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Geklaute Leserbriefe: „Mit besorgten Grüßen“

09. Mai 2014 / von / 0 Kommentare

Wer kennt sie nicht? Leserbriefe und Postings, die einen ob ihrer Ignoranz immer wieder erstaunen. Unsere LeserInnen antworten jetzt den Schreiberlingen – mit Witz, Sachlichkeit und einer Prise Sarkasmus.

 

Paradies Österreich

Es ist schlicht und einfach eine Sauerei, was in unserem lieben Österreich vorgeht, und es scheint so, dass noch immer „zu wenig eingebrochen“ wird und dergleichen usw. […] Speziell bei den Ostgrenzen müsste man wieder ständig und fix kontrollieren, alles andere ist Selbstbetrug. Unser Land baut ständig ab, man kann den Verfall bei vielen Dingen schon seit geraumer Zeit beobachten. Dieser Politik ist es nur wichtig, nach außen hin gut dazustehen. Wir sind für viele Schmarotzer rundum das Paradies, und daran will man nicht viel ändern. Unsere Verantwortlichen leben ja auch in diesem Paradies Österreich sehr gut. Die Mittelschicht oder die wirklich Armen bleiben immer mehr auf der Strecke. Bei uns in einer Wachau-Gemeinde dachte vor wenigen Jahren kein Mensch daran, tagsüber die Haustür zu versperren. Heutzutage ist das nicht mehr möglich, schon beim Hinausgehen in den Garten muss die Tür verschlossen werden. Leider haben einige Situationen und diverse Einbrüche zu diesem notwendigen Verhalten geführt. Man fühlt sich einfach nicht mehr sicher in diesem Land, und ganz besonders ältere Menschen leiden sehr darunter, wie beispielsweise meine alleinstehende Mutter. (KRONE, Das freie Wort, Mag. Richard Hochratner, per E-Mail, erschienen am Di, 18.3.)

 

Lieber Richard Hochratner!

Nach den Fällen Fritzl und Priklopil musste ich im zivilisierten Ausland oft ertragen, wie mein schönes Heimatland schlecht gemacht wurde und man solche Monstrositäten zum typischen Ausdruck der österreichischen Seele verallgemeinerte, ja direkt mit den Nazis in Bezug setzte. Couragiert hab ich diesen Verleumdern dann die Stirn geboten und entgegnet, dass das nichts genuin Österreichisches sei, sondern nur in einer bestimmten Gegend in einem Radius von etwa 100 Kilometern vorkomme: NÄMLICH IN UNSERER GEGEND, lieber Richard Hochratner!!! Auch ich bin ein Richard aus der Wachau, aus Niederösterreich, dem Land der niederen Instinkte, der Weinkeller und Kellerfamilien. Nur in diesem Bermudadreck des Schreckens tummeln sich die Priklopils und Fritzls, ermorden Winzer ihre Bürgermeister mit vergifteten Bonbons, fackeln Wilderer Villen ab, legen riesige Waffenlager an und nieten dutzendweise unschuldige Polizisten um, schleichen rechtsradikale Werwölfe durch die Wälder des Kamptals! Wenn’s so weitergeht, trauen sich nicht mal mehr die Einbrecher zu uns. Es kursieren schon Gerüchte, dass Räuberbanden mit kollektiven Traumata in den Osten zurückkehren angesichts der Abscheulichkeiten, die sie in unseren Kellern entdecken, sodass deren Paten einen Teil der Beute in teure Psychotherapien investieren müssen und ihren Leuten dann großzügig erlauben, bei den nächsten Einbrüchen einen Bogen um dieses Land an der Donau zu machen. Und, dass beim “Hinausgehen in den Garten”, lieber Richard Hochratner, “die Tür verschlossen werden” muss, hat mit der Fluchtgefahr der vielen Delinquenten zu tun, die sich ihrer elektronischen Fußfesseln entledigen könnten.

Mit besorgten Grüßen

(Richard Schuberth, Obmann des Vereins “Schützt Österreich vor den Österreichern” und Schriftsteller aus Emmersdorf an der Donau)

Der Song-Contest-Kasperl

Immer, wenn in der Zeitung oder im ORF die Kunstfigur Conchita Wurst auftaucht, blättere ich weiter oder schalte auf ein anderes Programm um. Mit der Entscheidung, diesmal auf eine Vorauswahl zu verzichten und diese selbsternannte Kunstfigur zum Song Contest zu schicken, hat sich der ORF ein Eigentor geschossen und sich dazu auch noch unsterblich blamiert. Und leider vermutlich ganz Österreich. Mit so einem österreichischen Beitrag können wir nur Letzter werden, das werde ich mir nicht anschauen. Wenn jetzt Herr Wurst meint, er plane, den Sieg für Österreich einzufahren, dann kann man nur völlige Realitätsferne bei ihm vermuten. Die anderen europäischen Länder, vor allem die östlichen, werden nur den Kopf schütteln. Aber vielleicht scheitert er schon in der Vorauswahl, so ersparen wir uns eine Blamage. Und wenn dies zutrifft, kann ich mir auch den heurigen Song Contest doch wieder im Fernsehen ansehen. (KRONE, Das freie Wort, Richard Kehrer, Wien erschienen am Sa, 22.3.)

Sehr geehrter Herr Kehrer,

es ist natürlich Ihr Recht im Fernseher anzuschauen, was Ihnen beliebt. Es zwingt Sie auch niemand, den Eurovision Song Contest anzuschauen. Aber offenbar geht es Ihnen bei Conchita Wurst um etwas anderes. Sie irritiert Sie derart, dass sie ganz erzürnt umschalten. Das tut mir leid für Sie, denn damit entgeht Ihnen einiges: Beispielsweise die Botschaft, die die Kunstfigur Conchita Wurst verbreitet: Sei das was du bist, stehe zu dem, was du bist und befürworte Liebe statt Hass. Außerdem entgeht Ihnen auch ein sehr schöner Song mit einem sehr tiefgründigen Text, den ich Ihnen noch einmal nahelegen möchte. Da Conchita mit diesem Knüller wohl das Finale erreichen wird, empfehle ich Ihnen entweder ein TV-Programm, in dem Sie sich wohlfühlen und die Vielfalt unserer Gesellschaft ausgeblendet wird – oder Sie geben sich einmal einen Ruck und akzeptieren Vielfalt von Liebe, Geschlechtern und Geschmack. Letzteres wäre meine Empfehlung, weil es sich dann auch gleich viel entspannter lebt.

(Marco Schreuder, Bundesrat, Eurovision-Blogger)

Hinter die Ohren geschrieben!

Jene Asyl-Aktivisten, die mit der Votivkirchenbesetzung für Schlagzeilen gesorgt haben, müssen sich wegen Schlepperei im Rahmen einer kriminellen Vereinigung verantworten. Diese aus Pakistan, Indien und Afghanistan stammenden Männer sind Mitglieder eines weit verzweigten Täternetzwerkes, die illegale Ein- bzw. Durchreise vorwiegend pakistanischer Staatsbürger organisiert haben! Man kann daher über gewisse Organisationen und über die österreichische Regierung nur noch den Kopf schütteln, wurden diese Menschen doch mit Samthandschuhen angefasst, obwohl sie versuchten, auch den österreichischen Staat für Dinge verantwortlich zu machen, die sie selber begangen haben! Ein weiteres erschütterndes Beispiel für die total verfehlte Asylpolitik unserer hilflosen und unfähigen Politiker! (KRONE, Das freie Wort, Joachim Mayer sen., Strobl, erschienen am So, 23.3.)

Auch ich schüttle den Kopf
Sehr geehrter Herr Mayer, 

in einem Punkt stimme ich mit ihnen überein: das von Ihnen angesprochene Gerichtsverfahren gegen acht Personen wegen des Verdachts der organisierten Fluchthilfe steht tatsächlich für ein Versagen der Asylpolitik. Derzeit haben Flüchtlinge nämlich keine Chance legal nach Europa zu kommen. Sie sind in den allermeisten Fällen auf FluchthelferInnen angewiesen, um überhaupt um Schutz ansuchen zu können. Zur Veranschaulichung: Stellen Sie sich vor, Sie wollen eine Bahnreise machen und die Regierung schafft eine Regel, die besagt, dass man einen Zugbahnhof nur mit einem gültigen Ticket betreten darf. Tickets gibt es allerdings nur im Bahnhof zu kaufen. Sie dürfen auch nur dort verkauft und nicht mit hinausgenommen werden. Wie also ohne fremde Hilfe in den Bahnhof und zum Zug kommen? Flüchtlinge stehen vor genau dieser Situation. Wer in Europa Schutz finden will, kann nur in Europa einen Asylantrag stellen, darf aber nicht legal nach Europa hinein. Ein Schildbürgerstreich, der zu der absurden Situation führt, dass es FluchthelferInnen sind, die einen großen Anteil daran haben, dass das Recht auf Asyl in Europa überhaupt noch exekutiert wird. Das sollte diskutiert werden. Ebenso sollte darüber gesprochen werden, dass sich inzwischen der Verdacht erhärtet hat, dass es bei der spektakulären Verhaftung der Angeklagten im vergangenen Sommer auch und vor allem darum ging, die Flüchtlingsprotestbewegung nachhaltig zu beschädigen. Die von der Staatsanwaltschaft (!) beantragte Enthaftung der Beschuldigten während des Verfahrens, nachdem sie acht Monaten ohne gerichtliche Verurteilung im Gefängnis sitzen mussten, wirft ein mehr als schiefes Licht auf das Innenministerium und Teile der Staatsanwaltschaft. Es wurde ganz offensichtlich polizeilich und juristisch unsauber gearbeitet und die Unschuldsvermutung mit Füßen getreten.

(Alexander Pollak, SOS Mitmensch)


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