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Die Gesichter hinter den Öffis

20. September 2016 / von / 0 Kommentare

(Entgeltliche Einschaltung)

Sie sorgen dafür, dass wir in unserer Stadt tagtäglich mit Bus, Bim und U-Bahn rasch und sicher von A nach B kommen. Sechs MitarbeiterInnen der Wiener Linien im persönlichen Porträt.

Story: Alexandra Laubner, Fotos: Michael Mazohl

 

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Sulejman Bašić: 36, Teamleiter/Straßenbahn Wenn Sulejman Bašić seine Uniform anzieht, dann leuchten die Augen seines Sohnes. Und wenn der Papa mal nicht hinsieht, dann zieht sich der Sechsjährige gerne mal selbst das viel zu große Hemd über. Der zweifache Familienvater hat vor 14 Jahren als Straßenbahnfahrer am Betriebsbahnhof Favoriten in der Gudrunstraße begonnen und leitet eben dort seit fünf Jahren ein 35-köpfiges Team. „Ich habe mich nach dem Bundesheer bei den Wiener Linien beworben. Damals war ich 20 Jahre alt. Ich wusste, dass es eine Zeit lang dauert bis man zum Eignungstest zugelassen wird.“ Zwei Jahre danach war es so weit. Als Teamleiter ist Sulejman Bašić für alle personelle Angelegenheiten zuständig. Er hält Meetings ab, informiert die Mitarbeiter und freut sich aber auch darauf, wenn er eine Fahrschicht mit der Straßenbahn übernehmen kann. „Jeder Teamleiter hat eine Linie zugeordnet. Meine Linie ist die Linie 6; sie ist auch meine Lieblingsstrecke, obwohl die Linie 6 wienweit wahrscheinlich die Stressigste von allen ist. Sie ist streckenmäßig sehr lang und hat einen extrem hohen Fahrgastanteil“, erzählt der 36-Jährige. „Ich freue mich immer auf den persönlichen Kontakt zu den Fahrgästen. Eine Straßenbahn zu fahren, ist einfach das Schönste.“ Sulejman Bašić ist in Wien geboren und bis zu seinem zehnten Lebensjahr in Bosnien bei seiner Oma aufgewachsen.

 

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Ali Celik: 20, Lehrling für Elektroenergietechnik „Was würden die Menschen in der Stadt ohne Strom machen?“, dachte sich Ali Celik und hat sich bei den Wiener Linien als Lehrling für Elektroenergietechnik beworben. Das war vor mehr als drei Jahren. Heute ist Celik am Beginn seines vierten Lehrjahres und tritt in einem halben Jahr zu seiner Lehrabschlussprüfung an. Als Elektroenergietechniker ist der 20-Jährige für die technische Infrastruktur zuständig – beispielsweise in U-Bahnstationen oder für die Oberleitungen der Straßenbahn wie auch die Straßenbahnweichen. „Es macht sehr viel Spaß, es ist wie eine Familie. Jeder ist für den anderen da“, sagt Celik. Dienstbeginn ist um sieben Uhr morgens. „Da trinkt man schnell einen Kaffee und es geht schon los. Wir machen dann unter anderem Wartungen an den U-Bahnstationen, beheben Störungen oder kontrollieren Sicherungsmaßnahmen. Es ist sehr abwechslungsreich.“ Was ist für ihn die größte Herausforderung? „Man trägt sehr viel Verantwortung und es darf einem kein einziger Fehler passieren“. Ali Celiks Eltern sind seit 20 Jahren in Österreich. „Türkisch spreche ich nur in der Freizeit, im Job nicht.“

 

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Anica Dimitrijević: 49, Buslenkerin und Teamleiterin Können Sie sich vorstellen, einen 18 Meter langen Gelenkbus durch einen engen Straßenzug wie die Esterhazygasse zu lenken? Nein! Für Anica Dimitrijević wäre es unvorstellbar, darauf verzichten zu müssen. Dimitrijević Lieblingsstrecke ist die Route des 13A. Kein Wunder, denn die lebenslustige Wienerin liebt Herausforderungen. Je mehr Kurven, je mehr enge Gassen und enge Straßen es zu bewältigen gibt, desto besser. Anica Dimitrijević ist eine von 52 Buslenkerinnen und seit fünf Jahren bei den Wiener Linien tätig. „Wirklich?“, lautet immer die Standardfrage, wenn Dimitrijević erzählt, dass sie Buslenkerin sei. „Bevor ich mich bei den Wiener Linien beworben habe, war ich Fahrlehrerin. Den einzigen Führerschein, den ich noch nicht hatte, war jener für den Bus. Und das hat mich gereizt“, erzählt die 49-Jährige, die „gerne anders als die anderen ist“, wie sie sagt. Und was kommt als Nächstes? Pilotin? „Nein, denn dafür bin ich zu klein“, lacht Dimitrijević.

 

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Özgür Akpinar: 25, Referatsleiter, Betriebsvorbereitung für die U-Bahn „Es ist ein sehr familiäres Klima, das gefällt mir“, sagt Özgür Akpinar, der seit März bei den Wiener Linien als Referatsleiter für die Betriebsvorbereitung für die U-Bahn im Einsatz ist. Akpinar, der in Wien geboren und aufgewachsen ist – Akpinars Mutter stammt aus Istanbul, sein Vater aus Izmir – hat die HTL für Elektrotechnik absolviert und an der Fachhochschule St. Pölten „Bahnwesen und Mobilität“ studiert. „Ich habe den Bachelor und schreibe gerade meine Diplomarbeit“, erzählt der 25-Jährige. Das Aufgabengebiet als Referatsleiter für die Betriebsvorbereitung für die U-Bahn sei breit gefächert. „Es ist sehr abwechslungsreich. Ich verbringe 60 Prozent im Büro und die restliche Zeit auf der Strecke. Und dazu habe ich noch die Fahrberechtigung für die U-Bahn.“ Der Schwerpunkt liegt bei Großveranstaltungen. „Wenn Events im Stadion stattfinden, dann treffen wir die Vorbereitungen. Wir sind dafür zuständig, dass ausreichend Mitarbeiter vor Ort sind, dass zusätzliche Züge zur Verfügung stehen und erstellen einen Plan, wann die Züge eingesetzt werden.“ Wenn die U-Bahn nicht fährt, dann stehen Begehungen der Strecken auf dem Programm.

 

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Predrag Vučeta: 26, Fahrgast-Informationsservice Der gelernte Mechatroniker ist seit März 2009 bei den Wiener Linien tätig. „Ich wollte nicht nur in einer Werkstätte arbeiten, deshalb habe ich mich bei den Wiener Linien beworben, das ist interessanter“, sagt der gebürtige Bosnier, der seit 1992 in Wien lebt. Predrag Vučeta ist „draußen unterwegs“ – „auf der Strecke“, wie er sagt und unter anderem für die Verlegung von Haltestellen sowie Montage- und Reparaturarbeiten zuständig und kommt auch dann zum Einsatz, wenn beispielsweise Fahrpläne getauscht werden müssen. Wie sieht Vučetas Alltag aus? „Wir haben zwei Schichten, entweder von 6 bis 14 Uhr oder von 14 bis 22 Uhr. Die Schichten wechseln sich alle drei Wochen ab“, erzählt der frischgebackene Papa. Gab es besondere Momente, witzige oder gefährliche? „Lustige schon. Was uns öfters passiert ist, dass im Haltestellen-Bereich Fahrgäste mit uns zur nächsten Haltestelle mitfahren wollten“, erzählt Predrag der Deutsch, Serbokroatisch und Englisch spricht. „Die Mehrsprachigkeit ist von Vorteil. Ich kann dann WienbesucherInnen, die nicht Deutsch sprechen, leichter erklären, wo sie hin wollen.“

 

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Sinan Celik: 41, Revisor Wenn eine Haltestelle aufgrund einer Baustelle aufgelassen wird, Falschparker die Weiterfahrt der Bim behindern, da sie zu knapp an den Straßenbahnschienen parken oder, wenn aufgrund eines Gasrohrgebrechens Busse kurzgeführt werden müssen, dann ist er im Einsatz. Sinan Celik ist seit 2011 Revisor bei den Wiener Linien. „Egal, welche Störungen oder welche Vorfälle sich ereignen, als Revisor bin ich immer vor Ort. Ich koordiniere und dokumentiere die Vorfälle und gebe die Informationen weiter“, sagt Celik. Was war Sinan Celiks spektakulärster Einsatz? Darüber muss der 41-Jährige nicht lange nachdenken. „Der Wiener City Marathon ist sehr spektakulär und natürlich auch herausfordernd.“ Celik ist seit 2005 bei den Wiener Linien tätig. Zuerst als Straßenbahnfahrer im Bahnhof Rudolfsheim, dann war Celik bei der U6 als U-Bahnfahrer stationiert und ist nun seit fünf Jahren Revisor. Kann Sinan Celik eigentlich abschalten, wenn er privat durch die Stadt schlendert? „Nein, das geht nicht“, sagt der türkischstämmige Wiener und lacht. „Auch wenn ich nicht im Dienst bin, schaue ich automatisch, ob die Haltestellen frei sind oder Autos zu nahe an den Schienen parken“, erzählt er.


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