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Good bye Auto, hello Öffis!

20. September 2016 / von / 0 Kommentare

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Der Trennungsschmerz hält sich meist in Grenzen, denn das Auto hat als Statussymbol ausgedient, vor allem im urbanen Raum. Dies bestätigen auch aktuelle Studien, denn in Wien gibt es mehr Öffi-Jahreskartenbesitzer als PKW.

Story: Alexandra Laubner, Foto: Michael Mazohl

Zeig mir dein Auto und ich sage dir, wer du bist. Eine Lebensweisheit, die allmählich in der Erinnerungskiste der 1990er Jahre verstaubt und von Jahr zu Jahr immer mehr zu verblassen scheint. „Good bye Auto, hello Öffis“ heißt das neue Mantra im urbanen Raum; sei es aus Kostengründen, aus Bequemlichkeit oder eben aus Überzeugung. Wurde man früher als radikaler Ökofuzzi, als finanzschwacher Looser oder als Sonderling abgestempelt, wenn man kopfschüttelnd auf die Frage „Und was fährst du?“ geantwortet hat, ist es heute salonfähig, wenn man sich dazu entscheidet, mit seinem Auto Schluss zu machen.

Auch Nina Romana Mair hat mit dem Umzug von Mödling nach Wien ihrem Auto „Good bye“ gesagt. „Ich habe damals vor zwei Jahren nicht lange darüber nachgedacht. Es war klar, dass wenn ich nach Wien ziehe, ich mein Auto verkaufen werde. Wir wollten uns lieber eine teurere Wohnung leisten als Geld für ein Auto auszugeben“, erzählt die Grafikerin und Neugeborenen-Fotografin. In der Stadt sei es kein Problem, auf die Öffis umzusteigen. „Ich muss nicht Parkplatz suchen und ich stecke nicht im Stau.“ Nina Romana Mair fährt täglich mit den Öffis. „Ansonsten gehe ich zu Fuß oder fahre mit dem Rad. Und, wenn es doch mal ein eigener fahrbarer Untersatz auf vier Rädern sein soll, dann heißt es für Nina Romana Mair ab zum nächsten Carsharing-Standort. Und was macht Mair so, wenn sie mit den Öffis fährt? Sie lacht. „Ich schaue mir Snapchat-Storys von anderen Leuten an und ich höre Musik – das sind für mich die absoluten Highlights“, verrät sie. Nina Romana Mair nutzt die Zeit in den Öffis, um vor oder nach ihren beruflichen Terminen ein wenig abzuschalten und sich zu entspannen.

Erstmals mehr Jahreskartenbesitzer als Autos
In Wien gibt es mehr Jahreskartenbesitzer als zugelassene Pkw. Das Match ist zwar knapp, aber geht dann doch mit mehr als 715.000 Jahreskartenbesitzer gegen 683.000 zugelassene Autos an die Öffis. 2007 verhielt es sich noch anders: 620.0000 zugelassene Pkw standen 380.000 Jahresnetzkarten gegenüber. Die Trendwende setzte 2012 ein und ist auf die Tarifänderung zurückzuführen. Damals wurde die Jahreskarte von 449 Euro auf 365 Euro heruntergesetzt. Also umgerechnet heißt das: um nur einen Euro pro Tag kann man das gesamte Öffi-Netz in Wien rund um die Uhr nutzen. Gleichzeitig wird das öffentliche Verkehrsangebot laufend ausgebaut. Die Zahlen sprechen für sich. Mitte Juli wurde in Wien ein neuer Rekordwert geknackt – 715.000 Öffi-Fahrer sind aktuell mit der Jahreskarte unterwegs. 2015 nutzten 939,1 Millionen Fahrgäste die Wiener Linien.

Laut einer Analyse des Verkehrsclub Österreich (VCÖ) gibt es innerhalb Wiens große Mobilitätsunterschiede. „Allen Bezirken gemeinsam ist, dass die Anzahl der Pkw pro 1.000 Einwohner heute niedriger ist als vor zehn Jahren. Autodominiert ist der Stadt-Umland Verkehr“, heißt es. Basierend auf den Daten der Statistik Austria zeigt die Analyse, dass in 16 Bezirken die Zahl der Autos im Vergleich zum Vorjahr gesunken ist. Die Anzahl der Autos pro 1.000 Einwohner ist in allen Bezirken niedriger als vor zehn Jahren, am stärksten war der Rückgang im 9. Bezirk mit einem Minus von 18 Prozent. Und in welchem Bezirk gibt es die geringste Anzahl an Autos? Wir lüften das Geheimnis – und zwar in Rudolfsheim-Fünfhaus mit 280 Pkw pro 1.000 Einwohner, gefolgt von Margareten und der Brigittenau – beide Bezirke weisen einen Wert von 294 Pkw pro 1.000 Einwohner auf. Und wo die meisten? In Liesing – mit 491 Autos pro 1.000 Einwohner. Laut VCÖ sind die Bewohner der Inneren Stadt im Bezirksvergleich die Öffi-Spitzenreiterund im Alltag am wenigsten mit dem Auto unterwegs. Im Bezirk Landstraße wird am meisten zu Fuß gegangen und die Josefstadt und der Alsergrund weisen den höchsten Radverkehrsanteil auf.

Und wer jetzt meint, nur in den flächenmäßig kleineren Bezirken radelt es sich leichter, geht es sich besser zu Fuß und nehmen mehr Leute die Öffis, der irrt. Denn auch in Wiens Flächenbezirken Donaustadt und Floridsdorf setzen die BewohnerInnen großteils auf umweltfreundliche Mobilität. Sie legen 62 Prozent ihrer Alltagswege entweder mit den Öffis, mit dem Fahrrad oder zu Fuß zurück.

Schnell durch die Stadt
Die Beweggründe für Marco di Salvo, Mitbegründer der Agentur und des Desing-Studios „We are brian“, sein Auto vor zehn Jahren zu verkaufen war, „dass es in der Stadt mühsam ist, mit dem Auto zu fahren.“ „Es dauert viel länger, man steckt im Stau und die Wege kann man besser mit dem Rad oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen“. Und aus diesem Grund sei der Frust irgendwann so groß gewesen, dass di Salvo seinem Auto Adé sagte. „Ich fahre viel mit dem Rad und im Winter steige ich auf die Öffis um. Ich fahre aber auch mit dem Auto, ich bin ein Freund von Carsharing und nutze die unterschiedlichen Anbieter“, erzählt er. Ob Marco di Salvo sich je wieder ein Auto zulegen wird, hängt davon ab, wo er einmal wohnen werde. „Wenn ich raus aus der Stadt ziehe, dann wird es unumgänglich sein.“ Bis dahin setzt er auf sein Fahrrad und die Öffis. „Es ist stresslos. Man kommt überall schnell hin, man muss sich um nichts kümmern und steckt nicht im Stau. Es hilft mir, mich schnell in der Stadt zu bewegen. „Die ganze Raunzerei über die Öffis verstehe ich nicht“, meint di Salvo.

Auch für Fatma Ergün lebt es sich hervorragend ohne Auto, wie sie erzählt – und das seit mehr als neun Jahren. „Ich musste in meinem früheren Job hin und wieder nach Niederösterreich fahren. Durch meinen Jobwechsel in einen fixen Salon innerhalb Wiens war das Auto eine Belastung, auch finanziell gesehen“, erzählt die 39-jährige Wienerin, die als Friseurin arbeitet. „Ich habe das Auto maximal zweimal im Monat gebraucht, und wusste auch oft nicht mehr, wo ich geparkt habe. Manchmal war es ein Spießroutenlauf, bis ich mein Auto gefunden habe. Ich habe es dann verkauft“, sagt Fatma Ergün. War es eine große Umstellung? „Eigentlich nein. Anfangs habe ich mir gedacht, oh mein Gott, ohne Auto, funktioniert das wirklich? Aber ich habe es keine Sekunde lang bereut“, so Fatma Ergün, die meist mit den Öffis fährt. „Wenn ich Zeit habe, gehe ich hin und wieder ein Stück zu Fuß.“ Und Carsharing? „Nein. In Wien mit dem Auto zu fahren, ist mir viel zu stressig. Da kann ich auch nicht meinen Kaffee in der Früh in Ruhe trinken, in der Bim schon“, lacht sie.


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