Integrations- und Diversitätsmonitor: Stadt Wien stellt sich und ihre Integrationsarbeit auf den Prüfstand

Integrationsmonitor: Die Hälfte der WienerInnen hat Migrationshintergrund

14. November 2014 / von / 0 Kommentare

Gestern wurde der dritte Wiener Integrations- und Diversitätsmonitor präsentiert. Für Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) ist er ein „Routenplaner am Weg in Richtung Inklusionspolitik“.

Das umfangreiche Werk sammelt Statistiken zum Thema Integration und Diversität. Denn laut Sandra Frauenberger (SPÖ), Stadträtin für Integration, Frauenfragen, Konsumentenschutz und Personal, gibt es „kaum Debatten, die emotionaler geführt werden als die rund um Integration.“ Der Monitor würde dabei zur Versachlichung der Debatte beitragen.

49 Prozent der WienerInnen haben Migrationshintergrund, wurden also selbst im Ausland geboren oder haben mindestens ein Elternteil, das nicht aus Österreich ist. „Wir müssen uns davon verabschieden, dass sich eine Gruppe in die andere integriert“, so Frauenberger. „Der nächste Schritt lautet Inklusion“.

Nachholbedarf bei Anerkennung der Bildungsabschlüsse

Viele MigrantInnen kommen bereits mit Abschlüssen nach Österreich: über 50 Prozent der seit Mitte der 1990er-Jahre Zugewanderten haben einen Maturaabschluss aus dem Ausland mitgebracht. Doch dieser schütze nicht vor Dequalifikation, so der Monitor.

Frauenberger ortet im Bereich der fehlenden Anerkennung mitgebrachter Bildungsabschlüsse klar Diskriminierung: „Das ist ein Missstand, der behoben werden muss“, sagt sie. Derzeit arbeiten 34 Prozent der Beschäftigten mit höherer Bildung und Abschlüssen aus Drittstaaten in Hilfs- und Anlerntätigkeiten. Am stärksten betroffen sind Frauen.

Haushalte aus Drittstaaten verdienen am wenigsten

Die Schere zwischen Arm und Reich ist größer geworden. MigrantInnen sind davon besonders stark betroffen. Auch wenn sie entsprechend ihrer Qualifikationen angestellt werden, verdienen sie weniger als ÖsterreicherInnen.

Das Haushaltsjahreseinkommen beträgt bei Menschen aus Drittstaaten 15.000 Euro. 18.000 Euro verdienen durchschnittlich jene, die aus den neuen EU-Staaten kommen. 23.000 sind es bei Haushalten ohne Migrationsbezug und 24.000 Euro bei jenen aus den Ländern der EU-15.

Auch beim Wahlrecht gibt es Baustellen. Nach wie vor dürfen 24 Prozent der wahlfähigen WienerInnen aufgrund ihrer ausländischen Staatsangehörigkeit nicht wählen gehen. 

Erstmals Zahlen zu MitarbeiterInnen der Stadt Wien

Beim 3. Wiener Integrations- und Diversitätsmonitor wurde erstmals auch nach der Herkunft der Stadt-Wien-MitarbeiterInnen gefragt. Rund ein Viertel (24,5 Prozent) der Magistratsbediensteten mit einem Hauptwohnsitz in Wien wurde im Ausland geboren. Davon kommen 17,1 Prozent aus Drittstaaten und der Rest aus der EU.

Rechnet man jedoch die MitarbeiterInnen des Krankenanstaltenverbundes (KAV) heraus, sind es nur noch 15,1 Prozent. Im KAV haben 34,8 Prozent der MitarbeiterInnen eine ausländische Herkunft. Je höher man in der Hierarche aufsteigt, desto weniger MigrantInnen sind dort beschäftigt – auf Führungsebene sind es nur noch zwischen 2,4 und 7,1 Prozent.

Der größte Teil der nicht-österreichischen Magistratsbediensteten kommt aus Serbien (5,4%), es folgen Polen (2,3%), Türkei (2%), Bosnien und Herzegowina (1,8%) und Deutschland (1,7%).

Mehr als nur „stolz drauf“

Die von Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP) gestartete „stolzdrauf“-Kampagne, bei der ÖsterreicherInnen mit und ohne Migrationshintergrund zeigen sollen, worauf sie in Österreich stolz sind, stößt bei Stadträtin Frauenberger auf wenig Begeisterung: „Die Frage nach der Inklusion setzt tiefer an als nur die Frage danach, ob und warum jemand stolz auf Österreich ist.“

Theodora Manolakos, Autorin des Integrationsmonitors und Mitarbeiterin der MA 17 für Integration und Diversität, sagt zu der Kampagne: „Wir dürfen nicht nur auf die ,Leistung’ der Zugewanderten schauen, sondern müssen uns auch die Leistung der Politik ansehen.“ Sie sieht vor allem die Verwaltung gefordert, da die Zuwanderungsgründe vielfältiger und die Ansprüche der MigrantInnen höher werden. Bei einer Nettozuwanderung von 90.000 Menschen pro Jahr müsse laut Manolakos klar sein: „Wien ist und bleibt eine Einwanderungsstadt.“

Foto: © Kromus / PID


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