Schinner

Schinner über Wien: „Man kann immer Dinge besser machen“

20. Juni 2014 / von / 0 Kommentare

Katharina Schinner, stellvertretende Landesparteisekretärin der SPÖ Wien, ist sozusagen der Sebastian Kurz der SPÖ. Was sie in Wien besser machen würde und ob es Kulturschaffende in der Stadt schwer haben, verrät sie Dino Šoše im Interview.

Interview: Dino Šoše | Fotos: Michael Mazohl

Frau Schinner, Sie sind SPÖ-Frauenchefin für Währing, Mitglied des Währinger SPÖ-Vorstands…

SCHINNER: Ich bin seit fünf Monaten stellvertretende Landesparteisekretärin und dabei  zuständig für Finanzen, für interne und externe Kommunikation. Außerdem bin ich seit 2007 Landtagsabgeordnete und Gemeinderätin und in meinem Bezirk Währing  Frauenvorsitzende und stellvertretende Bezirksvorsitzende.

Meine Frage war eigentlich, wann schlafen Sie?

SCHINNER: (lacht) In der Nacht, weil ohne Schlaf geht’s nicht.

Sie haben mit 34 Jahren ihren Karrierezenit längst nicht erreicht. Wann werden sie Stadträtin?

SCHINNER: Ich bin seit fünf Monaten in meiner neuen Funktion. Ich fühle ich mich sehr wohl, wo ich jetzt bin und habe dort viele Möglichkeiten. Diesem Vertrauen und der Verantwortung versuche ich tagtäglich gerecht zu werden.

Das klingt, als wären Sie der Sebastian Kurz der SPÖ.

SCHINNER: (lacht) Ich bin die Kathi Schinner der SPÖ.

Wie oft kommen sie noch dazu Ihren Lehrberuf im Einzelhandel auszuüben?

SCHINNER: Mein Vater hat ein Damenmodengeschäft, und ich komme aus dieser Ecke. Ich habe mich zehn Jahre in der Wirtschaftskammer engagiert und habe mich dort sehr intensiv damit beschäftigt, welche Bedürfnisse Kleinunternehmen haben. Ich fand es immer ganz wichtig, dass man auch einen konkreten Bezug zum Thema hat. Verantwortung für Angestellte zu haben, die sich auf dich verlassen, das ist schon eine Herausforderung. Aber jetzt konzentriere ich mich ganz auf meine neue Funktion als stellvertretende Landesparteisekretärin.

Welche politischen Ämter reizen Sie noch? Kommen sie 2015 in die Wirtschaftskammer oder 2018 in den Nationalrat?

SCHINNER: Ich fühle mich emotional eng mit dieser Stadt verbunden. Wien ist eine liebenswerte Stadt und unser Bürgermeister Michael Häupl hat sehr starke Ideen, wie wir sie in den nächsten Jahrzehnten noch schöner machen können. Teil dieses Teams zu sein und für die Menschen zu arbeiten, die hier leben, ist ein Privileg für mich. Das ist meine Stadt, hier fühle ich mich am richtigen Ort.

Kommen wir zu ihren politischen Schwerpunkten, Stichwort Kleinunternehmen. Für wen fühlen Sie sich besonders zuständig? Die Trafik bei der Bim-Station? Würstelstand? Den selbstständigen Taxler oder die Bobo-Boutique in der Burggasse?

SCHINNER: Ich fühle mich für alle zuständig, weil sie auch alle gemeinsam ein wichtiger Teil der Wirtschaft sind. Ich finde es ist nicht gut, wenn man nur einen Schwerpunkt hat und ich finde, das ist das Besondere an der SPÖ: wir sind eine große und vielfältige Bewegung. Wir sind in allen  gesellschaftlichen Schichten und bei allen Leuten zu Hause. Das ist einerseits die große Herausforderung, aber auch die ganz große Chance. Deswegen war meine These immer, dass wir uns um alle Herausforderungen und alle Probleme bemühen müssen. Oft hat die Taxifahrerin ähnliche Herausforderungen wie der Boutique-Besitzer.

Was tun Sie für diese KleinunternehmerInnen bzw. was tut die SPÖ konkret für sie?

SCHINNER: In der SPÖ kümmert sich speziell der sozialdemokratische Wirtschaftsverband, in dem auch ich zehn Jahre lang sozialpartnerschaftliche Arbeit geleistet habe, um diesen Bereich. Dort wird Interessenvertretung für die Klein- und KleinstunternehmerInnen geleistet. Das ist sehr wichtig, weil in der Wirtschaftskammer in der Vergangenheit leider nur auf die großen Konzerne geschaut wurde.

Sie sind im Wiener Gemeinderat auch Mitglied des Ausschusses für Kultur und Wissenschaft. Zahlreiche Kulturschaffende beklagen die prekäre Fördersituation, während einige wenige von der Stadt bevorzugt gefüttert würden. Was sagen Sie zu diesem Vorwurf?

SCHINNER: Es wird ganz viel gemacht, auch für kleine Initiativen. Es ist natürlich wichtig, dass gerade Musiker und andere Künstler Sichtbarkeit und Unterstützung bekommen. Es gibt viele Initiativen, um jungen KünstlerInnen Starthilfe zu geben. Manchmal gibt es aber unterschiedliche Bedürfnisse oder das Gefühl, dass man dort oder da gerne mehr Geld hätte. Das ist immer mit sehr viel Feingefühl zu sehen. Aber es wird sehr sorgsam damit umgegangen.

Was kann man in Wien dennoch besser machen?

SCHINNER: Man kann immer Dinge besser machen. Das Wichtige ist, dass in einer Stadt nicht ein paar Menschen, die viel Geld haben, gut und zufrieden leben können, sondern dass es ganz viele können. Es ist unser großes Bestreben, dass hier in Wien jede und jeder Einzelne ein gutes Leben führen kann.

Apropos Stadtregierung. Oktober 2015 werden wir Rot-Grün oder Rot-Grün-Neos haben?

SCHINNER: Im Oktober 2015 werden wir alles dafür tun, dass wir wieder die alleinige Verantwortung in dieser Stadt übernehmen dürfen und damit wir eine rote Regierung haben.

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