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Fakten statt Hetze: Kopftuch

19. Dezember 2013 / von / 0 Kommentare

Ist das Kopftuchtragen eine religiöse Pflicht?

Ja, die meisten Kopftuchträgerinnen empfinden es als eine religiöse Pflicht. Unter Islamgelehrten herrscht ebenso weitgehende Einigkeit darüber, dass zumindest das Verhüllen des Haupthaars einem religiösen Gebot entspricht. Wie weit dieses Gebot reicht (ob nur das Haupthaar oder auch das Gesicht bzw. der ganze Frauenkörper zu verhüllen ist), ist hingegen innerhalb der islamischen Gemeinschaft umstritten. Es gibt auch islamische Gruppen, in denen das Tragen eines Kopftuches unüblich ist. Entscheidend ist, ob die betroffenen Frauen das Tragen eines Kopftuches für sich als religiöse Pflicht sehen.

Ist das Kopftuch ein Zeichen für die Unterdrückung der Frau?

Nein, das Tragen eines Kopftuches ist für Kopftuchträgerinnen die Erfüllung einer religiösen Pflicht. Sie sehen es nicht als Symbol ihrer Unterordnung. Vielmehr sehen sie es als Kleidungsstück, das ihnen Selbstvertrauen verleiht, mit dem sie in der Öffentlichkeit mitmischen können. Aus europäischer Sicht ist dieses Frauenbild umstritten, da das Kopftuch als Symbol für Geschlechtertrennung gesehen werden kann.

Ist das Kopftuch ein politisches Symbol?

Ja, das Kopftuch kann beides sein: ein politisches und ein religiöses Symbol. In seinem Ursprung und seiner überwiegenden Wahrnehmung ist es ein Ausdruck eines Bekenntnisses zum Islam oder islamischen Bräuchen. Als politisches Symbol „zivilen Ungehorsams“ galt es zur Zeit der iranischen Revolution, als es durch ein vorangegangenes Verbot politisiert wurde. Dementsprechend hängt die Symbolik davon ab, welche Bedeutung ihm die Trägerin geben will.

Ist das Kopftuch ein sogenanntes Integrationshindernis?

Nein, das Kopftuch ist kein Integrationshindernis, vielmehr würde ein Verbot Integration muslimischer Frauen erschweren. Denn: Eine gleichberechtigte Teilhabe ist die Voraussetzung für gelungene Integration. Ein Kopftuchverbot verhindert aber einen gleichberechtigten Zugang zum Arbeitsmarkt, Bildungseinrichtungen, etc., also genau die gleichberechtigte Teilhabe.

 

Handbuch gegen Vorurteile” (Nina Horaczek/Sebastian Wiese)

 


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