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Das Comeback des Leberkäse

17. November 2015 / von / 0 Kommentare

Der Austrofred hat ein neues Buch geschrieben. Im Interview erzählt er uns, wieso es sich dabei um sein philosophisches Hauptwerk handelt und warum „Pferdeleberkäse“ ein guter Buchtitel ist.

Fotos: Michael Mazohl

WV: Ist das jetzt eigentlich ein Interview mit Franz Adrian Wenzl oder mit dem Austrofred?

AUSTROFRED: Naja, schon ein Interview mit dem Austrofred. Man muss aber nicht immer auf der Figur hängenbleiben und kann das schon auch ein bisschen mischen.

WV: Wann war eigentlich die Geburtsstunde des Austrofreds?

AUSTROFRED: Das ist schon 14 Jahre her. Ich war immer schon großer Freddie Mercury Fan, weil er einfach sehr talentiert ist. Ich habe mir damals gedacht, man könnte doch die Queen-Hits einmal auf Österreichisch bringen und habe das dann einmal auf einer Party gemacht – zuerst war das ja eher ein Gag. Dann führten Zufälle dazu, dass daraus mehr wurde. Der erste Zufall war, dass der Auftritt mitgeschnitten wurde und der zweite, dass ein Booker anwesend war. Daraufhin wurde ich gleich für bekannte Locations gebucht. Dann hat sich das alles verselbstständigt. Das ganze war kein geplantes Projekt.

WV: Du hast ja erst kürzlich dein neues Buch veröffentlicht. Es heißt „Pferdeleberkäse“. Wie unterscheidet es sich von deinen anderen Büchern und worum geht es darin?

AUSTROFRED: Das erste Buch war eine Autobiographie und die letzten zwei waren Romane beziehungsweise eines davon ein Briefwechsel mit Mozart. Insgesamt geht es im neuen Buch um viele verschiedene Themen. Pferdeleberkäse ist aber definitiv mein philosophisches Hauptwerk, würde ich sagen. Darin findet man vor allem Essays und Reportagen.

WV: Welcher philosophischer Strömung würdest du dich hinzuzählen?

AUSTROFRED: Der Rockstar Philosophie: Do what you like. Be as you like. Oder was auch immer. Meine Ausgangsposition ist, dass ich als erfolgreicher Rockstar die Pflicht habe, etwas an junge talentierte Menschen weiterzugeben. Darum schreibe ich. Es ist auch ein pädagogischer Ansatz.

WV: Was würdest du der sogenannten „Generation Praktikum“ oder „Generation Maybe“ weitergeben?

AUSTROFRED: Nicht abbringen lassen. Wenn jemand was gefunden hat, das ihn interessiert, soll er das verfolgen. Auch wenn es schwerer geworden ist, seinen Weg zu gehen. Wenn man was machen will, soll man es machen, dann geht sich immer was aus.

WV: Hattest du einen Plan B?

AUSTROFRED: Ich habe eine Speditionskaufmannlehre gemacht, also einen ganz normalen Beruf gelernt. Auf der einen Seite ist es natürlich so, dass ich den Austrofred mit Herzblut betreibe, auf der anderen Seite schaue ich, dass ich wirtschaftlich abgesichert bin, damit ich das nicht immer machen muss.

WV: Hast du schon einmal an der Figur des Austrofred gezweifelt?

AUSTROFRED: Ja, es gab schon so Momente. Da habe ich mich gefragt, was soll das eigentlich alles. Da wo man was auf der Bühne macht und die Leute klatschen und man findet es irgendwie komisch. Natürlich gab es Phasen wo ich darüber mehr nachgedacht habe. Aber das war eher am Anfang. Der Austrofred ist eine Rockmusikerfigur, er trinkt gerne Bier und parodiert das was es so im Rock gibt. Da war es manchmal schon so, dass das Publikum nicht mehr so auf Zwischentöne gehört hat. Sondern, dass man sagt, man geht zum Austrofred und des is‘ a Gaudi, aber nur das ist auch ein bissi fad. Mittlerweile ist mein Publikum bunter, kommt mir vor. Wenn ich lese, habe ich zum Beispiel oft ein älteres Publikum, das genieß ich schon sehr.

WV: Zurück zu deinem Buch. Wieso heißt das Pferdeleberkäse?

AUSTROFRED: Ich hab geschaut, welche Begriffe oft darin vorkommen. In sieben von zwanzig Texten kam Leberkäse vor. Dann habe ich mir gedacht: Das ist eigentlich schon ein guter Titel. Nur: Ein Grillparzer oder Franz Werfel hätte wahrscheinlich kein Buch Leberkäse genannt, deswegen hat es ein edleres Element gebraucht. Und der Pferdeleberkäse ist ja ein bisserl ein edlerer Leberkas.

WV: Es gibt ja seit kurzem den berühmten Linzer „Leberkaspeppi“ in Wien. Trifft man dich dort oft?

AUSTROFRED: Hat der schon aufgesperrt? Es gibt ja auch den „Leberkaswilli“. Allgemein feiert ja der Leberkäse momentan ein großes Comeback. Ich bin da voll am Puls der Zeit. Aber es hat mich schon überrascht, wie oft ich im Buch das Wort Leberkäse verwende, ich bin ja eigentlich mehr so der Schnitzeltiger.

WV: Apropos Schnitzel: Der Austrofred ist ja durch und durch österreichisch. Wieso hast du dich für eine österreichische Figur entschieden?

AUSTROFRED: Ich fand den Bruch zwischen Queen- musik und Austropop spannend. Queen ist ja das Grandioseste was es gibt. Freddie Mercury auf der Bühne ist so total unnahbar und immer bigger than life. Austropop funktioniert hingegen ganz anders. Da hast du eher so ein SingerSongwriter-Element. Da sitzt jemand am Tisch bei dir und erzählt die Geschichte vom Großvater, wie bei der STS. Ich finde außerdem, dass Österreich ein witziges Land ist. Irgendwie komisch und auch interessant.

WV: Wie nimmst du eigentlich diese ganze Austropopwelle des letzten Jahres wahr, also rund um Wanda und Bilderbuch? Ist der Austrofred Teil davon? Feiert er das?

AUSTROFRED: Wann dann sehe ich mich eher als Vorreiter (lacht). Ich war tatsächlich einer der ersten, die sich subkulturell mit dem Austropop beschäftigt haben. Jüngere Bands wie Nino aus Wien oder Wanda haben einen anderen Zugang zum Austropop als ich. Weil sie eben jünger als ich sind und das schon als lässige Musik von den Eltern mitbekommen haben. Die können damit ungebrochener umgehen. Das kann ich nicht. Ich schau, dass ich immer diesen ironischen Blick darauf habe, so wurde ich sozialisiert. Ich hab selbst eher immer geschaut, was gibts noch für andere Musik und nach etwas Internationalerem gesucht. Aber grundsätzlich finde ich das interessant.

WV: Findest du nicht, dass man auch im Austropop große Gesten wie bei Queen findet?

AUSTROFRED: Man muss bedenken, dass man mit Austropop oft zuerst Danzer oder Ambros meint. Aber es gibt ja auch Falco und der ist natürlich von der DNA her mehr Queen als Austropop.

WV: Du bist ein Multitalent – du schreibst, singst und trittst im Fernsehen auf – zum Beispiel bei Willkommen Österreich. Hast du eigentlich so etwas wie ein Lieblingsmedium?

AUSTROFRED: Also Fernsehen sicher nicht. Ich hab gerne alle Fäden in der Hand und im Fernsehen ist das nicht möglich. Schreiben ist ganz super, weil man das von Kopf bis Fuß selber konzipieren kann. Beim Fernsehen geht das eigentlich nicht mehr, da reden wieder alle mit und haben oft ein anderes Verständnis davon, wie etwas funktionieren soll. Das kann anstrengend sein. Vor allem das Warten und auf Knopfdruck da sein. Schreiben und Musik sind mir näher. Früher habe ich auch Platten und Bücher gesammelt.

WV: Was sind deine nächsten Projektideen?

AUSTROFRED: Also zum Schreiben habe ich genug Ideen. Was mich aber außerdem sehr reizt, ist eine große Austrofred-Ausstellung. Es gibt ja diesen Trend in der Rock- und Popmusik hin zur Musealisierung, so etwas wie die David Bowie Ausstellung in London wäre cool. Ich hab ja jetzt schon so ein umfangreiches Werk, das kann man schon langsam einmal ausstellen, finde ich.

 

4 Antworten ohne Worte

ONLINE Austrofred-Vorauswahl--_MG_7910--(C)MichaelMazohl

Zum Schreiben braucht man…

 

ONLINE Austrofred-Vorauswahl--_MG_7921--(C)MichaelMazohl

Wie wäre ein Leben ohne Musik für dich?

 

ONLINE Austrofred-Vorauswahl--_MG_7913--(C)MichaelMazohl

Wenn dein Arzt dir verbieten würde, Leberkäse und Schnitzel zu essen…

 

ONLINE Austrofred-Vorauswahl--_MG_7904--(C)MichaelMazohl

Was wärst du ohne die Figur Austrofred?

 

 


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