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Meidling: Das charmante Weltdorf

21. Juni 2014 / von / 0 Kommentare

Nicht alles an und in Wien ist urleiwand. Manchmal hat das „goldene Wienerherz“ auch dreieckig geschliffene Zähne wie Chucky die Mörderpuppe. Doch meistens ist das Leben hier besser und angenehmer als so mancher Ort an dem ich schon gelebt habe.

My Private Bronx

Durch den berühmten Stadteil von New York, der aussieht wie Vukovar nach einem Granatenangriff, bin ich nur mit dem Auto gefahren. Aus Sicherheitsgründen. Auch wenn es so etwas in Wien nicht gibt, ist Meidling meine Bronx. Allerdings nur im Vergleich mit Hietzing, wo ich zwischendurch lebe. Während es sich die wohlhabenden Ausländer im 13. Bezirk wohnlich gemacht haben, lebt die migrantische Armut zusammen mit mir östlich des Grünen Berges. Und das gefällt mir besser als die Schnöselpartie am Roten Berg. In meinem Haus sind gut 60% der Mieter Ausländer von drei verschiedenen Kontinenten. So habe ich tagtäglich die Gelegenheit ein Sprachengewirr zu hören, das mich von fernen Gegenden träumen lässt. Das ist schön. Unweit der Philadelphiabrücke kaufe ich beim „Inder“ Köstlichkeiten, die nur Asien zu bieten hat und koche dann mit meinem Kumpel Felix dem Liguster Speisen aus Froschschenkeln oder Meeresungeheuern aus dem Indischen und Pazifischen Ozean und verfeinere sie mit Gewürzen, deren Namen ich nicht aussprechen kann. Super!

Auch wenn es so etwas in Wien nicht gibt, ist Meidling meine Bronx. Allerdings nur im Vergleich mit Hietzing, wo ich zwischendurch lebe.

Der echte „Melting Pot“

Auf der Fußgängerzone wuseln orthodoxe Serben, katholische Kroaten und muslimische Bošnjaci und manchmal auch Angehörige einer asiatischen Religion, die selbst ich nicht kenne und die auch im Hochsommer mit Handschuhen das Obst im Supermarkt begutachten. Mir als Atheisten gefällt das trotzdem. Einzig auf die Salafisten­Moschee, gleich um‘s Eck, jenseits der Meidlinger FuZo, kann ich getrost verzichten. Und hoffen, dass die übrigen Muslime und ihre Kinder in meiner Nachbarschaft sie ebenfalls links liegen lassen. Wer es mag, kann unweit des Theresienbades (Tschuschenaquarium) in einem Sikh­-Tempel einen echten Guru predigen hören. Bis vor kurzer Zeit gab es in der Arndtstrasse sogar ein chinesisches Kino, betrieben von der Österreichisch­-Chinesischen Freundschaftsgesellschaft. Und wer nicht so auf chinesische Filme oder Religionen steht, sondern auf echte Magie, kann nahe dem Schönbrunner Schloßgarten das Zaubermuseum besuchen.

So berichteten es mir zumindest die Polizisten, die meinen letzten Grow beschlagnahmten, während meiner Vernehmung auf dem Posten.

Das Zentrum des Bösen

Auf dem Migazziplatz soll das Böse in Meidling zu Hause sein. Hier gibt es Handel mit Drogen minderer Qualität, dafür aber aller Art, kleinere Gewalttätigkeiten und Taschlziagereien. Auch wenn die meisten Tschetschenen in unserer Stadt nur dem Unglück in ihrer Heimat entkommene Flüchtlinge sind, die in Frieden und Freiheit leben wollen, sollen die Böslinge unter ihnen den Polizisten das größte Kopfzerbrechen verursachen. Das liegt daran, dass sie die größte „Artillerie“ in der Stadt haben sollen: AK47 Sturmgewehre.

So berichteten es mir zumindest die Polizisten, die meinen letzten Grow beschlagnahmten, während meiner Vernehmung auf dem Posten. Nur der Hundeführer hat so ausgesehen und gerochen wie seine Hunde, die anderen Polizisten waren rasiert, hatten saubere Uniformen und sprachen ganz gut Deutsch.

Ich liebe mein kleines Weltdorf Meidling!


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