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Die Kommunikation
der Unmenschlichkeit

13. August 2015 / von / 0 Kommentare

Die Wahlen stehen vor der Tür und der Ton in der Wiener Politik wird immer rauer – nicht nur in einzelnen Parteien. Auch in der Bevölkerung ist eine Gesprächskultur entstanden, die oftmals nicht einmal an die Begriffe „Gespräch“ oder gar „Kultur“ erinnert.

Viele Menschen in Wien scheinen verärgert zu sein. Verärgert über eine Politik, die ihrer Meinung nach Steuergelder verprasst und sich in erster Linie um die Anliegen  von „Fremden“ kümmert. Diese Menschen sind von der derzeitigen (Stadt-) Regierung offenbar so enttäuscht, dass sie ihrem Ärger auf unzähligen Kanälen im Netz Luft machen müssen. Immer wieder ist zu lesen, dass sich verantwortliche Politiker gegen „uns echte ÖsterreicherInnen (manchmal sogar gegen uns WienerInnen)“ stellen und sich viel lieber den Problemen anderer Menschen – also den Sorgen von „Ausländern“ – widmen. Es ist eine hochemotional aufgeladene Diskussion, die selten auf einer sachlichen Ebene geführt wird. Vielmehr ist sie mit der Angst vor Überfremdung und gleichzeitiger Wut angereichert. Vieles wird auch vermischt und verwechselt. Zwischen MigrantInnen und Flüchtlingen wird häufig kein Unterschied gemacht. Sie werden in einen Topf geworfen und mit dem Attribut „Fremd“ versehen. Tatsächlich sind diese Begriffe aber grundlegend verschieden.

Ich frage mich schon lange: Wer sind diese sogenannten „echten“ ÖsterreicherInnen eigentlich? Und welche Charakteristika sind hierfür ausschlaggebend? Die eigene, in diesem Fall österreichische, Nationalität wird als hohes Gut postuliert – ein Umstand, wie es auch schon Farin Urlaub formuliert hat, zu dem kein Mensch aktiv etwas beiträgt. Zudem ist die eine Nationalität in keiner Weise besser oder schlechter als eine andere Nationalität. In diesen Kreisen reicht es aber auch nicht, die österreichische Staatsbürgerschaft zu besitzen. Nur ohne Migrationshintergrund sei man ein „echter“ Staatsbürger, so das breite Echo. Es sind Meinungen wie diese, die zutiefst erschüttern und Assoziationen mit der dunklen Vergangenheit Österreichs wecken.

Hetze in alle Richtungen

In den sozialen Netzwerken haben sich Hass- und Hetzpostings rasch verbreitet und etabliert. Es ist eine Entwicklung, die besonders in den letzten Monaten medial präsent war.  Zwar gab es für einige dieser Poster arbeits- und/oder strafrechtliche Konsequenzen, was bleibt, ist aber ein mehr als bitterer Nachgeschmack. Einige Hetzer wurden abgestraft, viele agieren trotzdem weiter. Das Beängstigende dabei: mittlerweile ist es kein Tabu mehr, offen fremdenfeindlich zu sein. Und diese Entwicklung ist schon länger zu beobachten. Was vor einigen Jahren noch eher hinter vorgehaltener Hand gemacht wurde, scheint heute, im Jahr 2015, wieder en vogue zu sein. Und rassistische User ernten für ihre Postings auch noch virtuellen Beifall und zahlreiche Likes.

Es geht sogar schon so weit, dass Personen verhetzt werden, die sich öffentlich gegen menschenverachtende Aussagen stellen und diese anprangern. Zum Glück teilen viele aber nicht jene fremdenfeindliche Gesinnung – auch wenn diese Gruppierung manchmal unterrepräsentiert zu sein scheint. Daher ist es wichtig, Hass und Rassismus entgegen zu treten. Denn diese haben in der Gesellschaft nichts verloren.

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