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Guter Stil überdauert Trends

18. Januar 2016 / von / 0 Kommentare

Modedesignerin Lena Hoschek im Gespräch mit Tatjana Pantelić über Fifties, Fast-Fashion und die sinnliche Selbst-Ironie.

Foto: Hilde Van Mas

WV: 10 Jahre Lena Hoschek – Wie fühlt sich das an?

LENA: Es fühlt sich großartig an! Ich bin stolz darauf, wie sich das Label seit der Gründung 2005 entwickelt hat. Ich war damals erst 24 Jahre alt, wusste aber schon immer, dass ich selbstständig sein wollte. Und bis heute fühle ich mich sehr gut damit, weil ich mein Arbeits- und Privatleben stets in Balance halte. Wäre dem nicht so, könnte ich meinen Erfolg der letzten zehn Jahre auch gar nicht genießen. Am meisten stolz macht mich jedoch die Tatsache, dass ich meine Designs noch immer gänzlich in Europa produzieren lasse und mittlerweile mehr als dreißig Angestellte beschäftige.

WV: Wenn man an Lena Hoschek denkt, denkt man an Rockabilly und die Fifties. Was ist für dich das Inspirierende an dieser Zeit?

LENA: Ich liebe es, die „guten alten Dinge“ wieder aufleben zu lassen. Mit viel Charme, Witz und Weiblichkeit und bereits bevor Begriffe wie Boho-Chic und Vintage-Style inflationär benutzt wurden. Mich inspirierte schon immer die Musik, das gesellschaftliche Bild und die Frau der 50er und 60er Jahre. In Städten wie New York gab es einen gesellschaftlichen Umbruch. Frauen emanzipierten sich. Der Fifities-Look ist außerdem mit seinen weit schwingenden Röcken, taillenbetonenden Bustiers und Kleidern mit Sanduhr-Silhouette außerordentlich schmeichelhaft, denn sie stehen auch bzw. vor allem Frauen wie mir – mit Busen und Po.

WV: Du plädierst für mehr Weiblichkeit durch deine Designs. Sind Frauen heutzutage zu wenig weiblich? Was unterscheidet die Weiblichkeit der 40er und 50er Jahre von der heutigen?

LENA: Ich liebe die durchgestylten Frauen der 50er Jahre, die mit Hüftschwung durchs Leben stolzierten. Heute dreht sich viel nur um die Frage: „Sehe ich wohl schlank aus?“. Der Stil der Frauen der 40er und 50er Jahre war hingegen sexy, sinnlich, aber auch selbst-ironisch. Sophia Loren verkörperte diesen Sexappeal mit Augenzwinkern perfekt. Man darf eben nicht alles immer so ernst nehmen.

WV: Was soll deine Mode vermitteln?

LENA: Ich möchte der Mode wieder mehr Leben einhauchen und Entwürfe erschaffen, die Spaß machen und die weiblichen Vorzüge perfekt unterstreichen bzw. gekonnt hervorheben, anstatt zu kaschieren. Ich bin eine Verfechterin der Weiblichkeit, denn ich fühle mich selbst auch als sehr weibliche Persönlichkeit. Ich liebe es, Frau zu sein und rücke daher auch in meinen Entwürfen Weiblichkeit gerne bewusst in den Fokus.

WV: Mit 24 Jahren hast du in Graz dein erstes eigenes Atelier eröffnet. Wie schwer ist dir der Sprung in die Selbstständigkeit gefallen?

LENA: Um ehrlich zu sein ist es mir gar nicht schwer gefallen, weil ich schon immer das Gefühl hatte, mein eigener Chef sein zu wollen. Ich dachte, wenn ich für wenig Geld für andere arbeiten kann, kann ich ebensogut für wenig Geld für mich selbst arbeiten. Ich war bis zu diesem Zeitpunkt auch noch nie irgendwo angestellt. Irgendwie schien das nicht der richtige Weg für mich zu sein.

WV: Du möchtest nicht als Designerin bezeichnet werden, vielmehr siehst du dich als Kleidermacherin. Worin liegen hier für dich die zentralen Unterschiede?

LENA: Als Kleidermacherin liegt mir vor allem das traditionelle Handwerk am Herzen. Essentiell hierfür: meine unbändige Liebe zum Detail. Ich lege stets größten Wert auf die Innenverarbeitung, die Verpackung und die kleinen, feinen Dinge. Eine Eigenschaft, die ich mir als leidenschaftliche Sammlerin von Knöpfen, Bändern und Stoffen bis heute bewahrt habe und die auch in jeder meiner Kollektionen maßgeblich niederschlägt.

WV: Trägst du auch Kleidung von großen Ketten wie H&M oder Zara? Was hältst du von billiger Fast-Fashion?

LENA: Nein, ich trage eigentlich ausschließlich meine eigenen Entwürfe. Ich habe Lena Hoschek ja auch aus dem Grund gegründet, weil die Mode, die ich tragen wollte in der Form nicht erhältlich war. Heute gibt es schon viel mehr Auswahl Vintage inspirierter Mode. Von billiger Fast Fashion halte ich nichts, denn mir ist Nachhaltigkeit ein großes Anliegen. Europäische Produktionsstätten und Kleinbetriebe sollen durch eine verantwortungsbewusste Produktion auch in Zeiten von Fast Fashion gefördert und Arbeitsplätze geschaffen bzw. bewahrt werden. Dass eine Produktion in Europa nicht zu Billigstpreisen möglich ist, muss dem Konsument bewusst sein oder bewusst gemacht werden. Ein Shirt unter 10€ muss schließlich genauso Material, Lohnkosten und Produktion abdecken. Das hier massiv an Qualität gespart wird und langfristig kein Dienst an Umwelt und Gesellschaft geleistet wird, ist eine einfache Rechnung.

WV: Was macht einen guten Stil aus?

LENA: Guter Stil überdauert Trends. Es geht dabei mehr um Persönlichkeit als um Modebewusstsein und er muss nicht immer den aktuellen Strömungen und Veränderungen in der Mode unterworfen sein.

 


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