurde, waren Schlager und Pop-Musik. In den letzten Jahren haben Medien und Labels gemerkt, dass deutscher HipHop immer erfolgreicher wird. Und ich war der Einzige aus Österreich. Labels mussten mit Rappern zusammenarbeiten, ob sie wollten oder nicht und ob ihnen der Typ sympathisch war oder nicht.

Was hältst du vom Mundart Rap?

NAZAR: Wahnsinnig cool! Viel besser als die ganzen Kopien von Nazar und Bushido. Mundart Rap ist aber trotzdem schwer für mich zu hören. Mit der Zeit wird es ein wenig anstrengend. Aber es ist viel cooler als eine Kopie von etwas anderem.

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