online_fakten ThinkstockPhotos-122470463

Fakten statt Hetze: Behinderung

09. März 2016 / von / 0 Kommentare

Menschen mit Behinderung können nicht selbstständig leben

Eine Behinderung und ein autonom geführtes Leben – in den Köpfen so mancher nichtbehinderter Menschen unvorstellbar. Dieses stereotype Denkmuster bezieht sich oft auf sehr schwere Ausformungen von Handicaps, bei denen Selbstbestimmung tatsächlich kaum möglich ist. Durch dieses Vorurteil werden Menschen mit Behinderungen aber pauschal kategorisiert, obwohl sie keine einheitlich definierte Personengruppe repräsentieren. Der Begriff „Behinderung“ umfasst nicht nur diese eine Form der Beeinträchtigung, sondern vereint unterschiedliche Schweregrade und Arten: körperliche und geistige Behinderungen, Sinnesbehinderungen, Sprachbehinderungen, psychische Behinderungen und Lernbehinderungen. Diese Bandbreite macht deutlich, dass „die klassische“ Behinderung ebenso wenig existiert wie „der“ Mensch mit Behinderung und dass Handicaps differenziert betrachtet werden müssen. Und sie zeigt, dass nicht jede Behinderung zwangsläufig ein nicht-selbstbestimmtes Leben zur Folge hat. So ist beispielsweise Stottern eine Sprachbehinderung – ein Handicap, mit dem Menschen sehr wohl selbstständig leben können. Auch Personen mit körperlicher bzw. geistiger Behinderung können ihren Alltag je nach Schweregrad alleine meistern. Nach der WHO sind etwa viele Erwachsene mit einer leichten Intelligenzminderung in der Lage, arbeiten zu gehen und soziale Kontakte sowie Beziehungen zu führen.

Menschen mit Behinderung können nicht arbeiten

Dass Menschen mit einer Behinderung aufgrund ihres Handicaps keiner Arbeit nachgehen können, ist ein weiteres Stereotyp. Hierdurch entstehen gesellschaftliche Barrieren, die es Menschen mit Behinderungen unnötig erschweren, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Ein häufiger Grund für dieses Vorurteil sind fehlende Informationen seitens der ArbeitgeberInnen. So ist etwa vielen nicht bewusst, dass, je nach Schweregrad der Behinderungen, diese durch spezielle technische Arbeitshilfsmittel ausgeglichen werden können und dass der Erwerb dieser von öffentlichen Stellen gefördert wird. Auch Jugendlichen mit Behinderungen steht mit der Integrativen Berufsausbildung eine spezielle Förderungsmaßnahme zur Verfügung. Ziel dieser ist es, den Heranwachsenden, die aufgrund ihres Handicaps keine reguläre Lehre absolvieren können, dennoch eine Berufsausbildung zu ermöglichen und sie so in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Menschen mit Behinderung können kein Sexualleben haben

Die Sexualität von Menschen mit Behinderungen scheint auch heute noch gesellschaftlich nicht vollständig akzeptiert zu sein. Sexualität ist ein zentraler Aspekt des Lebens, Menschen mit Behinderungen haben ebenso sexuelle Bedürfnisse wie nichtbehinderte Personen. Da jede Form der Behinderung mit ihren Schweregraden individuell ist, kann auch über die Sexualität von Menschen mit Handicaps – besonders von Menschen mit geistigen Behinderungen –keine allgemein gültige Aussage getroffen werden. In einem Artikel der Österreichischen Ärztezeitung aus dem Jahr 2007 wird darauf verwiesen, dass Jugendliche, die in ihrer Entwicklung gelernt haben, sich selbst zu befriedigen, auch in der Lage sind, Geschlechtsverkehr zu haben. Wichtig für die Entwicklung der sexuellen Identität von Menschen mit geistigen Behinderungen sei eine umfangreiche Sexualerziehung, die alle Aspekte der Sexualität – von positiv konnotierten Bereichen wie sexuellem Verlangen bis hin zu Missbrauch und Gewalt – thematisiert. Die Auffassung, dass Menschen mit Behinderungen, körperlich wie geistig, generell nicht fähig seien, ein Sexualleben zu haben, ist aufgrund ihrer Undifferenziertheit schlichtweg falsch.

 

Quellen: WHO, Arbeiterkammer, Österreichische Ärztezeitung, BIC

Foto © Thinkstock

Kommentieren


9 − = 8