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Mein Wien: Nina Kusturica

05. Februar 2015 / von / 0 Kommentare

„Obwohl ich seit über 20 Jahren in Wien lebe, hoffe ich noch immer auf DIE Entdeckung, den Platz in der Stadt, der mir noch verschlossen geblieben ist”, sagt Nina Kusturica. Die mehrfach ausgezeichnete Filmemacherin, die 1975 in Bosnien und Herzegowina geboren wurde, wünscht sich einen „Platz, an dem es Wasser gibt, soweit das Auge reicht, die Menschen nicht grantig sind und alles in einer kreativen Unordnung schwirrt, viele Sprachen laut gesprochen werden, ohne Angst vorm Fremd- oder Anderssein.“ Welche ihrer Wiener Lieblingsorte dieser Vorstellung am nächsten kommen, hat sie uns auch verraten:

Ottakring
(16., Neulerchenfelderstraße)

“Das Bild von Wien bleibt zum Teil auch eine Fantasie von dem, was diese Stadt sein könnte und dieser Vorstellung am nächsten kommt Ottakring. Die Gegend um einen Call Shop in der Neulerchenfelderstrasse 31 ist mir in den letzten Jahren ans Herz gewachsen, weil ich dort gerade meinen Film „Ciao Chérie“ drehe. Es sind immer die intensiven Dreharbeiten, die mich eine Gegend wirklich erahnen und erspüren lassen. Es ist die Weltreise im Kleinen, die in Ottakring passiert, es ist ein befreiendes Gefühl abseits von der künstlichen Aufrechterhaltung des alten, touristischen Wienbildes dieses echte Stadtgefühl erleben zu können.”

Café Korb
(1., Brandstätte 9)

“Aber auch mitten im ersten Bezirk gibt es Orte, die sich eine Natürlichkeit und Originalität bewahren. Das Café Korb, in dem man vom Frühstück bis zum Fluchtachterl, vom gezogenen Apfelstrudel – wie ich finde, der beste in Wien – bis zur Eierspeise, von den Geschäftsmeetings, Freunde treffen und schreibend, einen ganz Tag verbringen kann, ist eine wahre Innenstadtperle.”

Weißgerberviertel
(3., Radetzkyplatz)

“Die längste Zeit meines Wiener Lebens habe ich im dritten Bezirk verbracht. Einerseits im Botschaftsviertel, in dem mir die Filmakademie lange Zeit ein Zuhause war, die kreativen Pausen im Unteren Belvedere immer eine Antwort auf „wie es weitergehen soll“ garantiert haben. Und anderseits auch in den vielen Wohnungen, durch die ich gegangen bin, um jetzt in der Nähe vom Radetzkyplatz zu landen. Dort ist es das Schönste, sich einfach auf die Parkbank neben die PensionistInnen zu setzen – zu lauschen, ihren Geschichten zuzuhören – eine kurze Pause im Restaurant Wild und dann geht’s schon in Richtung meiner neuen Lieblingsgegend, dem Donaukanal. Unter der Franzensbrücke ist die Hafenkneipe, in den Sommermonaten gibt es gegrilltes Gemüse oder einen gegrillten Fisch. Dort, direkt am Wasser, lässt sich ein Stück sehr entspanntes Stadtleben genießen.”

WerktzeugH
(5., Schönbrunnerstraße 61)

“Und da ist noch Margareten – seit über zehn Jahren die Arbeitsgegend, in der meine Filmproduktion zu Hause ist und ich jeden Tag gerne hingehe. Damals war das nicht so hip wie heute. Da sind das WerkzeugH oder der Gastgarten des Café Cuadro kleine Pausenoasen.”

Filmmuseum
(1., Augustinerstraße)

“Am liebsten tauche ich doch in ein Kino ein, denn dort finde ich alle Orte der Welt. Im Filmmuseum fühle ich mich wie im Bauch des Wals und an der Filmbar im selben Haus weiß man spätestes um 2 in der Früh, dass alles gut wird. Auch in Wien.”

 

Mehr Informationen zu Ninas Projekten: 

www.ciaocherie.com

www.nk-projects.com

 

Foto: © NK Projects


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