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„Die Wahlwiederholung ist ein skandalöser Justizirrtum!“

20. September 2016 / von / 0 Kommentare

Seit 20 Jahren kommentieren die Satiriker von maschek das politische Zeitgeschehen in Österreich. Warum sie in einen unsicheren Herbst gehen, wie kritikfähig Österreich ist und welche Grenzen Satire hat, erzählte uns Robert Stachel im Interview.

WV: Die Tagespresse titelte anlässlich der Präsidentschaftswahl „Wegen Lugner-Video: maschek gehen in Frühpension“. Wann dachtet ihr zuletzt, dass die politische Realität nicht mehr von Satire unterscheidbar ist?
MASCHEK: Als das Verfassungsgericht eine gültig entschiedene Wahl aufgehoben und für eine zweifelhafte juristische Spitzfindigkeit nicht nur den Sieg Alexander van der Bellens auf das Spiel setzte, sondern auch maschek in einen unsicheren Herbst schickt. Unser Programm ist geschrieben, unsere Rollen sind verteilt, ich probe seit 3 Monaten Van der Bellen.

WV: In einem Kurier-Interview sagtest du Robert Stachel „Ich freu mich auf den Moment, wenn der Fischer an den Van der Bellen übergibt und wir das synchronisieren müssen. Das wird eine herrliche Schnarchnummer.“ Wie seht ihr die Wiederholung der Präsidentschaftswahl?
MASCHEK: Siehe oben. Ich halte das für einen skandalösen Justizirrtum, mittlerweile gibt es ja auch zahlreiche Gutachten, die das genauso sehen. Man darf trotzdem hoffen, dass der rechtmäßige Sieger vom 22. Mai auch nach dem 2. Oktober der Bundespräsident ist. Aber was man auch mal sagen muss: Es ist kein gutes Gefühl, in einem Land zu leben, wo das Potential der Autoritären und Rechtsnationalen nicht bei Haiders 27 Prozent endet, sondern potentiell sogar Mehrheiten bildet.

WV: Findet ihr die österreichische Gesellschaft kritikfähig?
MASCHEK: Eine Hälfte der österreichischen Gesellschaft denkt analytisch, handelt reflektiert und ist kritikfähig, die andere ist korrupt, selbstgerecht und opportunistisch. Und jeder Österreicher trägt beides potentiell in sich. Diese explosive Mischung erklärt vieles an und in Österreich.

WV: Was macht gute Satire aus? Was kann man mit Satire bzw. Humor bewirken?
MASCHEK: Humor kann den Menschen für Gedanken, Themen und Stimmungen empfänglich machen, selbst wenn sich der Verstand dagegen sperrt. Man hat es an Affen untersucht: Wir lachen am lautesten, wenn eine Erwartung geschürt wird und am Ende das Gegenteil eintrifft. Diesen Modus macht sich gute Satire zunutze und bringt politische Kommentare auf den Punkt. Man kann damit vieles bewirken und in Gang bringen.

WV: Gibt es für euch eine Grenze der Satire? Anders gefragt: Was darf Satire?
MASCHEK: Grundsätzlich darf Satire alles. Wir ziehen allerdings eine klare Grenze, wenn es gegen Personen geht, die nicht in die Öffentlichkeit drängen. Sich über den kleinen Mann und die kleine Frau und ihre kleine Welt lustig zu machen, ist selbst genauso kleingeistig und dumm wie das vermeintliche Ziel der Kritik.

WV: Seit fast 20 Jahren kommentiert ihr das politische Zeitgeschehen. Habt ihr einen Lieblingsclip und/oder eine Person die ihr am liebsten spielt?
MASCHEK: Als Faymann Gusenbauer abgelöst hat, war ich ihm richtig böse, weil ich Gusi so gern gespielt hatte, aber ich habe die Rolle des Werner Faymann zuletzt doch sehr lieb gewonnen. Als jetzt Kern kam und Fischers Amtszeit zu Ende gibng, war es Zeit für einen Rollentausch, jetzt ist Peter Hörmanseder der Kanzler und ich der Präsident. Ich habe Van der Bellen schon früher gespielt und freue mich sehr auf 12 weitere Jahre mit dieser Rolle.

WV: Abgesehen von euren eigenen Geschichten, was oder wen findet ihr besonders lustig?
MASCHEK: Wir teilen die Bewunderung für viele britische und amerikanische Comedians wie Ricky Gervais, Steve Coogan, Tina Fay oder Louis CK, dessen Shows und TV-Serien zur Zeit weltweit ungeschlagen sind.

WV: Frei nach eurem Motto maschek.redet.drüber: Über wen wollt ihr unbedingt noch drüber reden?
MASCHEK: Wir nehmen was kommt. Und es kommt erstaunlicherweise immer etwas nach.

 

Foto: katsey.org


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