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Fakten statt Hetze: Arbeitslosigkeit

12. Januar 2016 / von / 0 Kommentare

Arbeiten zahlt sich nicht mehr aus

Dieses Vorurteil konstituiert sich aus der Vermutung, dass Arbeitslosigkeit finanziell lukrativ sei und gleichzeitig viel Freizeit mit sich bringe. Wenn in den Medien Arbeitslosigkeit thematisiert wird, ist in Online-Kommentaren immer wieder zu lesen, dass Arbeitslose annähernd soviel Geld wie erwerbstätige Personen erhalten und ein entspanntes Leben führen. Arbeiten zu gehen zahle sich demnach nicht mehr aus. Zunächst ist es klar, dass Menschen ohne Arbeit mehr Freizeit haben als jene, die einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen. Auch Teilzeitbeschäftigten steht mehr Zeit zur Verfügung als Vollzeitkräften. Aber: Arbeitslose Menschen erhalten nicht Unmengen an Geld, da sich das Arbeitslosengeld nach der Jahresbeitragsgrundlage des letzten bzw. vorletzten Kalenderjahres richtet. Das bedeutet, dass es entscheidend ist, wie viel im letzten bzw. im vorletzten Jahr vor der Arbeitslosigkeit verdient wurde. Anhand dieses Betrages wird die Höhe des Arbeitslosengeldes individuell errechnet. Hierdurch kommt es zu teils massiven finanziellen Einbußen. Zudem kann das Arbeitslosendgeld nicht auf unbestimmte Dauer bezogen werden. Grundsätzlich wird es für 20 Wochen gewährt, unter bestimmten Voraussetzungen kann der Anspruch verlängert werden. Falls in diesem Zeitraum keine neue Arbeitsstelle gefunden wird, erhält man im Anschluss an das Arbeitslosengeld Notstandshilfe. Und das bedeutet, noch weniger Geld zur Verfügung zu haben. 

Wer arbeiten will, der findet auch eine Arbeit

Im Diskurs über Arbeitslosigkeit fällt dieses vermeintliche Argument früher oder später. Es ist eine einfache Verallgemeinerung, die erwerbslosen Menschen unterstellt, gar nicht arbeiten gehen zu wollen. Die Realität des Arbeitsmarktes muss aber differenzierter betrachtet werden. Oft ist es nicht leicht, eine Arbeitsstelle zu finden, die der persönlichen Ausbildung oder den fachlichen Kompetenzen entspricht. Auch Positionen, die unter dem eigenen Qualifikationsprofil liegen, sind kein Garant für einen neuen Job. Hinzu kommt die aktuelle Lage am Arbeitsmarkt. So waren im November des letzten Jahres beispielsweise 97.067 Personen aus dem Dienstleistungssektor arbeitslos. Einem Bereich, in dem es lediglich 6.530 gemeldete offene Stellen gab. Nach den Arbeitsmarktdaten des AMS waren zu diesem Zeitpunkt in Österreich insgesamt 31.021 Stellen offen. Vergleicht man dies mit den österreichweit 359.293 Arbeitslosen wird schnell klar, dass die Diskrepanz zwischen Arbeitssuchenden und Arbeitsstellen enorm ist. 

Die meisten Arbeitslosen sind Ausländer

Es scheint eine weit verbreitete Annahme zu sein, dass die meisten Arbeitslosen Ausländer sind. Nun stellt sich aber die Frage: Welche Personen sind mit „Ausländer“ gemeint? Oftmals werden hier unterschiedliche Begriffe verwechselt und synonym verwendet. Fakt ist: Menschen mit Migrationshintergrund sind keine Ausländer, wenn sie die österreichische Staatsbürgerschaft besitzen. Nach Erhebungen des AMS waren im November 2015 in Wien 124.948 Menschen arbeitslos gemeldet. Davon waren 48.174 Ausländer. Weitere 70.814 Personen befanden sich in Schulungen und scheinen daher nicht in der Statistik auf. Demnach ist klar, dass mehr österreichische Staatsbürger auf der Suche nach einem Job waren als Nicht-Staatsbürger. Auch im österreichweiten Vergleich sind die Zahlen eindeutig: von den insgesamt 359.293 gemeldeten Arbeitssuchenden waren 102.901 keine Österreicher. Und obwohl die Zahl der arbeitslosen Ausländer in Wien im Vergleich zum Vorjahr um 24,5% angestiegen ist, liegen sie zahlenmäßig immer noch hinter österreichischen Staatsbürgern. 

 

Quelle: www.ams.at

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