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Mehr als nur Cupcakes auf Instagram: Wiens BloggerInnen im Porträt

08. April 2015 / von / 0 Kommentare

Sie besuchen Fashionweeks, machen Shootings mit großen Designerinnen und produzieren Comedy-Videos. Die Vlogs und Blogs von Dariadaria, VIENNA WEDEKIND und Michael Buchinger zeigen, wie vielseitig Wiens Bloggerinnenszene ist.

Story: Simone Grössing | Fotos: Igor Ripak, Maximilian Salzer

Dass sie einmal vom Bloggen leben würden, das hätte sich wohl keiner von ihnen gedacht. Denn angefangen haben sie alle mit kleinen, privaten Blogs. Auf Dariadaria fand man vor ein paar Jahren noch Fotos von Reisen, auf VIENNA WEDEKIND waren es vor allem Aufnahmen von Schauspielproben.

Beim Video-Blogger („Vlogger“) Michael Buchinger waren es lustige Videos für Freunde, die er vor sechs Jahren auf Youtube hochlud. Damals war er 16 und fing wegen seinen MitschülerInnen mit dem Vloggen an: „Ich habe in den Schulpausen immer ein bissi herum geblödelt und meine Freunde unterhalten. Die haben dann irgendwann gemeint: Hey Michi, du bist urlustig, mach doch mal ein Video!“ Michael Buchinger fand die Idee gar nicht so schlecht. Inspiriert von Comedy-Programmen wie etwa „Saturday Night Life“ oder „Ladykracher“ fing er an seine ersten eigenen Sketches zu schreiben. Mittlerweile vloggt Michael nicht mehr nur für seine FreundInnen: Mit seinen meistgesehenen Videos erreicht er heute um die 100.000 Menschen. Seit zwei Jahren ist Michael Buchinger unter Vertrag bei einem YouTube-Netzwerk und lebt vom Vloggen. Als Youtuber mit Vertrag muss er regelmäßig Output liefern, Michael lädt wöchentlich neue Videos hoch. Geld kommt dabei einerseits über Werbeschaltungen vor seinen Videos und durch Kooperationen mit Firmen rein. Inhaltlich kann er aber weiterhin das machen, was er will: „Da habe ich meine Freiheiten.“

Michael bloggt über alles, „was ihn beschäftigt.“ Am ehesten würde er sich als „Alltagsvlogger“ bezeichnen. Typisch für seine Videos ist dabei sein unverwechselbarer „Schmäh“: „Letztens wurde ich als Komödiant bezeichnet“, erzählt er. Ganz zutreffend findet er die Bezeichnung zwar nicht, dennoch spielt Humor in seiner Arbeit eine große Rolle: „Ich möchte ein guter Youtuber sein. Dazu gehört es eben auch unterhaltsam zu sein.“ Zu Michaels Programm zählt eine monatliche Hassliste, in der er sich über nervige Dinge auslässt, wie beispielsweise Menschen, die ihm beim Rolltreppenfahren im Weg stehen oder Kinder, die in Kinos herumschreien. Dinge, die er eben selbst aus seinem eigenem Leben kennt ­– und hasst. „Im Kontrast zum Fernsehen ist das sehr intim, was ich mache. Man hat das Gefühl, man ist dabei“, so Michael. In anderen Videos bäckt er vor der Kamera auf sehr unterhaltsame Art Profiteroles oder gibt StudentInnen Überlebenstipps für die Uni. Wenn ihm Zeit dafür bleibt, macht er auch heute noch ab und zu Sketches. Dann schlüpft er in unterschiedliche Charaktere, wie zum Beispiel in die Rolle von Carrie Bradshaw aus „Sex and the City“.

Vom Homeoffice zur Fashionweek

Auch Madeleine Alizadeh vloggt auf Youtube. Angefangen hat sie 2010 mit ihrem Fotoblog Dariadaria, wo sie während eines längeren Aufenthalts in Asien ihre Fotos veröffentlichte. Mittlerweile zählt die Wienerin zu den bekanntesten Mode-Bloggerinnen des Landes. Madeleine wird regelmäßig zu internationalen Fashion Weeks eingeflogen und arbeitet mit großen Unternehmen wie etwa „Zalando“ oder „Gucci“ zusammen. Als Karl Lagerfeld im Dezember zur Chanel-Show in Salzburg lud, war sie die einzige österreichische Bloggerin, die eine Einladung erhielt. Die ausgebildete Fotografin mit persischen Wurzeln bloggt und vloggt aber nicht nur über Beauty- und Fashionthemen, sondern berichtet auch von ihren Reisen, Jobs oder ihrem Leben mit Hund: „Ich liebe authentische, spontane und persönliche Posts. Ich finde es schön, wenn man mit den Lesern interagiert.“

Mittlerweile hat Dariadaria 40.000 Facebook-Fans und auf Instagram sogar noch mehr FollowerInnen. Monatlich erreicht sie mit ihrem Blog rund 250.000 Menschen. Mit einer hohen Reichweite kommt viel Verantwortung, meint Madeleine: „Man muss aufpassen, was man sagt und wen oder was man promotet. Für den einen oder anderen ist das schon richtungsweisend, was in meinem Blog steht.“ Deswegen hat Madeleine irgendwann angefangen online auf nachhaltige Mode aufmerksam zu machen. Einen Schritt, den nur wenige FashionbloggerInnen wagen, schließlich fallen damit auch viele große KundInnen weg. Vom Bloggen kann Madeleine heute aber trotzdem leben. Viele Posts auf ihrer Seite sind gesponsert, pro bezahlten Beitrag nimmt sie um die 800 Euro brutto ein. Madeleine arbeitet selbstständig und betreibt Dariadaria von ihrem Homeoffice in Wien aus: „Das bedarf sehr viel Eigendisziplin. Oft stehe ich um acht Uhr auf und gehe um acht Uhr am Abend wieder ins Bett. Manchmal werde ich auch um fünf in der Früh in eine andere Stadt eingeflogen und arbeite dann 18 Stunden durch“, erzählt sie in einem „Askme“ auf Youtube.

Obwohl Madeleine in Wien zu Hause ist und von dort aus arbeitet, hat sie die meisten Kooperationen im Ausland. Woran das liegt? „Viele österreichische Firmen wissen noch immer nicht, wie sie mit Bloggern umgehen sollen“, meint Madeleine. „Während man im Ausland schon erkannt hat, welchen Stellenwert Blogger heute haben, wird man in Österreich oft belächelt.“ Das wirke sich auf die BloggerInnenszene in Wien aus, die hält Madeleine für überschaubar: „Es gibt seit Jahren dieselben Blogger und es kommen wenig neue dazu. Das ist einerseits schön, weil man sich gut kennt, andererseits würden mehr qualitativ hochwertige Blogs der Szene zugute kommen.“

„Viele glauben noch immer, bloggen bedeutet einfach ein paar Fotos von Cupcakes zu posten“

Ähnlich schätzt auch Fashionbloggerin Carola Pojer alias VIENNA WEDEKIND die Wiener BloggerInnenszene ein. Während es in Wien langsam immer mehr VideobloggerInnen und YoutuberInnen gibt, lassen sich etwa klassische ModebloggerInnen noch an einer Hand abzählen. Die meisten davon kennt sie persönlich. Madeleine und ihren Blog begleitet sie schon seit Beginn ihrer Karriere: „Wir haben schon oft im Ausland zusammen am Flughafen gewartet, wenn wir zu Fashionweeks eingeflogen wurden.“ Wie auch Madeleine arbeitet Carola vor allem mit ausländischen Firmen zusammen. Angefangen hat sie mit ihrem Blog VIENNA WEDEKIND nach dem Schauspielstudium: „Damals habe ich Fotografie studiert und wollte einfach wieder mehr fotografieren – mit dem Blog habe ich eine geeignete Plattform gefunden, um regelmäßig Content zu produzieren.“ Später kam dann der Fashion-Schwerpunkt hinzu. Carola arbeitet als Schauspielerin für Theater, Film und Fernsehen – auch im Beruf spielt Mode für sie eine wichtige Rolle. Auf ihrem Blog findet man vor allem Outfitposts im reduzierten Stil, wie man ihn etwa von Kopenhagens Straßen kennt: „Ich liebe die skandinavische Mode und orientiere mich sehr an ihr.“

DSC_1163Carola startete ihren Blog VIENNA WEDEKIND im Jahr 2011.

Carola arbeitet mit großen internationalen Labels wie Louis Vuitton, Mytheresa oder Diesel zusammen und war auch schon in der Vogue oder Elle zu sehen. In Österreich war das Interesse an Fashionblogs aber bisher nicht so groß. Erst als sie schon im Ausland große Jobs hatte, wurde sie als Bloggerin von den heimischen Medien wahrgenommen: „Viele glauben noch immer, bloggen bedeutet einfach ein paar Instagram-Fotos von Cupcakes zu posten. Blogger übernehmen jedoch alle Departments eines Magazins. Sie sind Editoren, Grafiker, Redakteure und Fotografen.“ Auch bei jungen Menschen, die selbst zum Bloggen anfangen, ist das Bild manchmal verzerrt: „Manche denken, als Blogger werden dir alle möglichen Gratisprodukte nachgeworfen. Dahinter steckt jedoch harte Arbeit. Außerdem sollte man nicht zum Bloggen beginnen, weil man etwas gratis haben möchte. Sondern aus Leidenschaft.“

Obwohl Wiens BloggerInnen und VloggerInnen vielleicht noch nicht den Stellenwert in Österreich haben, den sie sich verdient hätten, möchten Carola und auch Madeleine weiterhin von Wien aus arbeiten. „Ich liebe Wien. Hier liegt immer etwas Kreatives in der Luft. Das inspiriert mich“, so Carola. Nicht ohne Grund heißt ihr Blog schließlich VIENNA WEDEKIND. Michael Buchinger dagegen wird es in einem halben Jahr in eine Youtuber-WG nach Berlin verschlagen. Fest steht: Hören wird man von allen dreien bestimmt noch einiges – und das auch in Österreich.

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