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Es ist noch viel zu tun

14. April 2016 / von / 0 Kommentare

Mr. Life Ball, Gery Keszler, im Gespräch mit Tatjana Pantelić über neue Pläne für den Life Ball und wie man mit HIV-/AIDS-Betroffenen umgehen soll.

Foto:  Life Ball/ Raphael Lugassy

WV: Herr Keszler, Sie haben viel von dieser Welt gesehen, und doch sind Sie schlussendlich in Wien gelandet. Was schätzen Sie an dieser Stadt?

KESZLER: Ich liebe Wien sehr und fühle mich wohl hier. Wien ist die Stadt, die es dem Life Ball ermöglicht hat so groß zu werden – dafür bin ich dankbar, denke aber auch, dass der Life Ball Wien inzwischen einiges in Form von Imagegewinn und im Tourismusbereich zurückgeben konnte.

WV: Der Life Ball ist mittlerweile zu einem Markenzeichen Wiens geworden. Hat Sie die große positive Resonanz beim Life Ball überrascht? Ist Wien heute toleranter und weltoffener als noch vor ein paar Jahren?

KESZLER: Der Life Ball ist heute nicht nur eine der größten öffentlichen Manifestationen zum Thema HIV und AIDS, sondern auch ein respektierter, kreativer Partner für die Wirtschaftswelt. Wien ist sicher toleranter geworden, aber das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass von HIV und AIDS Betroffene immer noch tagtäglich Diskriminierung ausgesetzt sind. Am Arbeitsplatz wie im persönlichen Umfeld. Hier muss noch viel geschafft werden und ich glaube der Weg führt ganz klar über Aufklärung und Information.

WV: Welcher ist der schönste, welcher der stressigste Moment beim Life Ball?

KESZLER: Das ist keine leichte Frage. Aber der Moment auf der Bühne, wenn ich meine Rede halte, der ist schon jedes Jahr eine Herausforderung und sehr emotional. Einen der schönsten Momente erlebe ich eigentlich erst nach dem Life Ball, wenn ich erfahre wie hoch der Reinerlös war. Dann weiß ich, dass es sich ausgezahlt hat.

WV: Sie haben die Befürchtung geäußert, dass für viele Life Ball-Besucher immer mehr um die Party geht und weniger um den ernsten Hintergrund wie die Ausgrenzung von Betroffenen. Gibt es schon konkrete Pläne für den Life Ball 2017 um das Thema wieder mehr in den Vordergrund der Veranstaltung zu rücken?

KESZLER: Ja, diese Pläne gibt es. Wir arbeiten intensiv an vielen kreativen Ideen und Konzepten – unter anderem auch daran, unsere Botschaften klarer zu vermittelt. Aber ich werde sicher nicht den ganzen Life Ball umkrempeln.

WV: Vor kurzem startete der Vorverkauf für das „Red Ribbon Celebration Concert“ (www.burgtheater.at/RedRibbon). Können Sie uns schon verraten, was uns an diesem Abend erwartet?

KESZLER: Ich bin stolz darauf, dass uns auch in diesem Jahr wieder Künstlerinnen und Künstler von Weltruhm unterstützen. Wunderbare Sänger wie Juan Diego Flórez, Thomas Hampson, Piotr Beczala oder die junge Margarita Gritskova sind dabei. Es wird so vielfältig wie noch nie. Von Monteverdi und Gluck über Mozart und Liszt bis zum zeitgenössischen Soul, dazwischen Lesungen von Bearbeitungen von Ovid bis Ingeborg Bachmann. Ich freue mich schon sehr auf den Abend und hoffe natürlich auf einen hohen Reinerlös für die zu unterstützenden nationalen und internationalen Projekte zur Bekämpfung der Mutter-Kind-Übertragung des HI-Virus aber auch sehr stark im Bereich Aufklärung und Bildung.

WV: Ein von AIDS LIFE selbsterklärtes Ziel ist die Aufklärung der Öffentlichkeit über die Gefahren von HIV/AIDS. Haben Sie das Gefühl, dass das Bewusstsein in Bezug auf die Krankheit in Österreich geschärft wurde?

KESZLER: Die möglichst umfassende finanzielle Unterstützung nationaler und internationaler Projekte, aber auch die Aufklärung der Öffentlichkeit sind wichtige Ziele von AIDS LIFE. Mit unseren Veranstaltungen können wir finanzielle Mittel lukrieren und den Themen HIV und AIDS entsprechende Aufmerksamkeit verschaffen. Aber es ist noch viel zu tun und wir können uns noch nicht zurücklehnen. Das Bewusstsein ist sicher da, aber es infizieren sich trotzdem in Österreich immer noch täglich 1-2 Menschen mit dem Virus. Ich kann nicht oft genug betonen wie wichtig es ist sich regelmäßig auf HIV testen zu lassen und sich und andere zu informieren. Denn, je mehr die Menschen über HIV und AIDS wissen, desto besser können sie sich schützen und wissen, wie sie mit Betroffenen umzugehen haben. Nämlich so, wie mit jedem anderen Menschen auch.

WV: Was wünschen Sie sich für den 24. Life Ball, was für den 50.?

KESZLER: Für den 24. Life Ball wünsche ich mir, dass der Life Ball sich noch klarer als Plattform für die internationalen Organisationen positionieren kann und natürlich eine Steigerung des Reinerlöses. Und für den 50. Life Ball wünsche ich mir, dass wir nicht mehr gegen HIV, AIDS und die damit verbundene Diskriminierung kämpfen, sondern feiern, dass HIV und AIDS besiegt werden konnten.

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