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Großstadtmädchen über Wien und seine Vorzüge

13. April 2015 / von / 0 Kommentare

Großstadtmädchen – Wie der Name schon sagt, atme ich die Großstadt ein und nehme alles auf, was eine Stadt am Puls der Zeit zu bieten hat. Hinter jeder Ecke lauert eine neue Versuchung und „Versuchungen sollte man nachgeben. Wer weiß, ob sie wiederkommen!“. So sinnierte auch schon Oscar Wilde über die Welt und all ihre versteckten Reize. Und davon gibt es in der l(i)ebenswertesten Stadt der Welt mehr als genug. So wandere ich als Großstadtmädchen durch Wien auf der Suche nach neuen Orten, Lokalen und Events. Jeden Tag gibt es hier etwas Neues zu entdecken. Müßiggängerin durch und durch.

Diese Kolumne erweckt den Anschein als sei mein Leben eine endlose Parade an Glitzeroutfits und schillernden Partys, aber ich gebe offen und ehrlich zu, dass es nicht stimmt. Zumindest nicht ganz. Ich bin eine Müßiggängerin. Ich liebe das Nichtstun oder wie die Italiener es so schön formulieren „Il dolce far niente“. So befand ich mich auch letztens in einer solchen Verfassung des Nichtstuns. Bei Wind und Kälte daheim bleiben und sich einen Film nach dem anderen reinziehen klingt doch um einiges besser als von Bar zu Bar zu hopsen. Doch wer meine Freunde kennt, weiß, dass faule Ausreden nichts gegen ihre Überredungskünste und emotionalen Erpressungsfähigkeiten anrichten können.

Nach gefühlten Tausend „Nein, heute habe ich keine Lust“, beschloss ich einfach, mich fertig zu machen und sie in der Pergola Bar im Hotel im Zeitgeist zu treffen. Ich bin zuvor nie in der Bar gewesen, da sie auch erst kürzlich am neuen Wiener Hauptbahnhof eröffnet hat und muss gestehen, dass ich wirklich erstaunt war. Mehr als nur eine 08/15 Hotelbar bildet das Pergola den perfekten Lieblingsplatz für Müßiggänger wie mich, denn hier trifft Restaurant auf Café auf Bar. Wer will schon nach dem Verzehr eines Pergola Burger (übrigens super lecker und groß für nur 12,50€!) aufstehen und in ein anderes Lokal ziehen. Ich bleibe lieber sitzen, bis mich das Personal „verscheucht“, indem sie ununterbrochen fragen „Darf es sonst noch etwas sein?“. Die Kellner waren nicht nur sehr freundlich sondern auch hilfsbereit, daher ist das Pergola für Menschen wie mich wie gemacht! Jung, urban, am Puls der Zeit, aber zum Teil auch ein bisschen verschlafen. Vor Ort ist das Publikum bunt durchmischt genau wie die Inneneinrichtung. In einer Ecke steht ein Wirtshaustisch, der Lieblingsplatz aller Studenten. Die Galerie hingegen bietet mit ihrem Lounge-Feeling den perfekten Platz für After-Work-Cocktails.

Übrigens kommt der Name „Pergola“ aus dem Italienischen und stellt eine von Säulen getragene Überdachung dar, die mit Kletterpflanzen bedeckt ist. Ungefähr so kann man sich die Bar auch vorstellen. Überall treffen Holzelemente auf nackten Beton und ein paar fröhliche Farbtupfer runden die Einrichtung perfekt ab. Meine Freunde und ich saßen auf dem von bunten Kissen überladenen Ledersofa in der Ecke unter der Galerie. Es war so gemütlich dort, dass ich gar nicht mehr aufstehen wollte. Doch wie erwartet blieben wir nicht die halbe Nacht dort sitzen, denn meine Freunde hatten andere Pläne. Bei Minusgraden machten wir uns auf den Weg zur alten Anker-Expedithalle, wo an dem Abend ein Riesenevent stattfinden sollte.

Großstadtfeeling mit Burlesque-Show

Seit geraumer Zeit schleicht in Wien ein neues Phänomen herum. Der Mondscheinbazar. Und ich muss an dieser Stelle kurz einlegen: Was für ein Phänomen! Die Warteschlange zum Eingangsbereich erstreckte sich bis zum nächsten Häuserblock. Einerseits war ich genervt meinen warmen Platz zuhause gegen stundenlanges Anstehen in der Kälte eingetauscht zu haben, andererseits siegte meine Neugier. Dass der Mondscheinbazar ein Flohmarkt ist, wusste ich schon im Vorhinein. Doch was mich faszinierte, war die Menschenmenge. Entweder machte jemand seine PR-Arbeit ziemlich gut oder wir befanden uns in der Warteschlange zum Wunderland. In Wien gibt es fast jede Woche einen Hipster- oder Bloggerflohmarkt.

Was war also so besonders an diesem, dass so viele Menschen freiwillig aus ihren Löchern gekrochen kamen? Nach dem Betreten der heiligen Hallen lag die Antwort klar auf der Hand. Wo sonst haben Sammler und Künstler die Möglichkeit zu kaufen und verkaufen und gleichzeitig eine Burlesque-Show und live Bands anzuschauen? Den Mondscheinbazar zu beschreiben, ist wie Alice dabei zuzuhören, wie sie von ihrer Reise ins Wunderland erzählt. Es gibt dort so viel zu entdecken. Von alltäglicher Kleidung bis zu Einzelstücken aus Omas Dachboden. Von längst vergessenen Schallplatten bis zu Kunstwerken von jungen Wiener Ausstellern. Cupcakes gibt es natürlich auch!

Ich glaube, ich habe noch nie so viel Zeit auf einem Flohmarkt verbracht. Normalerweise wandere ich einmal durch, kaufe sogar ein oder zwei Sachen und gehe wieder nach Hause. Doch dieses Mal war ich glatte vier Stunden dort, in denen ich fünf Bücher, eine Vintage Tasche, eine Luftkuss-Kette erstanden und drei Cupcakes gegessen habe. Die live Burlesque-Show habe ich mir auch angeschaut und wurde dank Christina Aguilera in Burlesque nicht enttäuscht. Nach 240 Minuten waren meine Reize überflutet und mein Geldbeutel leer. Ich glaube dieses Spektakel hat mein ursprüngliches „forever-alone“-Abendprogramm – Kekse futtern und Grey’s Anatomy schauen – um Längen getoppt. Den Eintrittspreis von 2€ (die wunderschöne Wiener Vergnügungssteuer) zahle ich immer gerne, wenn mir vor Ort eine derartig aufbereitete Show geboten wird. Am 15. Mai findet der Mondscheinbazar erneut statt und darauf freue ich mich jetzt schon. Welche Überraschung wird es wohl dieses Mal geben?

Bis zum nächsten Mal!


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