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Ein Stück China in Wien: Essen am Rad

15. Dezember 2014 / von / 0 Kommentare

Vielleicht hat sich die eine oder der andere in den letzten Monaten darüber gewundert, ein adaptiertes Shanghaier Lastenrad auf den Straßen Wiens zu entdecken. Das dongdong fan/moving food am Dreirad wurde dieses Jahr von der Architektin Nora Sahr und der Sinologin Katharina Idam ins Leben gerufen.

Story: Magdalena Summereder | Fotos: Dongdonfan

Die beiden haben unabhängig voneinander längere Zeit in China gelebt und bringen nun ein bisschen chinesisches Flair und vor allem authentisches, chinesisches Essen nach Wien. Sahr war während ihres Aufenthaltes in Shanghai besonders von den Dreirädern mit eingebauter Ladefläche, die WanderarbeiterInnen oft als Lebensgrundlage dienen und von denen aus Speisen oder andere Waren verkauft werden, fasziniert.

„Ich fand es spannend, wie die Räder den Straßenraum dominieren und dadurch eine Art Anti-Architektur entstehen lassen, die gleichzeitig wichtige Infrastruktur in einer Stadt bildet.“ Angetan von der Vorstellung auch in Wien den Straßenraum damit zu bespielen und dadurch Potenziale wenig beachteter Orte aufzuzeigen, designte sie ihr eigenes Rad, das noch in Shanghai gefertigt wurde.

Mit-Initiatorin Katharina Idam vermisste nach ihrer Rückkehr aus China speziell das Essen: „Ich verbinde meine schönsten Erinnerungen damit. Auch deshalb, weil den Mahlzeiten in China ein großer Stellenwert eingeräumt wird.“ Auf der Suche nach authentischem chinesischen Essen in Wien kam ihr die Idee, ChinesInnen, die gerne privat kochen, aus ihrer Anonymität zu holen und sie an Kochabenden ihre Lieblingsspeisen anrichten zu lassen und ihnen dabei die Möglichkeit zu geben, ihre Geschichten dazu zu erzählen. Das Pilotprojekt dazu ist das dongdong fan auf dem Dreirad, in Zukunft sollen für die Koch- bzw. Kulturabende beispielsweise Leerstände genützt werden.

Regulierungen im öffentlichen Raum

Genau wie in China, wo sich die HändlerInnen auf eine Speise spezialisieren, wird auch von dongdong fan am Dreirad ein bestimmtes Essen angeboten: kalte Nudeln. „Die Zubereitung der Speisen dort ist sehr schnell und gut und hat einen ästhetischen Reiz. Auch für uns macht das Ästhetische einen Teil des Projektes aus. Wir brauchen vielleicht etwas länger, aber wir machen das ja auch nur zum Spaß.“

Ganz so einfach wie in China ist es in Österreich übrigens nicht: Beispielsweise dürfen im öffentlichen Raum nur unter sehr strengen Auflagen Gaskocher verwendet werden und ohne Genehmigung darf man keinen Platz länger als 15 Minuten besetzen. Auch darf das Essen nicht verkauft, sondern nur gegen eine Spende angeboten werden. „Das Gesetzes-Netz ist bei uns in Österreich auch im öffentlichen Raum so dicht, dass man für eine Aktion wie unsere kaum Lücken findet“, so Idam.

Erfolgreich auch ohne Werbung

Die beiden dürften mit ihrem Projekt jedenfalls einen Nerv getroffen haben: Seit ihrem Auftakt im April werden sie regelmäßig für Veranstaltungen angefragt – und das, ohne Werbung für sich zu machen. Sahr erklärt sich das auch so: „Es geht bei uns um die Bespielung des Straßenraumes – wir laden Leute zum Verweilen ein und dazu, Räume und Straßen einmal anders zu erleben und vielleicht auch neue Bekanntschaften zu schließen. Das dongdong fan spricht viele Menschen an – Fahrradbegeisterte, SinologInnen, KulinarikliebhaberInnen und Menschen, die einfach einmal etwas ausprobieren wollen.“

Wer das dongdong fan in Aktion erleben und die kalten Nudeln ausprobieren möchte, kann sich hier am Laufenden halten: www.facebook.com/dongdongfanmovingfood


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