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“Krone”-Artikel verbreitet Hetze statt Fakten

18. Dezember 2014 / von / 0 Kommentare

Am Dienstag stellte die “Kronen Zeitung” im Artikel “Polizei-Einsatz bei Krippenspiel” falsche Behauptungen über eine angeblich “tobsüchtige Türkin” auf, die in die „Vorbereitungen für ein Krippenspiel geplatzt“ sei. Das berichtet der Verein SOS Mitmensch auf seiner Facebook-Seite.

Hetzartikel gegen Minderheiten in österreichischen Medien sind nichts Neues. Medienbeobachtungs-Blogs der Universität Wien, wie z.B. “Teilnehmende Medienbeobachtung” und “Kobuk”, oder die Mitteilungen des österreichischen Presserats, sammeln täglich Beispiele von Falschmeldungen oder Hetzartikeln. Der “Krone”-Artikel “Polizei-Einsatz bei Krippenspiel” ist laut SOS Mitmensch ein solches Beispiel einer Falschbehauptung, “um Stimmung gegen hier lebende Menschen allein aufgrund ihrer Herkunft zu machen.”

Hetze der Kronen Zeitung

Am Dienstag berichtete die “Krone” über eine „tobsüchtige Türkin“, die in einer Schule in die „Vorbereitungen für ein Krippenspiel geplatzt“ sei. Sie habe „plötzlich wie am Spieß zu schreien angefangen“. Kurz darauf hätten „auch ihre Tochter und ihr Mann in das Geheul eingestimmt“. Die „verschleierte Frau“ habe sich nicht beruhigen lassen. Erst ein „hühnenhafter“ Polizist und zwei weitere „mit gezücktem Pfefferspray“ hätten „das Trio zur Räson bringen können“, so die “Krone”.

Fakten der Schulleiterin

Nach Veröffentlichung des Zeitungsartikels wendete sich die Schulleiterin in einem Brief an die Eltern, um die Falschmeldung zu korrigieren. Der “Polizeieinsatz beim Krippenspiel” ist laut ihrer Aussage völlig anders abgelaufen. In Ihrem Brief berichtet sie davon, dass der Vater des Schülers vor einigen Wochen von einem Kran gestürzt ist und dabei tödlich verletzt wurde. Die Familie des Schülers, ganz besonders die Großmutter, leidet unter dem Verlust des Familienmitglieds. Letzten Samstag ist sie mit ihrer Schwiegertochter in die Schule gekommen, um das Krippenspiel ihres Enkels zu besuchen. Am Tag der Aufführung ist eine Lehrerin vor den Augen der Großmutter kollabiert. Dieser Vorfall hat bei ihr einen Schock ausgelöst, der zu einem Nervenzusammenbruch führte.

Zusammengefasst heißt das, dass die Frau weder in die „Vorbereitungen für ein Krippenspiel geplatzt“ ist, noch war sie eine “tobsüchtige und verschleierte Türkin”. Auch die Tochter konnte nicht in das “Geheul” einstimmen, da sie nicht anwesend war. Die Falschaussagen über die Polizei möchte die Schulleiterin nicht kommentieren. Alexander Pollak vom Verein SOS Mitmensch kritisiert, dass “die Grenze zu übler Hetze weit überschritten wurde, nicht nur aufgrund des Tonfalls des Artikels, sondern auch, weil er mit Auslassungen und Falschbehauptungen gespickt war. Die Folgen solcher Artikel sind desaströs. Betroffenen solcher Hetzartikel werden tief verletzt. Die Stimmung in unserer Gesellschaft wird angeheizt. Vorurteile werden geschürt. Wir weisen darauf hin, dass Medienberichte, insbesondere dann, wenn sie reißerisch verfasst sind, mit Vorsicht und kritischem Blick genossen werden sollten.”

Foto: SOS Mitmensch


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