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Junges Wohnen in Wien: Leistbare Wohnung gesucht

11. Juni 2015 / von / 0 Kommentare

Wer in Wien auf Wohnungssuche ist, hat es derzeit nicht leicht. Steigende Mieten und ein geringes Angebot an Wohnungen erschweren die Suche vor allem für junge Menschen.

Story: Simone Grössing | Fotos: Igor Ripak

Nicht nur in deutschen Großstädten wie München und Hamburg haben Menschen bei der Suche nach einer passenden Wohnung mit immer mehr Problemen zu kämpfen: Auch in Wien scheint der Traum von der eigenen Wohnung immer schwerer realisierbar zu sein. Vor allem für junge Menschen ist es nicht leicht eine Wohnung zu finden, das liegt vor allem an den steigenden Mieten. Laut einer Studie der Arbeiterkammer Wien (AK Wien) geben 18- bis 25-Jährige in Wien mehr als die Hälfte ihres Einkommens für Miete, Energie und Betriebskosten aus. Hinzu kommen einmalige Ausgaben wie etwa Kaution, Provision und Vertragsgebühren. Wer eine Wohnung sucht, braucht neben Zeit und Geduld vor allem Startkapital, dieses bringen aber nur die wenigsten jungen Erwachsenen mit.

500 Euro für 30 Quadratmeter

Die 24-jährige Studentin Magdalena Hämmerle kennt dieses Problem gut. Sie hätte sich ohne Unterstützung ihrer Eltern ihre erste eigene Wohnung kaum leisten können. Obwohl sie intensiv nach einer Wohnung suchte, wurde sie ohne Makler nicht fündig: „Provisionsfreie Wohnungen sind in Wien eine Seltenheit“, so die Studentin. Das Geld für die Maklergebühr musste sie sich von ihren Eltern ausborgen, ohne deren Hilfe hätte sie einen Kredit aufnehmen müssen. Die Wohnungssuche zeigte sich zudem schwieriger als gedacht: „Es gibt kaum Singlewohnungen in Wien und die meisten können sich Studenten und junge Menschen nicht leisten, weil für 35 Quadratmeter oft über 500 Euro verlangt werden.” Nach einer halbjährigen Suche fand sie schließlich eine 30 Quadratmeter große Substandardwohnung, für 350 Euro Warmmiete. Sie hatte Glück, dass sich der Makler für sie entschied, denn der Ansturm auf die Wohnung war sehr groß, erzählt sie.

Mietpreise_U-Bahnkarte_Wien (1)

 

Die Immobiliensuchmaschine zoomsquare veröffentlichte eine Wiener U-Bahn Karte mit den durchschnittlichen Quadratmeterpreisen in Stationsnähe. Am teuersten wohnt man rund um die Stationen Stephansplatz (19,10€/m²) und Stubentor (19,70€/m²). Am wenigsten Miete zahlt man rund um Hütteldorf (11,90€/m²) und Alterlaa (11,90€/m²).

Als Magdalena vor sechs Jahren nach Wien zum Studieren kam, war die Situation am Immobilienmarkt noch besser, so die Studentin. Damals lebte sie in einem großen WG-Zimmer um 250 Euro. Heute sei das nicht mehr möglich, sagt sie.

Immer mehr Menschen empfinden die Wohnungssuche in Wien als anstrengend. Laut einer Umfrage der AK erlebte 2009 etwa jeder Zweite, der umziehen wollte, die Suche als mühevoll. 2012 und 2013 war es schon für 71 Prozent der Befragten schwer – vor allem aufgrund der hohen Mietpreise. Besonders Altbaumieten seien in Wien viel zu teuer, warnt die AK. Bei ihnen liegt der Quadratmeterpreis mittlerweile bei über 14 Euro. Verantwortlich für die überteuerten Mieten sei vor allem der Bevölkerungszuwachs der letzten Jahre von fast 170.000 Menschen. Dieser hat für Druck am Markt gesorgt, so AK-Wohnexperte Walter Rosifka. „Außerdem werden viele Wohnungen in Wien zusammengelegt oder abgerissen. Die Wohnungen, die leer stehen, sind dabei viel zu teuer, die kann man sich nicht einmal als Wohngemeinschaft leisten.”

Wien braucht mehr Wohnungen

Eine weiteres Problem bei der Wohnungssuche stellen neben den hohen Mieten zudem befristete Mietverträge dar, die meist auf eine regelmäßige Mieterhöhung nach Vertragsende hinauslaufen: 41 der Mietverträge in Altbauwohnungen waren laut Untersuchung der AK befristet, bei den privaten Neubauwohnungen waren es fast 60 Prozent. „Wenn der Vertrag abläuft, muss sich der Mieter oft zwischen Auszug oder oder einer höheren Miete entscheiden. Viele Vermieter wissen, dass sich die meisten Mieter die Umzugskosten nicht antun wollen und lieber eine Mieterhöhung in Kauf nehmen.“ Junge Menschen geraten hier oft in die Falle, weil sie nicht ausreichend informiert und Mietverträge meist unverständlich formuliert sind, so Rosifka.

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Außerdem wissen viele nicht vom kostengünstigen Wohnangebot der Stadt Wien: „Manche haben noch nicht erfahren, dass es neben Genossenschaftswohnungen auch andere Arten des Sozialen Wohnens gibt. Neben Förderungen für Wohngemeinschaften existieren etwa auch Lehrlingsaktionen und kostengünstige Wohnungen wie beispielsweise SMART-Wohnungen”, heißt es aus dem Büro von Michael Ludwig, Stadtrat für Wohnen, Wohnbau und Stadterneuerung. Das Soziale Wohnen in Wien erfreut sich immer größerer Beliebtheit: Mittlerweile leben 37 Prozent der Wiener in Genossenschafts- und Gemeindebauwohnungen. Im Frühjahr gab die Stadt Wien bekannt, zukünftig noch mehr Gemeindewohnungen bauen zu wollen. Ein Budget von 25 Millionen Euro wurde dafür eingeplant. Stadtrat Ludwig sieht darin einen Lösungsweg raus aus der angespannten Lage am Wohnungsmarkt: „Es braucht vor allem mehr Wohnungen und wir gehen davon aus, dass der Wohnbedarf mit den neuen Bauten gedeckt werden wird.“

Alleine eine verstärkte Wohnbauförderung wird die kritische Situation am Immobilienmarkt aber nicht verbessern können, heißt es von Seiten der AK. Es bedarf es zudem eine dringende Änderung des Mietrechtsgesetzes, um den privaten Markt zu regulieren, ist Rosifka überzeugt: „Von den 50.000 abgeschlossenen Mietverträgen sind 20.000 im privaten Bereich. Hier muss man auch rechtlich ansetzen. Mietzinsbegrenzungen sind in der Praxis wirkungslos, wenn Verstöße folgenlos bleiben – es braucht Strafbestimmungen und ganz klare gesetzliche Regelungen.“

 


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