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Fakten statt Hetze: Prostitution

14. April 2016 / von / 0 Kommentare

Nicht alle Prostituierten werden dazu gezwungen

Einen Beruf auszuüben bedeutet nicht, dies aus Überzeugung oder zur Gänze freiwillig zu tun. Das gilt besonders für Prostitution – eine Tätigkeit, die häufig von Zwang und Ausbeutung geprägt ist. Die meisten Prostituierten sind Frauen, in Wien waren im Dezember 2014 insgesamt 3.583 Prostituierte registriert, davon waren gerade einmal 70 Männer. Die Gründe, die Menschen in die Prostitution führen, sind vielschichtig: Laut einer vergleichenden Studie zu internationalen Prostitutionspolitiken reichen sie von Armut und Schulden bis hin zu dem Wunsch, sich so einfach gewisse Dinge kaufen zu können. Auch die Arbeits- und Einkommensmöglichkeiten spielen eine signifikante Rolle. Ebenso wird ein Teil der Betroffenen durch falsche Versprechungen hierzu gebracht. Fast alle Prostituierten haben einen Migrationshintergrund, nach Schätzungen des BMI waren es im Dezember 2014 etwa 95%. Die Chancen, sich auf dem österreichischen Arbeitsmarkt integrieren und etablieren zu können, sind gerade für MigrantInnen nicht sehr hoch. Prostitution ist daher häufig eine der wenigen Optionen, finanziell über die Runden kommen zu können. Laut dem Wiener Programm für Frauengesundheit würden rund 90% der Prostituierten sofort aussteigen, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten. Die meisten Betroffenen haben folglich keine andere Wahl, als ihren Körper zu verkaufen.

Prostitution ist ein Job wie jeder andere

In Österreich ist die freiwillige Prostitution ab 18 Jahren grundsätzlich legal, solange die Personen hier gemeldet sind und gewisse Auflagen, wie etwa eine einwandfreie Gesundheit, erfüllen. Im Gegensatz zu anderen Berufen wird Prostitution jedoch nicht nur gesellschaftlich tabuisiert und missbilligt, es fehlen auch jegliche sozial- und arbeitsrechtlichen Regelungen. Da Prostitution keine anerkannte Erwerbstätigkeit ist, stehen die Betroffenen weder in einem Dienstverhältnis mit rechtlichen Grundlagen, „noch können sie als Selbstständige ein vorenthaltenes Honorar einklagen“, wie das Wiener Programm für Frauengesundheit festhält. Dem gegenüber stehen aber vom Gesetzgeber klar definierte Pflichten: eine Registrierung bei der Meldestelle für Prostitutionsangelegenheiten der Landespolizeidirektion Wien, regelmäßige Gesundheitschecks und das Zahlen von Steuern. Die Plattform verweist außerdem darauf, dass rund 80% der Prostituierten im Zuge ihrer Tätigkeit bedroht, misshandelt oder vergewaltigt werden. Diese Rahmenbedingungen machen deutlich, wie weit Prostitution davon entfernt ist, ein gewöhnlicher Beruf zu sein.

Nur ein Verbot hilft gegen Prostitution

In der Diskussion rund um Prostitution herrschen verschiedene Ansätze vor, wie mit dieser umgegangen werden soll. Eine Position ist, dass in Österreich – nach dem Vorbild Schwedens – der Erwerb von sexuellen Dienstleistungen verboten werden soll. Laut der Initiative „Stopp Sexkauf“ könnten nur so Gewalt, Zwangsprostitution und Menschenhandel eingedämmt werden. Das langfristige Ziel sei es, hierdurch Prostitution abschaffen zu können. Dem gegenüber steht die Auffassung, dass gerade solche restriktiven Maßnahmen große Gefahren bergen. Nach dem Verein LEFÖ führe dieses Vorgehen nur zu einer verstärkten Stigmatisierung und Diskriminierung der Frauen. Es gehe aber darum, den Frauen Rechte einzuräumen. Fakt ist, dass ein Verbot, auch wenn es, wie in Schweden, ausschließlich die Freier betrifft, nicht dazu führen wird, dass das Phänomen Prostitution verschwindet.Vielmehr wird es für die Gesellschaft einfach nur unsichtbar gemacht. Eine rechtliche Absicherung und die Anerkennung des Gewerbes würden den Prostituierten hingegen mehr Selbstbestimmtheit, Schutz und Rechte bieten.

 

Quellen: BMI, LEFÖ, „Stopp Sexkauf“, MA24 & MA57 der Stadt Wien

Foto © Thinkstock

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