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Integrationsindex: Österreich erzielt schlechte Ergebnisse

30. April 2015 / von / 0 Kommentare

Österreich integriert MigrantInnen aus Nicht-EU-Staaten nicht gut genug – das ist das Ergebnis des Migrant Integration Policy Index (MIPEX), das am 30. April präsentiert wurde. Das Land landet auf Platz 20 von 38 verglichenen Ländern.

“Österreich ist eine der politisch ausschließendsten Demokratien, mit einer großen Anzahl an entrechteten Nicht-EU-BürgerInnen und einer der restriktivsten Einbürgerungspolitiken” – dieses Urteil fällt Thomas Huddleston, Experte der Migration Policy Group, anlässlich der Präsentation des Migrant Integration Policy Index (MIPEX) für Österreich. Der Index vergleicht 38 Länder hinsichtlich ihrer Integrationspolitik. Österreich rangiert mit Platz 20 von 38 wiederholt auf den hinteren Rängen. Insgesamt erreicht das Land nur 50 von 100 möglichen MIPEX-Punkten. Verglichen mit den anderen untersuchten westlichen Demokratien, ist das der zweitschlechteste Wert – vor der Schweiz und weit hinter Deutschland.

GesamtQuelle: MIPEX

Letzter Platz bei Zugang zu Staatsbürgerschaft

“Integration bedeutet, Menschen partizipieren zu lassen”, so Huddleston weiter. Im internationalen Vergleich schneidet Österreich bei der politischen Partizipation von Nicht-EU-BürgerInnen mit nur 38 erreichten Prozentpunkten jedoch äußerst schlecht ab. Vor allem lange hier lebende Nicht-EU-BürgerInnen und die wachsende Zweite Generation werden von politischer Mitbestimmung ausgeschlossen, so der Experte.

Die Inklusion der Zweiten Generation von MigrantInnen scheitere am restriktiven Staatsbürgerschaftsgesetz, andererseits sei Österreich als eines von sehr wenigen Ländern gegen die Anerkennung von Doppelstaatsbürgerschaften. “Diese Kombination von unrealistischen Erwartungen und mangelnder Unterstützung führt dazu, dass viele Anwärter scheitern”, sagt Huddleston. Österreich hat im Vergleich mit allen anderen westlichen EU-Staaten die niedrigste Einbürgerungsrate und erreicht in der Kategorie “Zugang zur Staatsbürgerschaft” gerade einmal Platz 34. “Der Weg zur österreichischen Staatsbürgerschaft ist einer der längsten, mühsamsten und teuersten”, sagt Experte Huddleston.

Bei Familienzusammenführungen von Nicht-EU-Familien befindet sich Österreich mit Platz 31 besonders weit hinten. “Diese restriktive Politik führt dazu, dass die kleine Anzahl transnationaler Familien in Österreich auseinander leben müssen”, meint Thomas Huddleston. Vor allem die Deutschkurse, die bereits vor Einreise absolviert werden müssen, seien eine große Hürde – denn diese sind oft unzugänglich und teuer. “Es wäre besser, im Land selbst kostenlose Sprachkurse anzubieten, wie es viele andere machen. Oder auch 1-Euro-Deutschkurse, wie es in Deutschland üblich ist”, empfiehlt der Experte.

Pluspunkte bei Arbeitsmarkt und Anti-Diskriminierung

Seit 2007 hat Österreich dennoch um 8 Punkte aufgeholt. Das liege an der gestiegenen Arbeitsmarktmobilität und neuen Anti-Diskriminierungs-Regelungen. Doch auch am Arbeitsmarkt gibt es Baustellen: so müsse der Anteil von MigrantInnen im öffentlichen Dienst deutlich erhöht werden, ausländische Abschlüsse sollten leichter anerkannt und Nicht-EU-BürgerInnen aktiv gefördert werden. Denn nur 12 Prozent befinden sich in Ausbildungsmaßnahmen. Dadurch, dass viele unter ihrer Qualifikation arbeiten, komme es zu einem “brain waste”.

Obwohl die Anti-Diskriminierungsarbeit fortgeschritten ist – nach EU-Vorgaben – sind die ÖsterreicherInnen über ihre Rechte EU-weit am schlechtesten informiert (21 Prozent).

Die Ergebnisse im Überblick:

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Foto: © MIPEX

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