shutterstock_115145464

Fakten statt Hetze: Das neue Suchthilfezentrum im Alsergrund

15. Dezember 2014 / von / 0 Kommentare

Im neunten Bezirk eröffnete ein neues Suchthilfezentrum. Warum brauchen wir sowas überhaupt?

Am 13. November eröffnete in der Nußdorferstraße in Alsergrund eine neue Tageseinrichtung der Suchthilfe Wien. Insgesamt gibt es in Wien 13 Sucht- und Drogenberatungseinrichtungen. Das Angebot reicht von Beratung, psychosozialer Betreuung über berufliche Reintegration und Spritzentausch. Bei letzterem haben Suchtkranke (wie zum Beispiel HeroinkonsumentInnen) die Möglichkeit, alte und verunreinigte Spritzen gegen neue, sterile umzutauschen, um die Übertragung von Krankheiten zu verhindern. Dies wurde vor der Neueröffnung in Alsergrund nur vom „jedmayer“ am Gumpendorfer Gürtel in Mariahilf angeboten.

Wurden die AnrainnerInnen „überrascht und überfahren“?

AnrainerInnen gründeten eine Bürger-Inneninitiative und machten gegen das Suchthilfezentrum mobil. Sie kritisieren, dass sie nicht über die Neueröffnung informiert worden waren und keinerlei Mitsprache hatten. Bei der Standortwahl sei unter anderem die gute Verkehrsanbindung sowie die Wahrscheinlichkeit, dass das Angebot dort auch angenommen werde, wichtig gewesen. Es würde keinen Sinn machen, eine solche Einrichtung am Stadtrand zu eröffnen. Würde man bei jedem dieser Projekte die Anrainer-Innen im Voraus befragen, würde es „viele, viele Einrichtungen gar nicht mehr geben“, so SP-Stadträtin Sonja Wehsely (Gesundheit und Soziales).

Sind alle Suchtkranken kriminell?

Unterstützung erhielt die Initiative von den Wiener Freiheitlichen und der Volkspartei. Alle drei sprechen sich gegen das Zentrum aus, weil es sich in dicht besiedeltem Wohngebiet und vor allem in der Nähe vieler Kindergärten und Schulen befindet. Was in ganz Wien aber nicht zu verhindern ist, und am Stadtrand mache so ein Zentrum keinen Sinn. Roland Reithofer, Geschäftsführer der Suchthilfe Wien, spricht von einem speziellen PR-Wording, das Suchtkranke mit Kriminellen gleichsetzt. Das klingt dann so: Therapie für Drogenkranke: sicherlich, aber herumlungernde Junkies am Spielplatz? No way! Siehe Homepage der FPÖ Wien. Eine von GegnerInnen kolportierte Gefährdung von Kindern und Jugendlichen hätte in den letzten 25 Jahren nicht festgestellt werden können, so Reithofer.

Und die Konsequenzen?

Um zu zeigen, dass sie die Ängste der AnrainerInnen ernst nehme, initiierte die SP-Bezirksvorsteherin von Alsergrund, Martina Malyar, neun Maßnahmen: unter anderem zusätzliche StreetworkerInnen und Polizei, die Gründung eines Dialogforums, bessere Beleuchtung naheliegender Plätze oder tägliche Reinigung von Grünflächen in der Umgebung.

Foto: © Shutterstock


Kommentieren


2 + 6 =