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Julian Le Play: „Die Arbeit beginnt, wenn du rausfliegst“

08. April 2015 / von / 0 Kommentare

Der Musiker Julian Le Play schreibt einen Hit nach dem anderen. Im Interview erzählt er, wie ihm das gelingt und warum er nicht am Song Contest teilnehmen würde.

INTERVIEW: DINO ŠOŠE | FOTOS: MICHAEL MAZOHL

WV: Ich habe gestern drei Mal deinen Song im Radio gehört. Ich nehme an, es läuft gerade alles bestens bei dir?

JULIAN LE PLAY: Du Armer (lacht). Zurzeit läuft alles ganz gut. Als das erste Album rauskam, hatte ich eine Single im Radio und mittlerweile sind es schon drei. Das ist echt ein super Gefühl.

WV: Wolltest du schon immer Sänger werden, oder waren auch mal Astronaut und Feuerwehrmann im Spiel?

JULIAN: Nein! Ich wollte schon immer Sänger werden. Mit fünf Jahren schon habe ich allen erzählt, dass ich Popstar werden will. Mit 15 bin ich dann zu „Sänger und Songschreiber“ gewechselt, aber singen wollte ich schon immer.

WV: Warum eigentlich Le Play? Ist Heidrich nicht sexy genug?

JULIAN: Der Heidrich selbst schon, aber der Name leider nicht (lacht). Es geht eigentlich eher weniger um meinen bürgerlichen Namen, vielmehr will ich in meiner Musik eine bestimmte Seite von mir zeigen. Der Name ist ein Wiedererkennungsmerkmal oder eine Maske.

WV: Deinen Künstlernamen hast du vom französischen Sozialtheoretiker Le Play übernommen. Wo ist die Verbindung?

JULIAN: Ich habe auf der Uni Wien Politikwissenschaften studiert. Mit 19 war ich auf der Suche nach einem Künstlernamen. Frédéric le Play bin ich erstmals in einer Vorlesung begegnet und sein Name hat mir gut gefallen, also habe ich „le Play“ an meinen Vornamen angehängt.

WV: Nervt es dich eigentlich, wenn du als Schmusesänger bezeichnet wirst?

JULIAN: (lacht) Das ist so ein geflügeltes Wort. Journalisten verwenden für mich gerne Begriffe wie „Schmusesänger“ oder „Typ von nebenan“. Das Wahre daran ist, dass ich mit jedem auf einer Augenhöhe spreche und jedem so begegne, als wäre er mein Nachbar.

WV: Du spielst Gitarre und Klavier. Wie schreibst du deine Songs?

JULIAN: Grundsätzlich schreibe ich meine Songs mit dem Klavier. Meistens braucht es nur die Musik in einem Film, damit die Inspiration einschlägt. Das Stück komponiere ich dann für mich und spiele lange am Klavier herum, bis etwas Spannendes entstanden ist. Das nehme ich dann auf, loope es zehn Minuten lang, überspiele es auf meinen iPod und gehe raus damit. Der Text selbst entsteht immer später, draußen beim Spazieren oder in netten Cafés. Aber in den meisten Fällen ist das nicht in Wien. Wer hätte das gedacht? Die Melodie entsteht in einem geschlossen Raum, aber für den Text muss ich raus gehen. Meine schönsten Texte sind dort entstanden, wo gefühlte tausend Menschen um mich herum gesessen sind und ich, mit meinen Kopfhörern, alles ausgeblendet und wild darauf los geschrieben habe.

WV: Mit 17 Jahren bist du in Australien durch Bars getourt und hast auf Englisch gesungen. Wie war diese Zeit für dich?

JULIAN: Diese Zeit war sensationell, die beste Zeit in meiner Jugend. Da habe ich festgestellt, dass Musik einen Moment oder ein Erlebnis am besten festhalten kann. Manche schießen gerne Fotos oder schreiben Geschichten, doch keines von beiden hält einen Moment so exakt fest wie ein Lied. Jeder kennt dieses typische Urlaubsfoto mit dem Sonnenuntergang. In dem Moment ist es wunderschön und die Stimmung ist genial, doch am nächsten Tag, wenn man sich das Bild wieder anschaut, ist die Stimmung verflogen und man kann sich nicht mehr genau erinnern, wie es war. Man kann auch versuchen den Sonnenuntergang zu beschreiben, doch auch das ist nicht wirklich zufriedenstellend. Ein Text in Kombination mit einer Melodie hält den Moment einfach perfekt fest.

WV: In Rovinj, Istrien, hast du die Songs zu deinem zweiten Album „Melodrom“ eher „nebenbei“ verfasst. Warst du dort so inspiriert, dass du sie so schnell aufs Papier bringen konntest?

JULIAN: Wenn man zur richtigen Zeit dort ist, also im Frühling, dann hat der Ort etwas Magisches und man fühlt sich schnell als Teil davon. In der Hochsaison nicht. Dann ist man nämlich nur einer der Touristen. Als ich im Februar einen Monat dort war, habe ich mich schnell dazugehörig und willkommen gefühlt. Ich bin auch in ganz Istrien herumgefahren. Wenn man die Augen offen hält, entdeckt man dort fantastische Dinge.

WV: Du hast gerade den Amadeus Award bekommen. Wie wichtig ist das für dich?

JULIAN: Der Amadeus ist ein Publikumspreis. Ein Preis, wo sich meine Fans für mich ins Zeug geworfen und abgestimmt haben, daher ist er schon sehr wichtig für mich. Wenn sich allerdings ein Jury-Team bestehend aus fünf Musikkritikern zusammensetzt und darüber diskutiert, wie gut ein Künstler ist, dann wäre der Preis nicht so wichtig. Dass sich aber meine Fans die Mühe machen und für mich abstimmen, ist wirklich sehr schön.

WV: Du hast selbst an mehreren Castingshows teilgenommen. Denkst du, dass Castingformate die Musikbranche idealisieren?

JULIAN: Man darf nicht vergessen: man geht zu einem Casting und man geht zu einer Show. Es heißt schließlich nicht „Casting-Musiktalent-Förderungswettbewerb“. Ich bin hingegangen und habe von Anfang an gewusst, worum es geht, nämlich nicht darum, seine Karriere dort langfristig voranzutreiben, sondern erstmal für zwei bis drei Monate gute Quoten für den Fernsehsender zu generieren. Ich muss sagen, dass ich bisher wenig schlechte Erfahrungen in der Musikbranche gemacht habe. Ich habe in der Castingshow auch mein Team, den Produzenten und das Plattenlabel kennengelernt. Ein ganz bestimmter Satz hat mich zu dieser Zeit geprägt. Christina Stürmer, mein damaliger Coach in der Show, hat mir gesagt: „Die Arbeit beginnt, wenn du rausfliegst. Das was jetzt gerade passiert, jeden Freitagabend einen Fernsehauftritt, genau das wünscht sich jeder Künstler.“

WV: Deine Expertenmeinung als ehemaliger Ö3-Moderator: Woran liegt es, dass so wenig Musik von österreichischen KünstlerInnen im Radio gespielt wird?

JULIAN: Das Potenzial wäre da. Man sollte mutiger sein und Lieder reinnehmen, die etwas anders sind. Ich glaube kaum, dass das eine große Gefahr für den Radiosender darstellt.

WV: Würdest du gerne beim Songcontest auftreten?

JULIAN: Ich wurde zwar gefragt, habe aber aus zwei Gründen abgelehnt. Der wichtigste Grund ist, dass man Musik nicht mit Punkten bewerten kann. Ich gebe etwas ganz Persönliches von mir preis, daher möchte ich mich nicht vor eine Jury stellen. Der zweite Grund ist, dass ich mit meiner Musik auf etwas Langfristiges hinarbeiten und eine gewisse Glaubwürdigkeit aufbauen möchte. Song Contest schreit für mich nach „in der Sekunde“. So schnell, wie du kommst, so schnell bist du auch wieder weg und sowas möchte ich eben nicht.

WV: Bist du ein Melancholiker?

JULIAN: Ja, bin ich. Ich glaube aber jeder Mensch ist bis zu einem gewissen Grad Melancholiker. Die Frage ist, ob man solche Momente zulässt oder nicht. Ich persönlich lasse sie gerne zu. Andere sagen da eher „Nein, jetzt nicht“ und fahren dann in den Prater.

WV: Was ist dein aktueller Lieblingssong, der nicht von dir ist?

JULIAN: Der Song „Hold Back the River“ von James Bay gefällt mir momentan sehr gut.

WV: Zum Schluss eine blöde Frage: Wie sehen deine weiteren Pläne aus?

JULIAN: Das ist überhaupt keine blöde Frage. Vorerst möchte ich sehr viel live spielen. Ich habe vor mit meinem Album „Melodrom“ auf Open Air Konzerten im Mai, Juni und Juli zu spielen. Seit ein, zwei Monaten bin ich auch sehr stark am Schreiben. Ich möchte das nächste Album rausbringen, mich weiterentwickeln und weitermachen. Ich bringe aber nur dann ein Album heraus, wenn ich etwas zu sagen habe. Vielleicht dauert es auch etwas länger, bis eine neue Platte zustande kommt. Mal schauen, wo es mich musikalisch hintreibt.

WV: Sind wir fertig oder willst du mich noch etwas fragen?

JULIAN: (lacht) Hast du Musikzugang?

WV: Ja, ich spiele Gitarre und Klavier.

JULIAN: Schreibst du auch?

WV: Ja, ich schreibe auch selbst, auch auf Kroatisch.

JULIAN: Kennst du Rovinj?

WV: Rovinj kenne ich, war aber selbst noch nicht dort.

JULIAN: Schöne Stadt (lacht).

Zur Person

Julian Heidrich wurde 1991 in Wien geboren. Er stand bereits in jungen Jahren auf der Bühne. Er nahm unter anderem am „Kiddy Contest“ und der ORF-Show „Helden von morgen“ teil.

4 Antworten ohne Worte

Wie siehst du auf einem „Rollercoaster“ aus?

Was ist deine größte Stärke?

Kann jemand wie du überhaupt böse schauen?

Wie beschreibst du deine Musik ohne Worte? 


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