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Judit Havasi: “Internationalität ist explizit erwünscht”

10. November 2014 / von / 0 Kommentare

WIENER VIELFALT traf Judit Havasi, Generaldirektor-Stellvertreterin bei der Wiener Städtischen, und sprach mit ihr über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie Internationalität in ihrem Job und ihrem Privatleben.

Frau Havasi, Sie kommen ursprünglich aus Ungarn. In einem Zeitungsinterview haben Sie einmal gesagt, dass Ihnen Ihr Migrationshintergrund nie nachteilig war, weil 'die Österreicher Ungarn mögen'. Wie äußert sich das?.

HAVASI: Ja, das stimmt. Das ist sicher noch ein Erbe aus der alten Monarchie, in Wien ist das besonders ausgeprägt, hier sind die Menschen den Ungarn gegenüber in der Regel sehr freundlich gesinnt.

Sie sind in Ungarn zur Schule gegangen, Ihr älterer Sohn geht auf eine öffentliche Schule in Wien. Was fällt Ihnen auf, wenn Sie die beiden Systeme vergleichen?

HAVASI: Nach dem Besuch einer Dorfschule – bei uns im Ort gab es nur die eine, da fiel die Wahl nicht schwer – habe ich ein zweisprachiges Gymnasium an der Grenze zu Österreich besucht, wo wir auch nach den österreichischen Lehrplänen unterrichtet wurden. Deshalb kann ich jetzt schwer einen Vergleich ziehen.

Erziehen Sie Ihre Kinder auch zweisprachig?

HAVASI: Ja, zu Hause sprechen wir Ungarisch. Schwieriger ist in Familien, in denen die Eltern unterschiedliche Sprachen sprechen, da muss man sich darauf einigen, welche Sprache daheim gesprochen wird.

Wie wird Diversität in puncto kulturelle Vielfalt bei der Wiener Städtischen gelebt?

HAVASI: Mit der Ende der neunziger Jahre zunehmenden Internationalisierung der Wiener Städtischen wurde dieses Thema immer präsenter. Allein im Stammbetrieb haben circa 20 Prozent unserer KollegInnen Migrationshintergrund. Viele unserer Kunden werden von uns in ihrer Muttersprache betreut, ebenso haben wir viele Unterlagen in türkisch und serbokroatisch, teilweise auch in ungarisch. Das wird bei uns als Selbstverständlichkeit angesehen.

In Österreich haben über 1,5 Millionen Menschen Migrationshintergrund, also auch um die 20 Prozent. Dennoch gestaltet sich für diese Menschen die Jobsuche erwiesenermaßen schwieriger. Wie unterscheidet sich da die Wıener Städtische?

HAVASI: Internationalität ist bei uns explizit gewünscht, es ist zum Beispiel von Vorteil, wenn man mehrere Sprachen spricht.

Themenwechsel: Familie und Karriere. Sie selbst haben zwei Kinder. Wie gelingt es Ihnen, diese beiden Sphären zu vereinbaren? Werden Sie als Frau auch mit Vorurteilen konfrontiert?

HAVASI: Im Vergleich zu früher hat sich doch einiges verändert, die Akzeptanz ist gestiegen, es gibt bessere Betreuungsmöglichkeiten, auch wenn es noch einiges zu verbessern gibt, vor allem in den Bundesländern. Mir persönlich kommt zusätzlich noch das Angebot der Wiener Städtischen entgegen – vor kurzem feierte unser Betriebskindergarten sein vierzigjähriges Jubiläum, in den auch mein jüngster Sohn geht.

Was würden Sie jungen Frauen raten, die Karriere machen wollen, ohne deshalb auf Kinder verzichten?

HAVASI: Meine Erfahrung bestätigt mich darin, dass der ehrliche Weg immer auch der beste ist. Soll heißen: Wenn man zu dem Punkt gelangt, an dem man eine Familie gründen will, sollte man das im Unternehmen kommunzieren. Was nicht bedeutet, dass jeder davon erfahren muss, aber man sollte zumindest mit denjenigen sprechen, von denen man weiß, dass es sie betreffen wird, wenn man beispielsweise eine Zeit lang ausfällt.

Zur Person

Dr. Judit Havasi ist seit dem Jahr 2000 im Konzern der Vienna Insurance Group tätig. Sie begann in der UNION Biztosító als Mitarbeiterin der Innenrevison, die sie ab 2003 leitete. Vor ihrer Berufung 2009 in den Vorstand der Wiener Städtische Versicherung AG gehörte Dr. Havasi dem Vorstandsausschuss Wiener Städtische Österreich in der Vienna Insurance Group an und fungierte als Vorstandsmitglied der UNION Biztosító in Ungarn. Seit 2013 ist Dr. Havasi Generaldirektor- Stellvertreterin der Wiener Städtischen Versicherung.

 


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